Falter: Schwere Missstände im Jugendstrafvollzug

14jähriger Bub mit Besenstiel vergewaltigt. Jugendrichterin spricht von "Folter"

Wien (OTS) - Die Wiener Wochenzeitung Falter enthüllt in ihrer morgen Mittwoch erscheinenden Ausgabe erschreckende Missstände in der Jugendabteilung der Justizanstalt Josefstadt.

Wie die Wiener Jugendrichterin Beate Matschnig beklagt, wurde ein 14jähriger Insasse von seinen Zellengenossen nicht nur dazu gezwungen, Essen vom Boden aufzuschlecken, sondern er wurde auch mit dem Besenstiel vergewaltigt und dabei schwer verletzt. Danach wurde er wegen "mangelnder Reife" enthaftet.

Matschnig beklagt, dass Jugendliche aufgrund von Personalnot am Freitag bereits ab 15 Uhr (!) zum Nachtdienst eingesperrt werden und in den Zellen "ein unglaublicher Druck entsteht", so komme es zu "Demütigungsritualen an den Schwächsten".

Die Zellen seien ab Freitag 65 Stunden - bis Montag acht Uhr früh - ohne Betreuung geschlossen. Auch unter der Woche beginne der Nachtdienst manchmal bereits um 15 Uhr. Matschnig: "Das ist Folter". Würden Eltern ihre Kinder so wegsperren, würde die Justiz aktiv werden. Matschnig schildert auch, dass jugendliche Häftlinge von Zellengenossen dazu genötigt werden, mit den Zahnbürsten WCs zu schrubben. Auch Oralverkehr an Mithäftlingen werde immer wieder erzwungen. Ein Jugendlicher konnte nicht enthaftet werden, weil das Jugendamt keinen Heimplatz zur Verfügung hatte. Matschnig erhob diese Vorwürfe vergangene Woche auch auf einer Enquete, die der Grüne Justizsprecher Albert Steinhauser zum Thema Strafvollzug organisierte. Dort beklagte sie, dass "Medien endlich das Thema aufgreifen sollten".

Wie der Falter berichtet, haben Justizwachebeamte längst ein Konzept erarbeitet, wonach Jugendliche nicht mehr in Großraumzellen untergebracht werden sollen. Aus Spargründen sei dieses Konzept aber von Justizministerin Karl als "unausgegoren" verworfen worden. Karl bedauert den sexuellen Übergriff an dem Kind "zutiefst".

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