Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 20. Juli 2013. Von ALOIS VAHRNER. "Weiter Rot-Schwarz mit blauem Auge?"

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Zehn Wochen vor der Wahl deutet viel darauf hin, dass Österreich auch in den nächsten fünf Jahren von einer nochmals geschwächten rot-schwarzen Koalition regiert wird. Mangelnde Spannung könnte Gift für die Wahlbeteiligung sein.

Der Wahlkampf für die Nationalratswahl am 29. September köchelt derzeit sommer- und hitzebedingt nur auf Sparflamme dahin. Spätestens gegen Ende August werden die Parteien dann aber ihre millionenschweren Wahlkampf-Maschinerien auf die höchste Stufe fahren.
Nach gegenwärtigem Stand könnte es am Wahlabend allerdings heißen:
relativ viel (Wahlkampf-)Lärm um letztlich wenig Änderung. Laut der brandneuen Umfrage von Spectra im Auftrag der TT und der anderen großen Bundesländer-Tageszeitungen werden Rot und Schwarz voraussichtlich weiter verlieren. Aber noch immer ist es wahrscheinlicher, dass sie trotz eines respektablen Ergebnisses von Milliardär Frank Stronach zusammen eine knappe Mehrheit retten können, als dass sie einen dritten Partner (und dann wohl die Grünen) brauchen werden.
Alternativen zu Rot-Schwarz sind ohnehin kaum bis gar nicht vorhanden: Für die SPÖ, welche die FPÖ ganz sicher und Frank Stronach ziemlich sicher als Partner ausschließt, geht ohne die ÖVP rein gar nichts. Frühere rot-grüne Träumereien sind spätestens mit dem Antreten Stronachs völlig illusorisch.
Der ÖVP bleibt, sollte sie nicht doch noch den Turbo zünden und die SPÖ überholen, wieder nur die Rolle als Juniorpartner unter einem auffallend umarmungsfreundlichen Kanzler Faymann. Zumal eine Ehe mit der HC-Strache-FPÖ wohl auch für die ÖVP ausscheidet, wollten sich die schwarzen Strategen nach dem Salzburger Vorbild einen Dreierweg mit den Grünen und Frank Stronach zumindest offenhalten. Laut Spectra-Umfrage ginge sich dafür aber derzeit keine auch noch so knappe Mehrheit aus.
Gibt es weiterhin Rot-Schwarz mit einem oder zwei blauen Augen oder doch noch eine handfeste Überraschung? Zehn Wochen vor der Wahl kann nicht ausgeschlossen werden, dass nicht doch ein oder zwei neue Themen hochkommen, die dann den Wahlkampf dominieren werden und für einen Stimmungsumschwung in die eine oder andere Richtung sorgen können. Spannung statt Fadesse wäre allein schon deshalb wichtig, damit die Wahlbeteiligung nicht noch weiter in den Keller fällt. Spannung gibt es freilich nur, wenn es vorne ein Rennen um Platz eins und damit den Kanzlersessel gibt. Und zum anderen auch die Chance besteht, dass Rot-Schwarz ihre Mehrheit verlieren könnten und dadurch die Karten für Koalitionen neu gemischt werden.

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