Jarolim zu Jugendstrafvollzugs-Skandal: "Wiedereinführung des Jugendgerichtshofes ist ein Gebot der Stunde"

Straffällige Jungendliche verdienen eine zweite Chance

Wien (OTS/SK) - "Gerade die Szenarien, vor denen die SPÖ im Zusammenhang mit der Abschaffung des Jugendgerichtshofes durch FPÖ-Justizminister Dieter Böhmdorfer gewarnt hat, haben sich nun bewahrheitet", betonte SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim am Mittwoch gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. Er bezieht sich auf die im "Falter" geschilderten skandalösen Zustände in der Justizanstalt Josefstadt, die in einem Vergewaltigungs-Fall kulminierten und von einer Jugendrichterin schlicht als "Folter" bezeichnet wurden. "Es zeigt sich neuerlich, dass die Wiedereinführung des Jugendgerichtshofs ein Gebot der Stunde ist", betonte Jarolim. ****

Jarolim verwies darauf, dass, sollten Jugendliche straffällig werden, es wichtig sei, diesen eine zweite Chance zu geben. "Dazu braucht es eine spezialisierte Jugendgerichtsbarkeit im Anschluss an Entwicklungen in anderen europäischen Staaten. Diese sollte in speziell qualifizierten Gerichten wie dem ehemaligen Wiener Jugendgerichtshof geschehen, bei denen die gesamten strafgerichtlichen Kompetenzen sowie die Vormundschafts- und Pflegschaftssachen konzentriert sind, um multidisziplinär die problematischen Fälle analysieren und managen zu können."

Weiters fordert der SPÖ-Justizsprecher, dass generell bei den Staatsanwaltschaften eigene organisatorische Abteilungsgruppen für Jugendrichter beziehungsweise Jugendstaatsanwälte geschaffen werden sollen. "Diese sollen ausschließlich mit solchen Personen besetzt werden dürfen, die über das erforderliche pädagogische Verständnis verfügen und besondere Kenntnisse auf den Gebieten der Psychologie und Sozialarbeit aufweisen", sagte Jarolim. Allgemein seien Verbesserungen der personellen Ressourcen im Strafvollzug dringend geboten.

Im Bereich des Jugendstrafrechts sollten Haftstrafen nur ausnahmsweise eine Option sein, betonte Jarolim. Auch sollten bei Jugendlichen primär die Möglichkeiten des offenen oder gelockerten Vollzugs genutzt werden. Wenn Freiheitsstrafen bei Jugendlichen länger als drei Monate andauern, sollte der Vollzug in gesonderten Abteilungen mit qualifizierter Betreuung stattfinden. Im Mittelpunkt der Vollzugseinrichtungen für Jugendliche sollten Stabilisierung und Reintegration stehen, wozu eigene Einrichtungen nach dem Muster von "Halfway-Häusern" oder geschlossenen "Lernzentren" anzudenken sind. Weiters verwies Jarolim darauf, dass im Sinne einer ausreichenden regionalen Versorgung auch im Westen Österreichs eine spezielle Jugendstrafanstalt eingerichtet werden sollte. (Schluss) up/sn

Rückfragen & Kontakt:

SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien,
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK0006