Trockenheit: Lage in der Landwirtschaft spitzt sich zu

Graz (OTS) - Wlodkowski: Ich bin sehr besorgt, weil die neuerliche Hitzewelle die Situation noch weiter verschärfen wird. Wir müssen auch langfristig vorbeugen, um die Landwirtschaft in den südlichen Teilen der Steiermark abzusichern.

Schäden werden täglich größer.

"Täglich werden die Schäden in der Landwirtschaft durch die langanhaltende Trockenheit und Hitze größer", alarmiert Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski. Arg betroffen sind in der gesamten Steiermark Grünlandflächen auf exponierten Lagen sowie Ackerfrüchte wie Mais, Kürbis, Soja oder Erdäpfel auf Schotter-und Sandböden. "Massiv leiden jetzt auch die für die Steiermark so wichtigen Obstkulturen wie Holunder und Äpfel. Wlodkowski: "Holunder ist teils bereits unterschiedlich stark geschädigt. Bei Äpfel ist es fünf vor zwölf, die Früchte können durch die Trockenheit nicht mehr wachsen."

Neuerliche Hitzewelle wird Lage weiter zuspitzen.

"Die Bauern sind die Leidtragenden des Klimawandels, ihre Ernten sind bedroht, teils bereits erheblich geschädigt oder auch schon gänzlich verloren. Massive Einkommensverluste durch die vernichteten Ernten sind zu erwarten", macht Wlodkowski auf die schwierige Lage der betroffenen Bauern aufmerksam.

Wlodkowski weiter: "Ich bin sehr besorgt, weil die neuerliche Hitzewelle die Situation für die Bauern noch weiter verschärfen wird." Daher sei auch langfristig vorzubeugen, um die Landwirtschaft in den südlichen Teilen des Landes zu sichern. Wlodkowski: "Wir müssen Sonderinvestitionsprogramme für Bewässerungssysteme sowie verbesserte Versicherungslösungen für Trockenschäden auf die Beine stellen." Kurzfristig ist aber eine Hilfe aus dem Katastrophenfonds für stark dürregeschädigte, nicht versicherbare Kulturen wie beispielsweise für Obst oder Holunder notwendig, so Wlodkowski.

Holunder beginnt auszudorren.

"Jetzt setzen Hitze und Trockenheit den sensiblen Holunderkulturen arg zu", sagt Obstbau-Bundesobmann Anton Gangl. Die Jungbäume vertrocknen bereits. Auch die in Ertrag stehenden Holunderbäume beginnen auszudorren. Generell welken und knicken die Holunder-Dolden, erleiden teilweise einen Sonnenbrand und werden bei noch länger anhaltender Trockenheit abfallen, zeigt Gangl die Problematik auf. Mit 1.200 Hektar ist Holunder eine wichtige Obstkultur in der Steiermark. Für rund 500 Produzenten ist diese Obstart ein wichtiges Einkommensstandbein geworden, viele Betriebe haben in den vergangenen Jahren investiert und ihre Flächen ausgeweitet.

Äpfel: Sehr angespannt.

Auch bei den Äpfeln ist die Situation sehr angespannt. Schon länger leiden die Kulturen auf exponierten Lagen sowie Junganlagen. "Doch jetzt wachsen durch Hitze und Trockenheit die Früchte nicht mehr. Den betroffenen Betrieben entsteht so ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden", sagt Gangl.
Ertragsreduktionen müssen auch die Zwetschken- und Pfirsichproduzenten hinnehmen.

1.125 Apfelbauern kultivieren auf 6.197 Hektar Äpfel, Zwetschken werden auf 106 Hektar und Pfirsiche auf 346 Hektar kultiviert.

Äußerst dramatisch ist mittlerweile die Lage bei Mais.

Besonders betroffen sind Flächen auf sandig-schottrigen Böden, auf sonnenexponierten Hängen und auf Flächen, die wegen der nass-kalten Witterung erst sehr spät (nach dem 20. April) bestellt werden konnten. Das gilt für die gesamte Steiermark, insbesondere für die Süd-, Ost- und Weststeiermark sowie für das Mur- und Mürztal. "Viele Bauern sind jetzt schon gezwungen den verdorrten Mais zu ernten. Rinderbauern können so allenfalls noch brauchbares Futter für ihre Tiere ernten. Als Schweinefutter ist verdorrter Mais nicht mehr brauchbar", sagt der Radkersburger Kammerobmann Siegfried Klobassa.

Großer Schädling Maiswurzelbohrer.

"Neben der Trockenheit setzt auch der große Schädling - der Maiswurzelbohrer - den Kulturen zu. Durch die wegen des späten Anbaus auf Ende Juli verzögerte Blüte (normal: Anfang Juli) und hitzebedingt schnellen Entwicklung des Maiswurzelbohrer-Käfers erfolgte eine schlechte Befruchtung. Denn der Maiswurzelbohrer-Käfer frisst die Narbenfäden und verhindert teils oder ganz die Befruchtung. Die Folge: Am Maiskolben bilden sich weniger bis gar keine Maiskörner", weist Landeskammerrätin Maria Pein auf eine zusätzliche, große Problematik hin.

Kürbis: Kleine Früchte.

"Beim Ölkürbis sind auch wie bei Mais besonders die Flächen auf seichtgründigen, sandig-schottrigen Böden steiermarkweit von der Trockenheit betroffen. Kurze Trieblängen und somit kleine Früchte sind die Folge", hebt der Feldbacher Kammerobmann Peter Riedl hervor. Es ist zu erwarten, dass die Ernte insgesamt unterdurchschnittlich ausfallen wird.

Auf eher schweren Böden hat man schon vom Frühjahr her schlecht entwickelte Bestände, weil erst spät angebaut werden konnte (Mitte Mai) beziehungsweise durch schlechten Aufgang nochmals angebaut werden musste. Vielfach gibt es dort keinen Reihenschluss (kurze Triebe) und auch weniger und kleinere Früchte, weil dann durch die einsetzende Trockenheit keine ausreichende Fruchtentwicklung mehr möglich war.

Grünland: Erhebliche Schäden.

Große Schäden sind bereits im Grünland zu verzeichnen. Je nach Region fällt der zweite und dritte Grünlandschnitt weitgehend aus. Auf exponierten Lagen ist das Gras bereits vertrocknet und braun. Selbst bei reichlichem Regen wären für heuer nur mehr bescheidene Erträge möglich. Viele Betriebe verfüttern jetzt schon ihre aus dem ersten Grünlandschnitt gemachten Wintervorräte. Und genau deshalb ist diese Futterzukaufsaktion für die heimischen Rinderbauern so wichtig.

Extrem wenig Regen im Juli.

Nach dem langen, nasskalten Frühjahr mit teilweisen Überschwemmungen folgte ein extrem trockener Juli. In Waltra (Bezirk Südoststeiermark) betrugen die Niederschläge nur 3,8 Prozent des langjährigen Juli-Durchschnittes. In Judenburg gab es nur 7,2 Prozent, in Leibnitz 8,4 Prozent, in Graz-Andritz 15,1 Prozent, in Hartberg 15,8 Prozent sowie in Liezen 16,3 Prozent der langjährigen Durchschnittsniederschläge im Juli. Laut Zentralanstalt für Meteorologie (Zamg) war 2013 der trockenste Juli seit Messbeginn 1858.

Die Temperaturen wiederum lagen im Juli deutlich über dem langjährigen Mittel: Laut Zentralanstalt für Meteorologie war es im Juli 2013 im Schnitt um 2,1 Grad wärmer.

Wlodkowski: Kurzfristige und langfristige Hilfen notwendig.

Wlodkowski begrüßt erste geplante Hilfsmaßnahmen des Landwirtschaftsministeriums. Es sind aber auch langfristige Hilfen notwendig, um die Zukunft der Landwirtschaft abzusichern. Denn durch den Klimawandel treten Wetterkapriolen immer häufiger und intensiver auf, denen die Bauern ausgeliefert sind, weil sie ihre Werkstatt unter freiem Himmel haben.

Wlodkowski begrüßt erste geplante Hilfsmaßnahmen.

Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski begrüßt die von Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich angekündigten ersten Hilfsmaßnahmen für trockengeschädigte Bauern. Wlodkowski: "Besonders wichtig ist eine Unterstützung zum Futtermittelzukauf sowie die Freigabe von Blüh- und Biodiversitätsflächen zur Verfütterung, um Verkäufe von Tieren zu verhindern. Details für die Futterzukaufsaktion müssen aber noch feinabgestimmt werden."
Dieses angekündigte Hilfspaket besteht aus vier Teilen:

a. Futtermittelzukaufsaktion. Um zu verhindern, dass trockengeschädigte Grünlandbauern ihre Tiere verkaufen, soll es einen Zuschuss zum Kauf von Futter wie Heu, Silage, Stroh, Pellets oder Trocken- und Pressschnitten geben. Finanzierung: Katastrophenfonds Bund/Land.

b. Freigabe der Blüh- und Biodiversitätsflächen. Weiters ist geplant, dass Futter von Ackerblüh- und Biodiversitätsflächen, die im Normalfall nur eingeschränkt oder gar nicht genutzt werden dürfen, verfüttert werden dürfen.

c. Stundung der AIK-Kredite für betroffene Bauern. Massive Einkommensverluste durch vernichtete Ernten sind zu erwarten. Die Kreditraten von Agrarinvestitionskrediten sollen ausgesetzt und erst im nächsten Jahr fällig werden.

d. Betriebsmittelkredit bei finanziellen Engpässen. Bei finanziellen Engpässen soll ein Betriebsmittelkredit gewährt werden. Damit sollen landwirtschaftliche Betriebsmittel wie Dünger oder Saatgut angekauft werden. Einen Teil davon finanziert das Landwirtschaftsministerium, den Rest sollen die Länder übernehmen.

Kurzfristige Hilfe aus Katastrophenfonds für nicht versicherbare Kulturen notwendig.

Um kurzfristig zu helfen, ist auch eine Hilfe aus dem Katastrophenfonds für schwer dürregeschädigte, nicht versicherbare Kulturen wie beispielsweise Obst und Holunder notwendig.

Langfristig vorbeugen, um die Zukunft Landwirtschaft abzusichern.

Durch den Klimawandel treten Wetterkapriolen immer häufiger und intensiver auf, denen die Bauern ausgeliefert sind, weil sie ihre Werkstatt unter freiem Himmel haben. Um die Zukunft der Landwirtschaft abzusichern, sind ein Sonderinvestitionsprogramm für Bewässerungen und verbesserte Versicherungsmodelle bei Großschäden notwendig. Kammerpräsident Gerhard Wlodkowski verlangt daher:

a. Von Bund und Land ein Sonderinvestitionsprogramm für Bewässerungssysteme, den Bau von Wasserrückhaltebecken und von Tiefbrunnen.

b. Verbesserte Versicherungsmodelle für Ackerkulturen wie beispielsweise für Mais, Kürbis bei Trockenheit, Überschwemmung, Frost und Sturm, um die Betriebe bei derartigen Wetterkapriolen besser abzusichern.

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Mag. Rosemarie Wilhelm
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