Meduni Linz: Geldverschwendung statt Vernunft und Weitblick?

NÖ Ärztekammer: Politiker/-innen missachten in Bezug auf das Gesundheitssystem alle nationalen und internationalen Expertisen. Geld könnte viel effizienter eingesetzt werden.

Wien (OTS) - "Die NÖ Ärztekammer unterstützt grundsätzlich alle Initiativen, welche die Bildung, Ausbildung und Fortbildung der Ärztinnen und Ärzte betreffen. Aber der bedarfsgerechte Einsatz muss auch sichergestellt sein, sonst fehlt das Geld an anderer Stelle, und zwar dort wo es gebraucht wird. Das ist am Projekt Meduni Linz deutlich zu erkennen", so Dr. Martina Hasenhündl, stellvertretende Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte der NÖ Ärztekammer. Ganz Österreich steuert zwar laut Dr. Hasenhündl auf einen so genannten Ärztemangel zu, dieser hat aber andere Ursachen als zu wenig ausgebildete Ärztinnen und Ärzte. Ursachen, die man daher mit einer zusätzlichen Meduni auch nicht bekämpfen könne: "Unsere Probleme sind hausgemacht. Mehr als 90 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung geben an, nie in einer Kassenordination arbeiten zu wollen. Dort in der Niederlassung müssen wir meines Erachtens die Probleme bekämpfen. Und nicht um teures Geld die Anzahl derer erhöhen, die dann erst nicht in der Niederlassung tätig werden wollen."

2,5 Millionen Euro pro Absolvent wären ja eigentlich gut investiertes Geld

Dr. Hasenhündl rechnet vor: "Kolportiert werden im Schnitt Kosten von 66 Millionen Euro pro Jahr im Vollausbau der Meduni Linz. Bei 300 Studierenden, von denen aber nur 180 die volle Ausbildung in Linz absolvieren sollen, kommt man unter Berücksichtigung der Quotenregelung und der durchschnittlichen Studiendauer auf Ausbildungskosten von rund 2,5 Millionen Euro pro Österreichischem Absolventen. Das wäre ja eigentlich gut investiertes Geld. Wenn wir nicht schon ausreichend Studienplätze sowie ausreichend Ärztinnen und Ärzte hätten. Es wollen nur immer weniger davon im öffentlichen Gesundheitssystem arbeiten. Und dort fehlt ja enorm Geld, wenn wir unseren Politikerinnen und Politikern Glauben schenken."

Dr. Hasenhündl nennt die Hausarztordination als klassisches Problem. "Wir haben enorme Nachbesetzungsprobleme, die einerseits am veralteten Leistungskatalog und andererseits an den sich zunehmend verschlechternden Arbeitsbedingungen liegen. Ein Lösungsansatz zur Steigerung der Attraktivität von Allgemeinpraxen könnte die verpflichtende Lehrpraxis in der Ärzteausbildung sein, doch dafür fehlt angeblich das Geld. Mit einem Viertel der für die Meduni Linz verschwendeten Geldmittel könnte man die Lehrpraxis für alle zukünftigen Übernehmer von Kassenplanstellen für Allgemeinmedizin in ganz Österreich finanzieren."

Ausschließlich die Politik macht das System unfinanzierbar

Der von der Politik eingeschlagene Weg wird laut Dr. Hasenhündl die bestehenden Probleme nicht lösen, sondern - wie das Beispiel Meduni Linz aus ihrer Sicht ganz klar zeigt - die Probleme samt der Finanzierung sogar noch verschärfen. "Wir haben bereits genügend Ärztinnen und Ärzte und bilden auch genügend aus. Alleine im wahlärztlichen und privatmedizinischen B ereich sind knapp 10.000 Ärztinnen und Ärzte tätig, das ist "gebundenes Ausbildungskapital" von rund 25 Milliarden Euro. Und wir sind nicht in der Lage, diesen Ärztinnen und Ärzten eine berufliche Perspektive im öffentlichen Gesundheitssystem zu geben, und zwar egal ob im Spital oder in der Niederlassung."

"Für die Sicherstellung der Versorgung brauchen wir vernünftige Arbeitsbedingungen", so Dr. Hasenhündl weiter. "Dort müssen wir das Geld verwenden. Es hat doch keinen Sinn, wenn wir zweieinhalb Millionen Euro für die Ausbildung eines zusätzlichen Mediziners verwenden, wenn dieser dann lieber Taxi fährt als für 2,47 Euro netto pro Stunde einen Nachdienst zu machen. Entscheidungen der Politikerinnen und Politiker wie für die Meduni Linz sind aus meiner Sicht einerseits ein Vorwahlzuckerl und andererseits aber ein klares Zeichen für die Hilflosigkeit der Politik und daher alleine dafür verantwortlich, wenn das ganze System schließlich komplett unfinanzierbar wird", so das Resümee von Dr. Hasenhündl.

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