BM Schmied verleiht Staatspreis für künstlerische Fotografie an Peter Dressler

Dressler erhielt als erst sechster Künstler den selten verliehenen Staatspreis für künstlerische Fotografie für sein Lebenswerk.

Wien (OTS) - Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied verlieh heute den mit 22.000 Euro dotierten Staatspreis für künstlerische Fotografie an Peter Dressler. Die Ministerin würdigte den Künstler, der für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde: "Sie haben Ihr künstlerisches Leben dem Foto gewidmet. Sie haben die Bilder der Wirklichkeit auf faszinierende Weise in zweidimensionale Abbilder gebannt. Mehr noch:
Sie haben durch Ihre Fotogeschichten in gewisser Weise neue Wirklichkeiten geschaffen. Der Staatspreis ist eine verdiente Würdigung für Ihre Leistungen."

Die Kulturministerin hob hervor, dass bisher erst sechs KünstlerInnen diese hohe Auszeichnung erhalten haben - Inge Morath, Erich Lessing, Franz Hubmann, Harry Weber, Friedl Kubelka und Manfred Willmann:
"Peter Dressler gehört nun zu Recht dieser erlesenen Gruppe an. Fotografie ist sein Leben - offiziell Assistenzprofessor für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, hat er sich 36 prägende Jahre lang intensiv um den Nachwuchs gekümmert, indem er die Fotografie in seinen Unterricht eingebunden hat. Er hat früh eine eigene metaphorische Bildsprache gefunden, die durch hintergründigen Humor und Wehmut gekennzeichnet ist, und diese immer wieder neu interpretiert."

In der Laudatio aus der Feder von Monika Faber hieß es, dass sein "unbestechliches Auge Qualität auch weit abseits des Zeitgeist zu identifizieren vermag. Dresslers Umgang mit Bildern war immer assoziativ, aber rational. Expressives Pathos blieb ihm immer fremd. Der Umgang war aber immer auch ironisch und daher anarchisch, das Übliche untergrabend. Das Hundefoto Burschi gewann durch die Addition in einem Tableau künstlerische Bedeutung, ein unabsehbares Eigenleben. Burschi wurde in Dresslers Atelier zum dreidimensionalen Objekt, das ihn lebenslang auf seinen Reisen begleiten sollte. Vom Louvre bis zu Duchamps "Großem Glas" im Museum in Philadelphia war kein Ort vor Burschi sicher."

Peter Dressler
Geboren: 1942 in Kronstadt/Brasov Rumänien
Nationalität: Österreich
Lebt und arbeitet in Wien

1966-71 Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien, Diplom Unterrichtete von 1972 -2008 an der Akademie der bildenden Künste in Wien Assistenzprofessor für Malerei
Fotografische Arbeiten seit den 60er Jahren:
1971 fotografisch-filmischer Abläufe in Tableauform
1973 Preis beim Wettbewerb "Wien gesehen in der künstlerischen Fotografie"
1975-78 Film "Sonderfahrt"
1991 Würdigungspreis für künstlerische Fotografie des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst
2001 Rupertinum Fotopreis
2011 wichtigster Fotopreis Japans, Higashikawa Preis

Ausstellungen:
1971 "Zeichen heute", Sezession Wien
1974 "Sieben mal sehen", Wien
1974-1980 Gruppe "Der Kreis"
1981 "Erweitere Fotografie", Sezession Wien
1982 Fotogalerie, Forum Stadtpark, Graz
1983 Fotoforum Salzburg "Ein Knopf für Nene und andere Bildgeschichten", Galerie Fotohof 1985 Art-15, Basel; Galerie Faber, Wien; "Neue Fotografie aus Wien", Galerie Fotohof
1986 Art-16 Basel
1987 Museé de la Photographie, Charbroi
1988 Österreichisches Kulturinstitut, New York
1989 "Zwischenspiel" Galerie Fotohof, Salzburg
1990 Westpac Gallery, Melbourne
1991 Galerie Faber, Wien
1994 Neue Editionen, Galerie Fotohof, Salzburg
1995 "Fisch und Fleisch", Kunsthalle Krems
1996 "Antagonismus", Paris
1997 Galerie Faber, Wien; "Ich ist ein anderes", Steirischer Herbst, Graz; "Una Visión Real", Mexico City, Wien
1999 "Photo hoch drei" Galerie Station 3, Wien
2000 Rupertinum, Salzburg
2001 Rupertinum Fotopreis; Galerie Fotohof, Salzburg
2003 Peter Dressler "In unmittelbarer Nähe", Gemäldegalerie, Akademie der bildenden Künste Wien "Selbst und Andere", Museum der Moderne, Salzburg "Hotel, hotel" Landesgalerie Linz
2004 "EX.IN", Galerie Fotohof, Salzburg "Contemporary Austrian Photography", House of Photography, Liptovsky Mikulás, Slowakei 2005 "Simultan", Museum der Moderne, Salzburg "Fotografia contemporana de Austria", MARCO, Vigo (Spanien)
2006 "Simultan", Fotomuseum Winterthur Peter Dressler, "Greifbare Schönheit", Camera Austria, Graz
2007 "Einführung in die Kunstgeschichte", Ursula Blickle Stiftung, Kraichtal
2008 Peter Dressler, "Oistorie a artei. In imediata apropiere", La Galerie de Arte contemporana a Muzeul National Brukental, Sibiu, Rumänien "Einführung in die Kunstgeschichte 3", Galerie Fotohof, Salzburg
2009 "Einführung in die Kunstgeschichte 6", Landesgalerie Linz "Fragility of Being", The National Museum of Contemporary Art in Bukarest (MNAC), Rumänien
2010 "The Moderns", Revolutions in Art and Science 1890-1935; MUMOK, Wien

Erste fotografische Arbeiten entstanden in den 60er Jahren. Peter Dressler orientiert sich an "Fotogeschichten" mit einer metaphorischen Bildsprache, die durch Humor und Tragik gekennzeichnet sind. Stets handelt es sich um inszenierte Fotografie. Ab 1971 entstehen vermehrt fotografisch-filmische Abläufe in Tableauform. Öffentliche Räume, die Dressler durch Zufall findet und Alltagssituationen dienen ihm als Schauplätze seiner Fotografien, wie z. B. die Wohnung eines kurz zuvor verstorbenen Tierarztes in Bleibende Werte von 1997.Häufig inszeniert sich der Künstler selbst und schafft fotografische Anekdoten über die Verhaltensweisen der Menschen, die dem Betrachter Spielraum zu eigenen Assoziationen lassen. In Tie Break aus 1996 bildet den Ort des Geschehens eine als Tenniscourt gestaltete Historismushalle im Semperdepot Wien. In Eher seltene Rezepte aus 1987 beschreibt Peter Dressler die Demonstration des Einfalls, in dem er Versatzstücke aus seinem Atelier und Umfeld als Zutaten für einen Koch findet und selbst präsentiert.

Mit großem Interesse treibt Peter Dressler das Spiel mit der Zweidimensionalität der Fotografie, dem Bild im Bild und dem Abbild und der Wirklichkeit. Seine Annäherung zur Umgebung wirkt plastisch flach und verbindet Einfachheit mit Komplexität. Eher nebenbei, fast im Vorübergehen, hat der Künstler seine Orte, die zu Schauplätzen der Kunst werden, gefunden. Die Eingriffe selbst finden temporär, möglichst unbeobachtet und unspektakulär statt. Sie lassen sich wieder aufheben und hinterlassen keine Spuren - eine lässige, noble Geste eines Flaneurs. Die Kunst und die Welt - im wortwörtlichen Sinne - begreifen zu wollen ist das Ziel von Peter Dressler. Er möchte in die Kunst und ihre Rezeption wieder eine Qualität zurückführen, die diese zu verlieren scheint: die körperliche Erfahrung und das haptische Begreifen. Denn parallel mit dem Wert der Objekte steigen die Verbote. Indem er diese Situation in unserer vorgeprägten Welt zeigt, wird der Fotograf auch zum distanzierten Beobachter, der immer wieder "Tatorte" von historischer oder sozialer Dimension findet

Bisherige StaatspreisträgerInnen:
Da der Kunstsenat im Bereich künstlerischer Fotografie keinen Preis vergibt wurde seitens des BMUKK der Österreichische Staatspreis für künstlerische Fotografie ins Leben gerufen. Er wird von einer jeweils neu nominierten Jury alle drei bis vier Jahre vergeben, dotiert derzeit mit EUR 22.000.-. Mit ihm soll das umfassende Lebenswerk eines national und international renommierten Künstlers/Künstlerin gewürdigt werden.

1991: Inge Morath-Miller
1994: Franz Hubmann
1997: Erich Lessing
2002: Harry Weber
2005: Friedl Kubelka
2009: Manfred Willmann
2013: Peter Dressler

Rückfragen & Kontakt:

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Josef Galley
Pressesprecher
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