TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel vom 9. Juli 2013 von Anita Heubacher - Vorwärts hinterlässt Scherbenhaufen

INNSBRUCK (OTS) - Utl: Die Idee, der ÖVP in Tirol eine bürgerliche Alternative gegenüberzustellen, hat Vorwärts auf Jahre ramponiert. Die junge Bewegung hat parteiintern nur Verlierer produziert, die Gewinner sitzen anderswo.

Nach wochenlangen parteiinternen Querelen hat Hans Lindenberger die Funktion des Vorwärts-Parteichefs zurückgelegt. Er und seine drei Mitstreiter bleiben im Landtag und machen als Klub weiter. Die Parteigründerinnen Christine Oppitz-Plörer und Anna Hosp stehen auf der anderen Seite. Die Partei ist gespalten, wer künftig unter Vorwärts auftreten wird, ist noch nicht klar. Offene Rechnungen werden vor Gericht beglichen.
Vorwärts hat parteiintern nur Verlierer produziert. Allen voran darf die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer genannt werden. Nach dem Innsbrucker Gemeinderatswahlkampf galt Oppitz-Plörer als Strahlefrau, deren Karriereleiter viele nicht im Innsbrucker Rathaus enden sahen. Bei der Landtagswahl stürzte Oppitz-Plörer mit Vorwärts ab. Ihr Ergebnis in der Landeshauptstadt lag hinter dem der Partei. Die einstige Herausforderin von LH Günther Platter musste zum Canossagang antreten.
Zerstört ist auch der Ruf von Anna Hosp. Die ehemalige VP-Landesrätin mit Ambitionen auf den Landeshauptmannsessel wollten viele Weggefährten wieder in der Politik sehen. Nach dem Versuch, Parteikolleginnen zum Mandatsverzicht zu animieren, ist Hosps Glanz dahin. Einem Politprofi hätte jeder mehr Geschick bei der Listenerstellung zugetraut.
Zu den Verlierern gehören auch Hans Lindenberger und seine drei Mitstreiter. Sie sitzen zwar im Landtag und das Mandat kann ihnen niemand nehmen, von den einstigen Beweggründen, sich für Vorwärts zu engagieren, ist aber nichts als ein Scherbenhaufen geblieben.
Durch die parteiinternen Querelen bei Vorwärts ist die Idee, eine bürgerliche Alternative zur ÖVP zu bieten, nachhaltig beschädigt, wenn nicht sogar kaputt gemacht worden. Bürgerliche Protestwähler mussten beobachen, wie sich 2008 die Liste Fritz zerstritt, spaltete und 2013 auf zwei Abgeordnete dezimiert wurde. 2013 tritt Vorwärts an und braucht bis zur Parteispaltung nur wenige Wochen. 2018 könnten sich die Wähler fragen, ob ihre Stimme bei einer bürgerlichen Protestpartei tatsächlich gut aufgehoben ist.
Die wahren Gewinner der Vorwärts-Schlappe sitzen anderswo. Nämlich in den Reihen der ÖVP. Vorwärts schickt sich an, auch 2018 einer der größten Wahlhelfer der ÖVP zu werden. 2013 hat es schon funktioniert. Da plakatierte die ÖVP das Chaos und Vorwärts gab diesem Szenario ein Gesicht.

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