TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel vom 13. Juli 2013 von Alois Vahrner - Pleiten, Pannen und nicht immer Pech

INNSBRUCK (OTS) - Utl: Die schwer taumelnde Drogeriemarktkette Dayli bekommt nach dem ersten Filial-Kahlschlag noch eine allerletzte Chance. Diese ist allerdings nicht besonders groß. Nicht immer ist eine Firmenrettung machbar oder sinnvoll.

Die Hiobsbotschaften an der öster-
reichischen Wirtschaftsfront häufen sich - seien dies nun Pleiten oder Kündigungswellen, was bereits zu kräftig gestiegenen Arbeitslosenzahlen geführt hat. Teils ist die europäische Wirtschaftskrise, die in Österreich wie auch in Deutschland abgeschwächt nur als Konjunkturflaute durchgeschlagen hat, daran schuld, aber gewiss nicht in allen Fällen.
Letzteres gilt auch für die zwei jüngsten spektakulären Großpleiten Alpine und Dayli: In beiden Fällen gab es Fehler und eine fehlgeschlagene Strategie in beinhart umkämpften und wohl auch überbesetzten Märkten.
Die Alpine selbst war in ihrer Größe nicht mehr zu retten, Teile wurden aber von anderen Baufirmen (in Tirol von Bodner) sehr wohl aufgefangen. Wo es Aufträge gibt, wird selbstverständlich bald wieder gebaut werden. Das viel größere Problem sind die Lieferanten und Gläubiger, die Riesensummen verlieren und dadurch möglicherweise selbst in Turbulenzen geraten.
Nach dem Wechsel von Schlecker in Dayli ist das Konzept von Anfang an nicht aufgegangen. Die sinnlose Diskussion über die Sonntagsöffnung einmal ausgeklammert, hat die angekündigte Positionierung auch als Lebensmittel-Nahversorger nie funktioniert. Ob nach dem ersten vom Masseverwalter fixierten Kahlschlag bei Filialen und Jobs der Rest von Dayli gerettet werden kann? Die Wettquote dafür, dass bis Monatsende der dringend benötigte Investor mit zumindest 40 Millionen Euro vor der Tür steht, fällt wohl eher bescheiden aus. Wird auch der Rest von Dayli zugesperrt, werden Konkurrenten dort, wo sie Marktchancen sehen, rasch die Lücke schließen.
So sehr zuweilen die Wirtschaftskammer dafür zu kritisieren ist, dass sie mit teils überzogenen Regelungen etwa in der Gewerbeordnung stärkeren Wettbewerb für bestehende Firmen durch Newcomer verhindert, so sehr ist manchmal auch das Vorgehen von Gewerkschaft und Arbeiterkammer zu hinterfragen. Natürlich soll es möglichst tiefe Preise und möglichst hohe Löhne geben. Dieses geforderte Paradies hat aber Grenzen, zumindest für einige Firmen. Die erwirtschafteten Spannen reichen sehr oft nicht nur für keine goldenen Nasen, sondern führen zu massiven Verlusten - und dann wie bei Alpine und Dayli zum Gang zum Konkursgericht. Und flugs werden öffentlich Krokodilstränen über die verloren gegangenen Arbeitsplätze vergossen. Ganz ehrlich ist das nicht.

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