Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 16. Juli 2013. Von FLORIAN MADL. "Gunsch nimmt den Besen in die Hand".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Fußball-Bundesligist FC Wacker Innsbruck bereitete den Tirolern in den vergangenen Jahren mehr Kummer als Freude. Das soll sich unter Präsident Josef Gunsch ändern - sein Einstieg steht unter dem Titel Aufräumen.

Die persönliche Bilanz des scheidenden Wacker-Präsidenten Kaspar Plattner fällt nach gut drei Jahren im Amt branchenüblich positiv aus. Ein angenehmes Erbe sei es, das er seinem wahrscheinlichen Nachfolger Josef Gunsch hinterlasse. Doch selbst der Blick durch die rosa Brille kann jene Baustellen, die der 73-Jährige hinterlässt, nicht verbergen. Seine ebenfalls bald scheidenden fünf Vorstandsmitglieder trauten sich gegenseitig kaum über den Weg; mit wenigen Ausnahmen ging die Außenwirkung über die Innenwirkung, stand die Repräsentation über der Präsentation von Sponsoren, Konzepten, Visionen.
Der neue Mann Josef Gunsch hat ebenfalls eine Vereinsbrille auf, aber eine ohne Schattierung. Zahlen will er schwarz auf weiß, die Organisation klar strukturiert, das Zusammenspiel reibungsfrei. Das hörte man in der Vergangenheit mehrmals, nur hat Gunsch dabei einen Bonus, kein Malus. Wacker neu entledigte sich Wacker alt: kein Ex-Vorstand alter Prägung, der aus Gründen der Ressentiments und offener Rechnungen eigene Suppen kocht. Josef Gunsch wurde in der Vergangenheit zwar mehrmals am Tivoli gesichtet, als Strippenzieher, VIP-Klub-Sprachrohr oder Teil von Spekulationen trat der 38-Jährige dabei allerdings nie auf. Er ist, wenn man es so sehen will, ein unbeschriebenes Blatt, das jetzt mit einem Wacker-Briefkopf versehen ist. Und der dreifache Familienvater hat neben wertvollen Stunden seines Privatlebens auch die berufliche Reputation als Geschäftsführer eines erfolgreichen Unternehmens zu verlieren. Nichts, was man leichtsinnig aufs Spiel setzt, um sich am Jahrmarkt der Eitelkeiten zu präsentieren.
Josef Gunsch soll also bald aufräumen, und eben das sei ihm angesichts des Wacker-Restrisikos zugestanden. In den elf Jahren seit dem Konkurs schaffte es der Verein trotz der Rückkehr in die Bundesliga nämlich nicht, seine Rolle als sportlicher und wirtschaftlicher Wackelkandidat loszuwerden. Partner wurden vergrault, um bei den regelmäßigen Bittgängen wieder umgarnt zu werden.
Es reicht - allen. Den Fans, die ihren Verein endlich im ruhigen Fahrwasser sehen wollen. Vielen Unternehmern, die Sponsoringanfragen gar nicht erst bis zu den abschließenden Grußworten durchlesen. Den Talenten im Land, die den Verein nicht mehr als Ziel ihrer Träume erkennen. Der neue Wacker-Präsident Josef Gunsch soll den Besen in die Hand nehmen und sich dann am Ergebnis messen lassen.

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