Karlheinz Töchterle: Gezielte Schritte zur weiteren Verbesserung der Situation von Studentinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen

Präsentation des Berichts zur "Situation von Studentinnen" mit Martin Unger (IHS) und Petra Wejwar (IHS)

Wien (OTS) - Der "Situation von Studentinnen" wurde im Rahmen eines Zusatzberichts zur Studierenden-Sozialerhebung besonderes Augenmerk geschenkt. Bei der heutigen Präsentation mit der Studienautorin Mag. Petra Wejwar und Mag. Martin Unger und vom Institut für Höhere Studien (IHS) betonte Wissenschafts- und Forschungsminister Dr. Karlheinz Töchterle: "Wissenschaft und Forschung sind weite Felder, die vielfältige Möglichkeiten bieten - und dennoch stoßen Frauen zum Teil an gewisse Grenzen. Mit gezielten Maßnahmen arbeiten wir laufend an der weiteren Verbesserung der Situation von Studentinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen." Die Studienautor/innen nahmen unter anderem geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich der Bildungsentscheidungen in den Blick: Genauer beleuchtet werden zum Beispiel die Hochschulzugangsquoten und die Bildungskarrieren. Ein weiterer Fokus des Berichts liegt auf dem Studienfortschritt von Frauen und Männern. Dabei wird etwa auf das Zeitbudget der Studierenden, die Studienzufriedenheit und die Internationalisierung eingegangen. Ein thematischer Schwerpunkt stellt auch die Lebenssituation von Studentinnen und Studenten vergleichend gegenüber, wobei hier neben der familiären Situation vor allem das Erwerbsverhalten und die finanzielle Situation eingehender analysiert werden.

"Vor 40 Jahren war noch ein Viertel aller Studierenden weiblich, heute sind es 54 Prozent. Sie wenden pro Woche eine Stunde mehr für ihr Studium auf und studieren im Schnitt etwas erfolgreicher und schneller als Männer", so Martin Unger. Groß sind aber weiterhin die Unterschiede in der Fächerwahl (Stichwort: Geisteswissenschaften vs. Technik), die auch gravierende Auswirkungen auf die Studien- und Lebenssituation der Studierenden haben. "Frauen studieren häufiger große Fächer mit schlechteren Studienbedingungen oder Fächer mit geringeren Arbeitsmarktchancen", sagt Petra Wejwar. "Sie legen größeren Wert auf gute Vereinbarkeit von Job und Studium und müssen dafür aber eine schlechtere Arbeitsmarktvorbereitung in Kauf nehmen. Sie sind auch im Schnitt auch unzufriedener mit ihrem Studium und berichten häufiger von finanziellen Schwierigkeiten."

Seitens des Wissenschafts- und Forschungsministeriums werden mehrere Schritte gesetzt, um Studentinnen und Wissenschaftlerinnen gezielt zu unterstützen. Beispielsweise wurden in den Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten verschiedene Maßnahmen vereinbart (zB Erhöhung der Anzahl der Laufbahnstellen, budgetäre Maßnahmen und Frauenförderungspläne) und die 40prozentige Frauenquote gilt in sämtlichen Gremien. An Fachhochschulen gilt: Bei einer Akkreditierung ist im Entwicklungsplan ein Frauenförderungsplan und die Gleichstellung von Frauen und Männern festzuhalten. Mehrere Fachhochschulen setzen Maßnahmen, etwa um den Frauenanteil in technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen zu erhöhen.

Weiters gibt es im Wissenschaftsfonds FWF entsprechende Programme (Hertha Firnberg-Programm, Elise Richter-Programm) sowie zur Förderung im DOC- und Post Doc-Bereich das L'OREAL-Stipendium in Partnerschaft mit der UNESCO-Kommission und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Auch der Gender- und Diversitätsbeirat des BMWF hat mehrere Maßnahmen vorgeschlagen, an deren Umsetzung gearbeitet wird bzw. die zum Teil bereits umgesetzt sind, wie bspw. Initiativen zur Bewerbung von Berufsreife- und Studienberechtigungsprüfung, Entwicklung eines Formats für "Role Models", Ausbau der Kinderbetreuungsangebote und die Stärkung von Frauen in MINT-Fächern.

Aspekte des Berichts zur "Situation von Studentinnen" im Überblick:
- Generell stellen Frauen mit 54 Prozent etwas über die Hälfte der Studierendenschaft Österreichs. An Fachhochschulen studieren Frauen seltener als Männer (11 Prozent vs. 14 Prozent), an Pädagogischen Hochschulen dafür deutlich häufiger (6 Prozent vs. 2 Prozent).
- Geisteswissenschaftliche Studienfächer an Universitäten werden von Frauen überdurchschnittlich häufig belegt (31 Prozent der Frauen vs. 14 Prozent der Männer), die Technik dagegen ist eine männer-dominierte Fachgruppe (30 Prozent der Männer vs. 10 Prozent der Frauen), wobei etwa ein Fünftel der Frauen in der Technik in Architektur eingeschrieben ist. Auch Lehramts- und naturwissenschaftliche Studien (knapp die Hälfte der Frauen in Naturwissenschaften studiert Psychologie) sowie Veterinärmedizin werden von Frauen häufiger belegt als von Männern.
- 63 Prozent der Studentinnen ging im WS 2010/11 einer Erwerbstätigkeit nach, die Erwerbsquote von Männern unterscheidet sich hier kaum. Unterschiede im Erwerbsverhalten zeigen sich jedoch z.T. deutlich, etwa im Erwerbsausmaß, dem Beschäftigungsverhältnis oder dem Erwerbseikommen.
- Frauen nehmen in allen Bundesländern häufiger ein Studium auf als Männer, im Gesamtschnitt liegt die Hochschulzugangsquote von Frauen bei 51 Prozent und jene von Männern bei 39 Prozent.
- Bei beiden Geschlechtern zeigt sich dabei ein Ost-West-Gefälle, wonach Studierende aus West-Österreich deutlich seltener ein Studium aufnehmen als jene aus Ost-Österreich.
- Die Aufnahme eines Studiums ist nicht nur stark an die regionale, sondern auch an die soziale Herkunft geknüpft. Demnach wird die Aufnahme eines Hochschulstudiums bei Männern stärker durch das Bildungsniveau der Eltern beeinflusst als bei Frauen, das heißt, dass soziale Aufwärtsmobilität bei Frauen eher gegeben ist als bei Männern.
- Je nach Fächergruppe unterschiedlich sind auch die Übertrittsquoten von Frauen und Männern an Universitäten vom Bachelor- ins Masterstudium (77 Prozent vs. 87 Prozent) bzw. vom Diplom- ins Doktoratsstudium (23 Prozent vs. 32 Prozent). Die Unterschiede sind vor allem beim ersten Übertritt auf die geschlechtsspezifische Fächerwahl zurückzuführen, die sich im Gesamtschnitt jeweils unterschiedlich niederschlägt.
- Für studienbezogene Tätigkeiten wie Anwesenheit in Lehrveranstaltungen und sonstigen Zeitaufwand für das Studium wenden Frauen im Schnitt etwa eine Stunde mehr auf als Männer. Insgesamt liegt der wöchentliche Studienaufwand damit bei Frauen bei knapp 32 Stunden und bei Männern bei knapp 31 Stunden.
- Frauen richten ihren Lebensmittelpunkt auch stärker auf ihr Studium aus, sind jedoch gleichzeitig etwas unzufriedener mit ihrem Studium als Männer. Die größten Unterschiede zeigen sich bei der Verfügbarkeit von Lernplätzen, der Vielfalt des Lehrveranstaltungsangebots sowie dem Praxisbezug des Studiums -Aspekte, mit denen Männer deutlich häufiger zufrieden sind als Frauen.
- Studierende an Fachhochschulen zeigen sich allgemein am zufriedensten mit dem Studium. Am unzufriedensten sind dagegen Studierende an Pädagogischen Hochschulen, besonders Frauen sind hier u.a. mit dem Praxisbezug, der inhaltlichen Ausrichtung sowie der Vielfalt des Lehrveranstaltungsangebots deutlich unzufriedener als Männer.
- Das Risiko, von Stressbelastung oder psychischen Beschwerden betroffen zu sein ist generell bei Frauen höher als bei Männern. Für Frauen wie für Männer stellen finanzielle Schwierigkeiten oder studienerschwerende gesundheitliche Beeinträchtigungen den Hauptgrund für derartige Belastungen dar.
- Hinsichtlich der Auslandsmobilität von Studierenden in Österreich zeigt sich, dass Frauen grundsätzlich mobiler sind und vor allem Auslandssemester häufiger absolvieren als Männer. Sie wählen dabei häufiger süd- und westeuropäische Länder, während Männer häufiger in nordeuropäische Länder fahren oder ihr Auslandssemester außerhalb Europas absolvieren.

Zur Studierenden-Sozialerhebung allgemein: Sie wird als Online-Befragung durchgeführt, an der Studierenden-Sozialerhebung 2011 haben sich 44.000 von 300.144 angeschriebenen Studierenden an Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen beteiligt. Bei den Ergebnissen handelt es sich um Selbstbeschreibungen bzw. Selbsteinschätzungen.

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