Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 15. Juli 2013; Leitartikel von Mario Zenhäusern: "Wie lange braucht Bures noch?"

Innsbruck (OTS) - Utl: Der Luft-Hunderter schützt die Menschen an der Autobahn vor Lärm und Abgasen. In den Ohren jener, die unter die Räder des Ausweichverkehrs kommen, wenn die Mautpflicht auch in Kufstein kontrolliert wird, ist das blanker Hohn.

Verkehrsministerin Doris Bures hätte derzeit einen schweren Stand, müsste sie in Kufstein, Ebbs oder im bayerischen Kiefersfelden der Bevölkerung erklären, warum es gerecht ist, die Mautfreiheit auf der Inntalautobahn zwischen der Staatsgrenze und der Anschlussstelle Kufstein-Süd aufzuheben. Warum es gerecht ist, mit einem Strich Tausende Mautflüchtlinge auf die Ausweichrouten und damit in die Orts- und Stadtzentren zu zwingen. Genau das tut sie nämlich, indem sie die Pläne der Asfinag, ab 1. Dezember 2013 mit der Vignettenkontrolle zu beginnen, nicht unterbindet, sondern sie im Gegenteil noch unterstützt.
Bisher haben die wütenden Proteste der Bevölkerung nichts genützt. Auch die Hinweise, dass zwei ihrer Vorgänger, darunter zum Beispiel ihr jetziger Parteichef, Bundeskanzler Werner Faymann, sich von den Argumenten im Tiroler Unterland sehr wohl überzeugen ließen, konnten die Politikerin umstimmen. Sie vergisst dabei nicht nur die besondere geographische Lage der Region, sondern sie übersieht auch geflissentlich, dass die Schadstoff- und Lärmbelästigung in den Orten entlang der Inntalautobahn im Tiroler Unterland bereits jetzt an der Grenze der Zumutbarkeit liegen. Mancherorts sogar darüber.
Vor allem aber lässt sie jene Studie außer Acht, die Werner Faymann 2007 als Verkehrsminister mitfinanzierte und die ihn letztlich bewog, die Ausnahmeregelung auf der Autobahn in Kufstein nicht anzutasten. Es ist vollkommen schleierhaft, warum die Argumente, die Faymann überzeugt hatten, sechs Jahre später keine Gültigkeit mehr besitzen sollten. Einzige Ausnahme wäre, wenn das Verkehrsaufkommen dramatisch abgenommen hätte. Aber das Gegenteil ist der Fall - und das sollte sich auch bis zur Verkehrsministerin durchgesprochen haben.
Mit dem Immissionsschutzgesetz-Luft zieht die Euregio Inntal nun einen weiteren Trumpf aus dem Hut, der Bures zumindest nachdenklich stimmen sollte. Der Luft-Hunderter schützt die Bevölkerung entlang der Inntalautobahn vor unzumutbarer Belastung durch Lärm und Abgase. Ein lohnenswertes Ziel, das aber wie blanker Hohn klingt in den Ohren jener, die ab dem 1. Dezember vom Ausweichverkehr überrollt werden. Angesichts dieser Liste an stichhaltigen Argumenten stellt sich nur eine Frage: Wie lange braucht Bures noch, um der Kompromisslösung zuzustimmen und die Vignettenkontrollen in Kufstein auszusetzen?

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001