Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 3.August 2013; Leitartikel von Mario Zenhäusern: "Von Respekt keine Spur"

Innsbruck (OTS) - Utl: "Vorwärts Tirol" ist angetreten, um einen respektvolleren Stil in die Landespolitik zu bringen und den Stillstand zu been den. Davon ist nichts zu spüren und den Begriff Fairness hat die Parteispitze überhaupt aus ihrem Vokabular gestrichen.

Doch nie zuvor in der politischen Geschichte Tirols hat sich eine wahlwerbende Gruppe derart schnell und derart gründlich ins Aus manövriert wie "Vorwärts Tirol". Beinahe wöchentlich dokumentieren neue Facetten eines unappetitlichen Streits um Geld und Macht den Abstieg jener Truppe, die sich die Fairness auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Hans Lindenberger und Anna Hosp beweisen mit ihrem Gezanke, wie bitterwahr die Feststellung ist, dass Fairness eben keine politische Kategorie sei.
Die Ausgangslage war, ähnlich wie bei Fritz Dinkhausers erstem Antreten 2008, gar nicht so schlecht. Die ÖVP lag in allen Umfragen auf einem historischen Tiefststand. Gleichzeitig standen mit Anna Hosp und Christine Oppitz-Plörer zwei Frauen an der Spitze der neuen Bewegung, die der Großteil der enttäuschten VP-Wähler zu Hoffnungsträgerinnen einer konservativen Erneuerung im Land hochstilisierte. Selbst als intern bereits die Fetzen flogen, galten die frühere Landesrätin und die amtierende Innsbrucker Bürgermeisterin als Ikonen der VP-Rebellen. Beide haben ihr Bild in der Öffentlichkeit nachhaltig und mutwillig beschädigt. Das ist ein Problem, mit dem vor allem Oppitz-Plörer fertigwerden muss, deren Image als politische Macherin in der Landeshauptstadt Risse abbekommen hat.
Die eigentliche Tragik am seit Wochen andauernden "Vorwärts"-Gemetzel ist aber, dass Lindenberger, Hosp und Oppitz-Plörer mit ihren gegenseitigen Vorwürfen, die seit geraumer Zeit auch die Gerichte beschäftigen, der Politik an sich Schaden zufügen. Ganz abgesehen davon, dass jene 30.229 Tirolerinnen und Tiroler, die "Vorwärts" gewählt haben, sich schwer getäuscht sehen, ist auch die landespolitische Wirkung der zerstrittenen Truppe bescheiden bis nicht messbar. Dabei wollten Lindenberger, Hosp und Oppitz-Plörer einen neuen, respektvolleren Stil in die Landespolitik bringen, Tirol mit fundierter Sachpolitik in die Zukunft führen und den derzeitigen Stillstand im Land beenden. Stattdessen haben sie ihre Gruppierung an die Wand gefahren. Stillstand herrscht, in politischem Sinne, lediglich bei "Vorwärts Tirol". Das fügt nicht nur der eigenen Gruppierung weitere Tiefschläge zu, sondern schwächt zu allem Überdruss auch noch die Opposition im Landtag.
Mit ihrem Streit spielen die einstigen "Vorwärts"-Spitzen - wer das derzeit ist, müssen ja erst die Gerichte klären! - also lediglich der neuen Landesregierung in die Hände. Wählerwille war das bestimmt nicht, aber das dürfte den Streit hansln mittlerweile egal sein.

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