Kärntens Exporteure spüren die Konjunkturflaute

Außenhandelsstatistik: Importe geben deutlich nach, Exporte schwächeln, Bilanz bleibt stark positiv. Exportoffensive des Landes wird neu aufgelegt.

Klagenfurt (OTS) - Kärntens Exporte haben im Jahr 2012 aufgrund des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes (insbesondere in Italien) um 1,4 % nachgegeben. Gleichzeitig sind die Importe mit -3,4 % noch deutlich stärker zurückgegangen. Wirtschaftskammer-Präsident Franz Pacher: "Kärnten kann damit seinen Außenhandelsbilanz-Überschuss im Jahr 2012 um 12,6 Prozent auf 901 Mio. Euro ausbauen. Damit bleibt Kärnten neben Oberösterreich, der Steiermark, Tirol und Vorarlberg eines von nur fünf Bundesländern in Österreich mit einer positiven Außenhandelsbilanz."

Kärnten weist in seiner Außenhandelsstatistik* für das vergangene Jahr Einfuhren (Warenimporte) von 5,425 Mrd. Euro und damit ein Minus von 192 Mio. gegenüber 2011 auf. Die Ausfuhren (Warenexporte) konnten mit 6,326 Mrd. (ein Minus von 91 Mio.) beinahe stabil gehalten werden. Der Saldo ist eine positive Außenhandelsbilanz 2012 von 901 Mio. Euro (+101 Mio. gegenüber 2011). Pacher: "Aber die Exportwirtschaft spürt, dass ihr der Wind stärker ins Gesicht bläst. Das heißeste Problem sind die Holzwirtschaft mit Rückgängen bis zu 30 Prozent und Italien, mit einem Minus von 17,7 Prozent." Diese Einbußen konnten aber aufgrund von hohen Zuwächsen in Übersee (USA plus 17,4 Prozent) und Fernost (Malaysia plus 41,1 Prozent) beinahe ausgeglichen werden, was die Strategie der Wirtschaftskammer, vermehrt neue, wachstumsstarke Fernmärkte zu bearbeiten, bestätigt hat.

Diesen Kurs will auch Wirtschaftslandesrat Wolfgang Waldner beibehalten: Er kündigte eine adaptierte Neuauflage der erfolgreichen Exportoffensive an, die seit 2009 mehr als 3000 Exporteure und Zulieferer unterstützt hat. Sie erleichtert vorwiegend exportinteressierten KMU die Organisation von Messeauftritten sowie die Teilnahme an Wirtschaftsmissionen und forciert die Kooperation von Uni und FH zur Schaffung und Weitergabe von Export-Know-how. Waldner: "In meiner Zeit im Außenministerium und als Staatssekretär habe ich zahlreiche Wirtschaftsmissionen begleitet und auch geleitet du weiß daher: Um persönliche Kontakte kommt man nicht herum." Je nach Ausgang der bevorstehenden Budgetgespräche stellte Waldner zwischen bis zu einer Viertelmillion Euro für die kommenden zehn bis zwölf Monate in Aussicht.

Dazu kommt noch ein industrie- und KMU-bezogener Export-Call vom KWF für Technologie aus Kärnten, der für zwei Jahre mit 315.000 Euro dotiert ist; die Bewerbungsfrist läuft von 1. August bis 31. Oktober. Waldner: "Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, auch für die Internationalisierung und die Willkommenskultur. Wir können nur in enger Vernetzung unsere Marktposition halten - die Konkurrenz schläft nicht und ist auch fleißig."

Die tatkräftige Unterstützung durch das Land Kärnten wird auch nötig sein, analysierte Meinrad Höfferer, Leiter der Abteilung Außenwirtschaft und EU der WK: "Rückläufige Importe sind immer ein Anzeichnen für eine nachlassende Konjunktur." So hätten Kärntens Betriebe deutlich weniger Waren aus den traditionellen Übersee-Import-Märkten wie China, Japan und den USA bezogen. Höfferer: "Dazu kommen noch die Rückgänge mit Italien, auch wenn diese im Vergleich zu den Export-Rückgängen mit unserem südlichen Nachbarn moderat ausgefallen sind." Stabil sind die Importe von dem wichtigsten Kärntner Handelspartner Deutschland. Weiters ist zu erkennen, dass auch importseitig die Wirtschaftsbeziehungen zu Frankreich wachsen, ebenso in Richtung Polen und Tschechien.

Auch in den kommenden Monaten plant Höfferer, wieder vorausschauend auf neue Märkte zu gehen mit Wirtschaftsmissionen nach Mexiko, das stark kommende Afrika und in den ASEAN-Raum. Im umliegenden Europa wird sich Kärnten dank eines eigenen Messestandes - über den kein anderes Bundesland verfügt - auf branchenbezogenen Nischen präsentieren, etwa auf den Handwerksmessen in Nürnberg und Celje sowie der "L Artigiano in Fiera" in Mailand Anfang Dezember. Deren Steckbrief: 2.900 Aussteller aus über 100 Ländern auf 150.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche, die in einer Woche zweieinhalb Millionen Besucher anziehen.

Laut Höfferer ist die Warenstruktur des Kärntner Außenhandels ist weiterhin sowohl export- als auch importseitig geprägt von den Warengruppen "Kessel, Maschinen, Apparate & mechanische Geräte" sowie "Elektrische Maschinen, Apparate und elektrotechnische Waren". Beide Warengruppen sind in ihrer Wertschöpfungskette eng miteinander verbunden und die wichtigsten Wirtschaftsbranchen Kärntens.

Exportseitig auffallend und erfreulich ist, dass in beiden Warengruppen weiterhin fast doppelt so viel aus Kärnten exportiert als importiert wird. Darüber hinaus haben speziell im Export diese zwei Top-Warengruppen zugelegt, trotz des Export-Rückgangs insgesamt. Höfferer: "Das unterstreicht noch mehr die Wichtigkeit dieser beiden Branchen für den Export und die Wirtschaft in Kärnten gesamt. Trotz des schwierigen Branchenumfeldes und der Marktprobleme in Italien konnten sich Holz und Holzwaren mit einem Minus von 6,4 % dennoch deutlich auf Platz 3 der Exportwarengruppen halten."

Importseitig hingegen hat speziell die Warengruppe "Kessel, Maschinen, Apparate & mechanische Geräte" mit minus 10 % deutlich nachgegeben und ist somit hauptverantwortlich für den insgesamt deutlichen Import-Rückgang. Dies deutet auf geringere Investitionen der Betriebe hin. Die Importe bei der Gruppe "Elektrische Maschinen, Apparate und elektrotechnische Waren" sind hingegen leicht gestiegen. "Stabil geblieben sind die Importe bei mineralischen Brennstoffen und Mineralölen sowie Zugmaschinen und Kfz", sagte Höfferer.

*(basierend auf den durch Extra- und Intrastat erfassten Warenströmen anhand der neuen Berechnungsmethode, lt. Warenstromanalyse in Österreich - Unternehmen mit Steuersitz in Österreich, auf Unternehmenssitze heruntergebrochen - exklusive DL, Quelle: Statistik Austria)

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