WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Zu viel Show,zu wenig Effizienz - von Andreas Wolf

Der Show-Effekt scheint mehr ins Gewicht zu fallen als konkrete Ergebnisse

Wien (OTS) - Als Helmut Schmidt und Valery Giscard d'Estaing im Jahre 1975 beschlossen, die sieben wichtigsten führenden Wirtschaftsnationen zu einem Gipfeltreffen auf Schloss Rambouillet in Frankreich einzuladen, entsprang das dem Bedürfnis, die bis dahin wenig koordinierten Wirtschaftsaktivitäten sinnvoll abzustimmen.

Die Aufgabe des Goldstandards durch die USA 1971 und der Ölboykott der arabischen Staaten 1973 hatten den Industrienationen deutlich vor Augen geführt, dass nur regelmäßige gemeinsame Kommunikation und Konsultation das Verständnis für globales wirtschaftliches Handeln verstärken können.

Schmidt und Giscard wollten zugleich aber auch das Bewusstsein der Regierungschefs für verantwortliches Agieren schärfen. Jeder sollte sich darüber im Klaren sein, was sein ökonomisches Handeln für die anderen bedeuten kann. Damit sollte eine Art "sozialökonomisches Gewissen" geschaffen werden.

Die Treffen hatten zu Beginn konkrete Anlässe, die auch in unmittelbare Entscheidungen mündeten - ganz im Gegensatz zu heute. Die Komplexität der Themen lässt es fast gar nicht mehr zu, dass es zu unmittelbaren Entscheidungen kommt. Das G-20-Treffen der Finanzminister in Moskau ist deshalb ebenso wie das der Regierungschefs im September in St. Petersburg nur mehr eine reine Show-Veranstaltung.

Außer der Absegnung längst im Vorhinein ausgehandelter Minimumübereinkünfte ist das Ergebnis häufig gleich Null. Selbst die einstigen Initiatoren Schmidt und Giscard sprechen diesen Veranstaltungen mittlerweile die Sinnhaftigkeit ab.

Es wäre also an der Zeit, wieder mehr Effizienz in das abgestimmte Handeln der Wirtschaftsmächte hineinzubringen. Dies könnte beispielsweise geschehen, indem zumindest politische und wirtschaftliche Verbünde wie die EU nur noch mit einer Stimme sprechen.

Handelspolitisch ist dies, wie man am Solarzollstreit mit China sieht, bereits ohnehin längst der Fall. Auch Asien würde gut daran tun, mit einer Stimme zu sprechen, Südamerika ohnehin.

Die dabei erzielbaren Ergebnisse wären sicher wesentlich schneller umsetzbar, die gewünschte Wirkung würde rascher greifen. Doch bisher scheint man es eher zu bevorzugen, eine ineffiziente Gipfelkultur fortzusetzen. Der Show-Effekt scheint mehr ins Gewicht zu fallen als konkrete Ergebnisse.

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