Mitterlehner: "Neue Jugendstrategie macht aus Betroffenen Beteiligte"

Praktika mit neuem Qualitäts-Check erleichtern, neue Jugendbanken etablieren, Freiwilligeneinsatz fördern - Jugend trotz Wirtschaftskrise zu 81 Prozent optimistisch

Wien (OTS/BMWFJ) - Wien (BMWFJ). Wirtschafts- und Jugendminister Reinhold Mitterlehner präsentierte am Donnerstag die neue Jugendstrategie seines Ressorts, die Ziele, Projekte und Maßnahmenvorschläge für den Zeitraum 2013 bis 2020 enthält. "Unser Ziel ist es, nicht nur eine Politik für Jugendliche zu machen, sondern vor allem mit ihnen. Mit der Jugendstrategie wollen wir aus Betroffenen Beteiligte machen, indem wir Bewerbung und Jobsuche erleichtern, die Mitbestimmung von Jugendlichen ausbauen und den Freiwilligeneinsatz fördern", sagt Mitterlehner zu der unter Einbindung von rund 1.000 Jugendlichen und gemeinsam mit der Bundes-Jugendvertretung, dem Netzwerk Offene Jugendarbeit und dem Netzwerk Österreichische Jugendinfos erarbeiteten Strategie. "Mit neuen Projekten wie der Checkliste für Qualitätspraktika und den geplanten Jugendbanken sind wir auf dem richtigen Weg", so Mitterlehner.

Rückenwind für die Umsetzung liefert der hohe Zukunftsoptimismus, wie der neue Jugendmonitor zeigt: "Trotz der wirtschaftlichen Krisenstimmung in ganz Europa sind Österreichs Jugendliche ungebrochen optimistisch. 81 Prozent blicken der Zukunft derzeit sehr oder eher zuversichtlich entgegen, das sind sechs Prozentpunkte mehr als im Herbst des Vorjahres", so Mitterlehner auf Basis der repräsentativen Befragung von netto 800 Jugendlichen, repräsentativ für die Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen.

Bildungs- und Berufsorientierung ausbauen

Die Ziele und Vorschläge der Jugendstrategie drehen sich rund um die drei Schwerpunkte Beschäftigung und Bildung, Beteiligung und Engagement sowie Lebensqualität und Miteinander. So soll Österreich im Jahr 2020 bei der Jugendarbeitslosigkeit weiterhin unter den drei besten EU-Ländern liegen, die Schulabbrecher-Quote 2020 die niedrigste in der EU sein und die Zahl der Unternehmensgründer unter 30 Jahre steigen. "Daher müssen wir sowohl den Unternehmergeist fördern als auch die Bildungs- und Berufsorientierung auf allen Ebenen ausbauen, zum Beispiel durch einen eigenständigen Pflichtgegenstand dafür zumindest ab der siebten Schulstufe", so Mitterlehner. "Aufgrund des demographischen Wandels mit einer langfristig sinkenden Zahl an jungen Menschen müssen wir die Treffsicherheit der Ausbildung erhöhen und die Potenziale der Jugend besser nützen", betont Mitterlehner.

Freiwilliges Engagement fördern, Politische Bildung ausbauen

Darüber hinaus sollen auf Basis des im Herbst in Niederösterreich startenden Pilotprojekts "Was ich kann" vor allem informell erworbene Schlüsselkompetenzen im Berufsleben stärker anerkannt werden. "Wir wollen damit auch das freiwillige Engagement fördern, weil gerade sozial und gesellschaftlich engagierte Jugendliche bei Bewerbungen Vorteile haben werden, wenn 'soft skills' wie Teamkompetenz im Berufsleben besser anerkannt werden", so Mitterlehner. In Zukunft soll sich die Quote der freiwillig engagierten Jugendlichen auf zumindest 50 Prozent erhöhen und soll die Wahlbeteiligung der Erstwähler steigen. Notwendig dafür ist aus Mitterlehners Sicht auch ein Ausbau der Politischen Bildung an Schulen, damit Jugendliche ihr Wahlrecht ab 16 informiert ausüben können. Zu diesem Thema wird daher eine Machbarkeitsstudie erstellt.

In diesem Zusammenhang fördert das Jugendministerium auch die Erstellung von sachlichen Abstimmungshilfen durch die Bundesjugendvertretung. "Allein schon aufgrund des demographischen Wandels müssen wir die Stimme der Jugend verstärken", so Mitterlehner. Die damit verbundenen Herausforderungen erläutert der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Peter Filzmaier. "2012 lebten in Österreich 1,714 Millionen Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren, das sind rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Ihr Anteil wird aber laut dem Hauptszenario der Statistik Austria-Prognosen bis 2030 auf unter 15 Prozent sinken, während der Anteil der Menschen im nicht mehr erwerbsfähigen Alter von heute 18 auf mehr 30 Prozent steigen wird", so Filzmaier.

Neue Checkliste Qualitätspraktika

Als weitere Maßnahme sieht die Jugendstrategie eine neue Checkliste für Qualitätspraktika vor. "Ein ideales Praktikum besteht für Jugendliche aus einer interessanten Tätigkeit, der Chance auf Erfahrungen und der Möglichkeit, wirklich mitarbeiten zu können. Die Informationen darüber sollten aber noch verstärkt werden", verweist Mitterlehner auf die Ergebnisse des aktuellen Jugendmonitors. Demnach hat rund die Hälfte der Befragten im Alter von 14 bis 24 Jahren bereits Praktika absolviert, bei Jugendlichen über 17 Jahren sind es knapp zwei Drittel. Rund die Hälfte davon waren freiwillige Praktika, die übrigen verpflichtend im Rahmen der Schul- bzw. Berufsausbildung. "Knapp 50 Prozent der Befragten sind für ihre Arbeit in einem Praktikum bezahlt worden. Geld zu verdienen ist gegenüber dem Interesse aber kein herausragendes Motiv, wie der Jugendmonitor ergeben hat", ergänzt Filzmaier, dessen Institut die Studie im Auftrag des BMWFJ durchgeführt hat.

Pilotprojekt für neue Jugendbanken

Ein weiteres Strategieziel dreht sich um den Schwerpunkt Lebensqualität & Miteinander, in dessen Rahmen Mitterlehner neue Jugendbanken ("Youth Banks") etablieren will. Dafür soll ein Projektfonds nach dem Modell der europäischen "Lokalen Agenda 21" aufgesetzt werden, mit dem regionale Nachhaltigkeits-Projekte unterstützt werden. "Damit können die Jugendlichen ihre Agenda selbst in die Hand nehmen. Durch kleine Jugendbank-Projekte lassen sich sowohl das individuelle Leben als auch die Gesellschaft umwelt-, gesundheits- oder sozialbewusster gestalten", so Mitterlehner. Die Umsetzung erfolgt über eine Gruppe von Jugendlichen von 14 bis 24 Jahren, die sich unter Betreuung von Experten zusammenschließen und mit ihrem Förderbudget einzelne Projekte mit bis zu 500 Euro unbürokratisch unterstützen können. Mögliche Projekte sind zum Beispiel Fortbildungen für ein Schülerzeitungsredaktionsteam, die Durchführung eines Jugendforums mit Politikern, ein Weblog zu einem Jugendthema oder eine Ausstellung mit den Werken junger Künstler. Ein Pilotprojekt für Jugendbanken wird Anfang 2014 gestartet.

Die neue Jugendstrategie und der aktuelle Jugendmonitor stehen auf der Homepage des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend (www.bmwfj.gv.at) zum Download zur Verfügung.

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Mag. Volker Hollenstein
Stv. Pressesprecher des Bundesministers
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