WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der feine Unterschied - von Christain Kreuzer

Europas Banken verlieren gegenüber der US-Konkurrenz immer mehr an Boden

Wien (OTS) - Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Die Deutsche Bank verdiente im Halbjahr 50 Prozent weniger, bei der Ersten Group geht der Gewinn um ein Drittel zurück. Während in Europa die Kreditinstitute weiter an den Folgen der Finanzkrise leiden, verkünden die US-amerikanischen Geldhäuser Rekordergebnisse am laufenden Band.

So verdoppelte Goldman Sachs allein im zweiten Quartal seinen Konzerngewinn, zuvor meldeten auch JP Morgan, Citigroup und Bank of America Ergebnisse in Milliardenhöhe.

Was können die US-Banken besser als die europäische Konkurrenz? Ganz einfach gesprochen: Sie operieren in einem ganz anderen Umfeld und haben eine komplett andere Geschäftsstrategie.

Die USA erholen sich von der Jahrhundertkrise wesentlich schneller als der alte Kontinent. Das Geschäft gedeiht unter derartigen Bedingungen naturgemäß besser als in einer konjunkturell angeschlagenen Region.

Aber das ist nur eine Seite der Medaille - die zweite ist die Konzentration auf das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen und anderen Beratungsleistungen, die kostengünstiger angeboten werden können als das klassische Filialgeschäft europäischer Prägung.

Für einen M&A-Deal braucht die Bank keine Niederlassung und verdient damit das Vielfache eines KMU-Kredits. Und dieser Margenvorteil zeigt sich jedes Quartal in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung.

Ist das für Europa gefährlich, wenn die hiesigen Banken an Boden verlieren? Definitiv. Denn Investoren analysieren genau, wo sie ihr Kapital anlegen. Wenn in den USA eine Eigenkapitalverzinsung von bis zu 20 Prozent zu erzielen ist, dann werden sie ihr Geld dort investieren.

Bei Europas Banken bewegt sich die Verzinsung im mittleren einstelligen Bereich. Wer glaubt, das könnte sich bei einem künftigen Aufschwung wieder ändern, der irrt: Europas Banken werden wegen der verschärften Eigenkapitalregeln - die absolut notwendig sind - nie wieder das Niveau von vor der Krise erreichen.

Das soll sie auch sicherer machen, damit der Steuerzahler nicht mehr einspringen muss. Die europäischen Geldhäuser pochen aus diesem Grund auch darauf, dass die US-Institute Basel III einhalten, um zumindest auf der regulativen Ebene Waffengleichheit zu haben.

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