Freie DienstnehmerInnen müssen ein Auskommen mit ihrem Einkommen finden

GPA-djp-Interessengemeinschaft work@flex fordert gleiches Recht für alle abhängig Beschäftigten

Wien (OTS/ÖGB) - "Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass in Österreich für Menschen, die in totaler Abhängigkeit zu einem Arbeitgeber stehen, arbeitsrechtliche Bestimmungen wie Mindesteinkommen oder das Arbeitszeitgesetz einfach nicht gelten, weil sie statt einem normalen Angestelltenverhältnis als selbständig Tätige oder freie DienstnehmerInnen angesehen werden", bringt GPA-djp-Bundesgeschäftsführerin Dwora Stein bei der heutigen Pressekonferenz der GPA-djp-Interessengemeinschaft work@flex die derzeitige Situation von Menschen in flexiblen Arbeitsverhältnissen auf den Punkt. ++++

Die Ergebnisse einer Online-Befragung zu den Arbeitsbedingungen und Honoraren von freien DienstnehmerInnen und WerksvertragsnehmerInnen im Juni 2013 zeigen ein zum Teil erschreckendes Bild:

  • Nur die Hälfte der Honorare ist existenzsichernd.
  • Frauen haben weniger Verhandlungsspielraum.
  • Freie DienstnehmerInnen gibt es vor allem in den Bereichen Gesundheit und Soziales, dem Journalismus und der Erwachsenenbildung.
  • Freie DienstnehmerInnen sind sehr gut ausgebildet.
  • Atypische Beschäftigung ist mittlerweile altersunabhängig.
  • Die Dunkelziffer bei Umgehungsverträgen ist nach wie vor hoch.

"Wir fordern rechtlich abgesicherte, also einklagbare Mindesthonorare für 'echte' freie DienstnehmerInnen und WerkvertragsnehmerInnen. Angelehnt an die jeweiligen Branchenkollektivverträge soll es existenzsichernde Mindesthonorare samt Berücksichtigung von Sonderzahlungen und den entsprechenden Arbeitgeberanteilen bei Sozialversicherung und Lohnsteuer geben. Diese Honorare müssen demnach etwa doppelt so hoch wie das kollektivvertragliche Bruttostundenentgelt sein. Wie die Befragung zeigt, haben die meisten freien DienstnehmerInnen gar keinen Spielraum, um ihr Honorar zu verhandeln", erklärt Stein.

Die GPA-djp fordert außerdem die Einbeziehung von freien DienstnehmerInnen in das Mutterschutz- und Elternkarenzurlaubsrecht. Freie DienstnehmerInnen fallen derzeit nicht unter die Bestimmungen des Mutterschutz- und Elternkarenzurlaubsrechts und sind dem Arbeitgeber vollkommen ausgeliefert. Denn bei einer Schwangerschaft können die Nachteile durch einen freien Dienstvertrag sogar existenzbedrohend werden: "Da das Mutterschutzgesetz nicht gilt, konnte ich bei meiner Schwangerschaft nicht einfach in Krankenstand gehen, als ich vorzeitige Wehen bekam. Stattdessen bekam ich von meinem Arzt vorzeitigen Mutterschutz verordnet. Da ich zu Beginn der Schwangerschaft wegen Übelkeit nicht mehr so viele Stunden wie davor arbeiten konnte, sanken außerdem die Berechnungsgrundlage für das Wochengeld und das Kinderbetreuungsgeld", schildert Laura Weissenbach ihre Erfahrungen als freie Dienstnehmerin in einem Architektenbüro.

"Die Tätigkeiten von freien DienstnehmerInnen und WerkvertragsnehmerInnen unterliegen unterschiedlichen Sozialversicherungssystemen, was immer wieder zu Problemen führt. Wir fordern eine Vereinfachung bei der Abrechnung der Sozialversicherungsbeiträge für freie DienstnehmerInnen und WerkvertragsnehmerInnen", so Andrea Schober, Interessengemeinschaft work@flex, GPA-djp: "Die Abrechnung in unterschiedlichen Sozialversicherungssystemen stellt für Betroffene, die zwischen freiem Dienstvertrag und Werkvertrag hin und her pendeln bzw. gleichzeitig beide Verträge haben, eine immerwährende Hürde dar, da die Sozialversicherungssysteme nicht kompatibel sind."

"Wir werden weiterhin sehr genau prüfen, ob ein freies Dienstverhältnis oder ein Angestelltenverhältnis vorliegt. Die Umgehungskonstruktionen von besonders 'schlauen' ArbeitgeberInnen werden sich in Zukunft immer weniger lohnen. Das gilt aus unserer Sicht auch für die 24-Stunden-Betreuung. Es kann nicht sein, dass wir zulassen, dass hier Menschen ausgebeutet werden, mit der fadenscheinigen Begründung, dass sie damit immer noch mehr verdienen als in ihrem Heimatland", kündigt Stein an.

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