TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel vom 10. Juli 2013 von Peter Nindler - Knausern macht die Berge kleiner

Innsbruck (OTS) - Utl: Nur Kleingeister sehen nicht, welchen Wert eine intakte Infrastruktur in der heimischen Bergwelt hat. Dennoch müssen die alpinen Vereine um Förderungen betteln, die eigentlich der touristischen Wertschöpfung zugutekommen.

Das ist schon eine verkehrte Welt. Da wirbt Österreich mit seinen Bergen, natürlich auch mit den Seen, aber wenn es darum geht, die alpine Infrastruktur wie die 50.000 Kilometer Wege oder die 475 Schutzhütten zu erhalten, wird geknausert. Das ist im Bund nicht anders als in Tirol. Die Förderungen aus dem Tiroler Landesbudget für den Alpenverein waren Anfang der 2000er-Jahre vergleichsweise höher. Insgesamt beträgt sie für die drei alpinen Vereine OeAV, Naturfreunde und Touristenklub heuer 170.000 Euro, weil 70.000 Euro aus dem Tourismusförderungsfonds dazukommen. Beim Blick über die Landesgrenzen muss das Herz der Alpen zwangsläufig höherschlagen:
Allein das Land Kärnten gibt für die Schutzhütten und das Bergwegenetz 400.000 Euro aus.
Tourengehen im Winter, Bergwandern im Sommer - gern grüßt die Politik von den Bergen ins Tal. Vor der Nationalratswahl am 29. September dürfte es im heurigen Bergsommer politisch nur so wimmeln. Aber im Herbst ist alles wieder vergessen. Die Bundesförderungen wurden heuer um 300.000 Euro auf 1,5 Millionen gekürzt. Ohne die freiwilligen Arbeitsstunden der 30.000 ehrenamtlichen Mitarbeiter, deren Wert mit rund 3,8 Millionen Euro beziffert wird, wäre der Verfall auf den Schutzhütten wohl augenscheinlich.
Was aber das öffentliche Knausern so kleinkariert macht, sind die Fehleinschätzungen. Vielleicht fehlt der Politik und den Tourismuswerbern insgesamt die notwendige Bergluft. Wer in die Infrastruktur am Berg investiert, die Wege begehbar erhält, Markierungen erneuert, Steige sichert und Schutzhütten in Schuss hält, profitiert langfristig davon. Der immer beliebter werdende Wandertourismus mit seinen jährlich drei Millionen Wanderern lebt davon. Die alpinen Vereine stoßen mit ihren finanziellen Mitteln an ihre Grenzen. Noch sind sie nicht ausgereizt, doch ohne zusätzliches öffentliches Geld, das ja wieder in die Wertschöpfungskette zurückfließt, droht bei vielen Schutzhütten das Ende der Bewirtschaftung. Beim Erhalt der Wege zu sparen, ist letztlich gar nicht möglich. Denn Sicherheit muss am Berg Vorrang haben.
Die Aufstockung der Bundes- und Landessubventionen wäre weit davon entfernt, eine Vereinsförderung zu sein. Sie ist eine Investitionsspritze. Die Politik kann im heurigen Sommer beweisen, was ihr die Berge wert sind. Aber hoffentlich nicht nur einen Sommer lang.

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