Pensionistenverband: Nahversorgung darf kein Auslaufmodell werden!

Gerade ältere Menschen auf Geschäfte angewiesen, die ohne Auto erreichbar sind.

Wien (OTS) - Seit Jahren müssen immer mehr Gemeinden ohne ein eigenes Lebensmittelgeschäft auskommen, wie gerade wieder eine Studie in der Steiermark feststellte. Rund jede vierte Gemeinde in Österreich hat keinen Nahversorger. So ist eine wachsende Zahl von Konsumentinnen und Konsumenten beim Einkauf auf ein Auto angewiesen. Dies ist nicht nur teuer, wenn man die Treibstoffkosten und die Erhaltungskosten berücksichtigt, es ist auch für viele ältere Menschen oft nicht möglich.

Pensionistenverbands-Präsident Karl Blecha sieht hier eine "höchst bedenkliche Entwicklung, von der viele Gemeinden im letzten Jahrzehnt überrollt wurden. Vielfach wurde diesem schleichenden Verlust von lokaler Infrastruktur offenbar auch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Heute haben aber viele Gemeinden die Zeichen der Zeit erkannt und engagieren sich immer stärker für eine funktionierende Nahversorgung."

Blecha sieht hier auch Zusammenhänge zwischen neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsansätzen und der Ausdünnung der Infrastruktur im ländlichen Raum: "Ein Sterben von Kleinbetrieben und das Forcieren großer Einkaufszentren bedeutet nicht nur die schleichende Zerstörung lokaler Nahversorgung, sondern auch die Einschränkung der Kommunikationsnetzwerke und -möglichkeiten der Menschen. Gerade für die ältere Bevölkerung ist das mit einer massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität verbunden."

"Wir brauchen nach dem Scheitern des Neoliberalismus eine Systemänderung, eine Rückkehr zu einer Wirtschaft, in der nicht bloß Gewinnmaximierung, sondern die Anliegen und Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt stehen. Dazu gehört zwingend die Gewährleistung einer intakten Infrastruktur", so Blecha.

PVÖ fordert Förderung der ländlichen Nahversorgung

Dr. Harald Glatz, Konsumentenschutzexperte des Pensionistenverbandes, zeigt Möglichkeiten auf, das Nahversorger-Sterben in ländlichen Gebieten zu verhindern: "Die Menschen haben das Recht auf eine intakte Nahversorgung, gerade auch in weniger städtischen Regionen. Wir fordern daher, dass Förderungen für den ländlichen Raum nicht nur auf die Landwirtschaft beschränkt werden, sondern auch für eine funktionierende Nahversorgung vergeben werden können."

"Zur Entwicklung der lokalen Basisdienstleistungen brauchen wir die Förderung der Nahversorgung, ein Investitionsförderungsprogramm und zum Beispiel die Förderung von Lagerwaren für Klein- und Mittelbetriebe. In einer modernen und solidarischen Gesellschaft muss einfach besonderes Augenmerk auf die spezifischen Bedürfnisse der Bevölkerung gelegt werden. Dazu gehört, besonders in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen die Möglichkeit zu geben, grundlegende Erledigungen wie den Lebensmittelkauf selbst zu erledigen und parallel dazu Orte des Austauschs zu finden. Diese Formen der sozialen Integration beugen nicht zuletzt auch der Abwanderung vor", schließt Glatz.

Rückfragen & Kontakt:

Pensionistenverband Österreichs, presse@pvoe.at, GS Andreas Wohlmuth, Tel. 01/313 72-30, Daniel Auer, Tel. 01/313 72-31

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PVO0001