Wr. Rechnungsabschluss 2012 - SP-Troch: Abwesenheit muss man durch Erinnerung ergänzen

Wien (OTS/SPW-K) - "ZeitzeugInnen sind wesentliche Elemente der Auseinandersetzung mit der Geschichte unserer Stadt, aber leider werden sie immer weniger", erläuterte der Wiener SPÖ-Gemeinderat Harald Troch in der heutigen Rechnungsabschlussdebatte im Gemeinderat. Es bedürfe daher unterschiedlicher Ansätze für das Aufrechterhalten des "Nichtvergessens" - so wie es die Wiener Erinnerungskultur ja anstrebe: Eine weiterführende Archivierung der Dokumente aus jener Zeit, wissenschaftliche Aufarbeitung und öffentliche Diskussionen, wie sie etwa durch öffentliche Gedenkstätten, Denkmäler - aber genauso Straßenbenennungen - bewirkt würden. "Was insgesamt für die Erinnerungskultur gilt, muss insbesondere für die Straßennamen gelten", so Troch weiter.

Troch verwies in diesem Zusammenhang auf die Rathkolb-Studie, die die insgesamt 4.100 personenbezogenen Wiener Straßennamen umfasse und Anfang Juli präsentiert werde. "Es geht um historisch belastete Namen und wir wollen uns dabei anschauen, welche Probleme es tatsächlich gibt." "Aber" - wie Troch an dieser Stelle betonte - "die Dämonisierung des Bösen ist nicht die Antwort, sondern die Diskussion, die Auseinandersetzung mit dem Thema. Unsere Praxis liegt dabei nicht in der Umbenennung", erklärte der Gemeinderat.

Angebracht sei vielmehr eine differenzierte Sichtweise, ein "bewusster Umgang mit Namen". Im Falle des Universitätsrings sei die Umbenennung jedoch absolut gerechtfertigt gewesen: "Die Universität Wien war eine der größten Opferstätten des Antisemitismus und des Nationalsozialismus, deshalb war es ein sehr weiser Entschluss, dass die Universität Wien nicht mehr die Adresse eines notorischen Antisemiten trägt", unterstrich Troch, der während seiner Rede einen gemeinsamen rot-grünen Resolutionsantrag - betreffend Straßenbenennungen in Wien - im Gemeinderat einbrachte. Darin wird der amtsführende Stadtrat für Kultur und Wissenschaft ersucht, dafür Sorge zu tragen, dass u.a. ein Kriterienkatalog für Neubenennungen erstellt wird, die aus der historischen Untersuchung der Wiener Straßennamen gewonnenen Erkenntnisse als Grundlage für den künftigen Umgang mit historisch belasteten Namen von Verkehrsflächen in Wien, und zwar in Absprache mit den zuständigen Bezirken, herangezogen werden, und bei künftigen personenbezogenen Verkehrsflächenbenennungen verstärkt weibliche Persönlichkeiten berücksichtigt werden.

Troch schloss seine Redebeitrag mit einem Zitat von Joseph Joubert, einem französischen Essayisten: "Abwesenheit muss man durch Erinnerung ergänzen, das Gedächtnis ist ein Spiegel in dem wir die Abwesenden erblicken."

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