Leiharbeit macht krank - Unternehmen wälzen Kosten auf Allgemeinheit ab

Linz (OTS) - In keiner anderen Berufssparte gibt es so viele Krankengeldfälle wie in der Leasingbranche. Die beiden Hauptgründe:
Leiharbeitnehmer/-innen leiden verstärkt unter krank machenden Arbeitsbedingungen - und ihre Arbeitgeber/-innen drängen sie im Krankenstand häufig zur einvernehmlichen Auflösung des Arbeitsverhältnisses oder zur Selbstkündigung. Dadurch drücken sich die Leasingfirmen vor der Entgeltfortzahlungspflicht und wälzen die Kosten für arbeitsunfähige Beschäftigte auf die Allgemeinheit ab.

Die Praxis vieler Leasingfirmen, krank gewordene Mitarbeiter/-innen im Krankenstand ab- und danach wieder anzumelden, kostet die Allgemeinheit viel Geld. Denn in diesen Fällen erhalten die betroffenen Leasingarbeitnehmer/-innen anstatt der Entgeltfortzahlung durch den Betrieb das Krankengeld der Gebietskrankenkasse. "Nicht genug, dass die Unternehmen krank machende Arbeitsbedingungen nicht abstellen. Sie wälzen auch die Kosten für erkrankte Beschäftigte auf die Allgemeinheit ab. Damit muss Schluss sein", ist AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer empört.

Fast jeder zehnte Krankengeldfall in Oberösterreich (9,7 Prozent) entfällt auf die Leasingbranche. In keiner anderen Wirtschaftssparte gibt es mehr Krankengeldfälle, obwohl von allen unselbständig Beschäftigten in Oberösterreich nur 3,9 Prozent in der Leiharbeitsbranche arbeiten. Auch die Zahl der Krankenstandstage bei den Leasingbeschäftigten ist alarmierend: Knapp sechs Prozent aller Krankenstände in Oberösterreich entfielen im vergangenen Jahr auf die Leiharbeitsbranche. Außerdem müssen Leasingarbeiter/-innen aufgrund von psychischen Erkrankungen deutlich öfter bzw. länger behandelt werden als fest angestellte Arbeiter/-innen. (Quellen: OÖ GKK 2011 und 2012)

Die Beschäftigten in der Leiharbeitsbranche verrichten oft körperlich anstrengende Tätigkeiten und leiden unter ihren prekären Arbeitsverhältnissen, mangelnden Entwicklungsmöglichkeiten, einem häufigen Wechsel der Einsatzorte und fehlender Anerkennung, weil sie nicht Teil der Stammbelegschaft sind.

Kaum verwunderlich ist es daher, dass Leiharbeitnehmer/-innen wenig optimistisch sind, bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter durchzuhalten. Der Österreichische Arbeitsklima Index von AK Oberösterreich und IFES zeigt, dass rund zwei Drittel (67 Prozent) der Leasingbeschäftigten es als sehr unwahrscheinlich oder eher unwahrscheinlich einschätzen, ihre berufliche Tätigkeit noch bis zum Alter von 65 Jahren ausüben zu können.

"Die Jobintegration von älteren oder gesundheitlich beeinträchtigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern durch Leiharbeit kann unter den derzeitigen Bedingungen nicht funktionieren. Die Gesundheit der Beschäftigten in dieser Branche muss verbindlich im Mittelpunkt stehen", stellt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fest. Er appelliert an die Unternehmen, Leiharbeitskräfte maximal zur Abdeckung von Auftragsspitzen einzusetzen und Leasingarbeitnehmer/-innen fix in den Betrieb zu übernehmen, wenn diese dort über einen längeren Zeitraum beschäftigt sind. Der Anteil an Leiharbeitnehmern/-innen je Betrieb sollte auf höchstens zehn Prozent beschränkt werden.

Die AK fordert die Wiedereinführung des Entgeltfortzahlungsfonds für alle Betriebe und einen Kündigungsschutz während des Krankenstands. "Einvernehmliche Auflösungen des Arbeitsverhältnisses im Krankenstand dürfen nicht zum Entfall der Entgeltfortzahlungspflicht durch die Betriebe führen. Nur so kann ein Abwälzen der Kosten auf die Allgemeinheit verhindert werden", sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

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