Offener Brief

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Baumgartner!

In mehreren Medien outen Sie sich heute als geschlagenes Kind, was mir sehr leid tut. Wie leider viele andere Erwachsene auch versuchen Sie diese Gewalt, die Ihnen als Kind zugefügt wurde, zu bagatellisieren.
Naja war ja nur eine "gsunde Watschn" hat mir ja nicht geschadet. Sie denken auch darüber (öffentlich) nach, dass die "gsunde Watschn" manchmal erzieherisch durchaus hilfreich sein könnte.
Aufgrund Ihrer öffentlich getätigten Überlegungen bezüglich Gewalt an Kindern möchte ich Ihnen mitteilen, dass Gewalt an Kindern seit 1989 in Österreich gesetzlich komplett verboten ist.
Ein "Watschn" ist alles andere als gesund, sie kann Kinder unter Umständen krank machen.
Leider sind im Bewusstsein vieler Erwachsener Sätze wie "eine Watschn hat noch niemand geschadet", "Kinder betteln darum", oder "Was ich mit meinem Kind tue, ist allein meine Sache" verankert.
Eltern setzen auch heute noch viel zu oft leichte Schläge als Erziehungsmittel ein - wer jedoch Ohrfeigen in manchen Fällen für angebracht hält, rechtfertigt möglicherweise auch härtere Gewalt in Ausnahmefällen, wenn das Kind besonders "schlimm" war.
Laut Studie geben 55 % der 16-20 Jährigen an körperliche Gewalt in ihrer Kindheit und Jugend erlebt zu haben, die Hälfte aller Eltern bekennt sich dazu "leichte Formen der Gewalt als Erziehungsmaßnahmen" anzuwenden.
Als Extremsportler sind Sie durch Ihren Sprung aus der Stratosphäre weltweit bekannt geworden und haben als öffentliche Person auch eine Verantwortung.
Gewalt - und dazu gehören Schläge jeder Form - sind kein Mittel, das gegenüber Kindern anzuwenden ist.
Kinder haben Rechte und ein elementares Recht ist ohne Gewalt aufzuwachsen.

Rückfragen & Kontakt:

Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
Frau DSAin Monika Pinterits
Tel.: (++43-1) 70 77 000
post@jugendanwalt.wien.gv.at

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