"Bildung auf einen Blick" - Karlheinz Töchterle: Österreich auf gutem Weg

Wissenschafts- und Forschungsminister zur jüngsten OECD-Studie

Wien (OTS) - "Bildung auf einen Blick" bietet die heute gemeinsam von Prof. Dr. Barbara Ischinger, Direktorin des Direktorats Bildung und Kompetenzen der OECD, Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied und Wissenschafts- und Forschungsminister Dr. Karlheinz Töchterle gemeinsam präsentierte OECD-Studie. Erstmals wurde Wien als Standort der Hauptpräsentation dieser internationalen Studie, die zentrale Aspekte der Bildungssysteme der 34 OECD-Länder vergleicht, ausgewählt - "ein stimmiges Bild angesichts der zahlreichen Anstrengungen im Bildungs- und Hochschulbereich in Österreich", sagte Töchterle. Er zieht ein überwiegend positives Resümee: "Sämtliche Parameter zeigen nach oben, Österreich ist auf gutem Weg." Dabei dürfe man aber "auch jene Hausaufgaben nicht übersehen, die noch zu erledigen sind".

"Wir konnten die Bildungsausgaben steigern", verweist Töchterle auf das Plus von 0,1 Prozentpunkten. Damit liegt Österreich bei den Ausgaben im Tertiärbereich bei insgesamt (öffentlich und privat) 1,52 Prozent des BIP - deutlich über dem OECD- und EU-Schnitt (1,1 Prozent bzw. 1,2 Prozent). "Aber was wir sehen und ich nicht müde werde zu betonen: Österreich hat einen der niedrigsten Anteile an privater Finanzierung im Hochschulbereich", so der Minister. Mit 0,067 Prozent ist Österreich weit unter dem OECD- und EU-Schnitt (0,5 Prozent bzw. 0,3 Prozent). Die OECD hat Österreich wiederholt die Einführung von Studienbeiträgen mit entsprechenden sozialen Begleitmaßnahmen empfohlen, deren weitgehendes Fehlen die OECD als die Hauptursache für den niedrigen Anteil privater Mittel nennt. Diesem Ansatz entspreche auch das von Minister Töchterle im September 2011 vorgelegte Studienbeitrags-Modell. Die OECD hält auch fest, dass es in Österreich kein öffentliches Darlehenssystem für Studierende gibt. Dieser Aspekt wird derzeit in der Hochschulkonferenz-Arbeitsgruppe zur sozialen Absicherung der Studierenden diskutiert, ein Bericht ist für September geplant.

Erwähnt wird seitens der OECD auch die Hochschul-Milliarde. Diese Mittel wurden anteilmäßig auch bereits für 2016 und 2017 fortgeschrieben. "Gerade aufgrund meiner zahlreichen Besuche in anderen Ländern weiß ich, dass es in Zeiten wie diesen alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist, zusätzliche Mittel für Wissenschaft und Forschung bereitzustellen", unterstrich der Minister. Betreffend öffentliche Finanzierung verwies er auch auf die jüngste Studie der European University Association (EUA), wonach Österreich seine Uni-Ausgaben heuer im Europavergleich zum Vorjahr nach Island am stärksten gesteigert hat. "Aber gerade bei den privaten Mitteln haben wir Aufholbedarf und setzen daher gezielte Anreize, um mehr private Gelder für Wissenschaft und Forschung zu gewinnen", nannte Töchterle als Beispiel etwa den "matching fund" (9 Millionen Euro) und der Anschubfinanzierung von universitären Kooperationsvorhaben (63 Millionen Euro) im Rahmen der Hochschulraum-Strukturmittel.

Betreffend Akademikerquote zeigt sich: Österreich hat - wie auch im Vorjahr - eine erweiterte Akademikerquote (Anteil von Personen mit tertiärem Bildungsabschluss an der Erwerbsbevölkerung, 25- bis 64-Jährige) von 19 Prozent. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 33 Prozent, der EU-Durchschnitt bei 29 Prozent. Anders als bei den Berechnung der EU fließen bei jenen der OECD keine Abschlüsse von Einrichtungen wie zB berufsbildenden höheren Schulen ("tertiary or equivalent") ein, die im deutschsprachigen Raum stark sind und jene Qualifikationen vermitteln, die in anderen Ländern typischerweise im Hochschulbereich vermittelt werden. Die Europäische Union berücksichtigt das bereits bei ihrem EU 2020-Ziel für Österreich und Deutschland und bezieht die Abschlüsse der berufsbildenden höheren Schulen in die Berechnung mit ein, sodass Österreich in dieser konsolidierten Berechnung im Jahr 2012 in der Gruppe der 30-34-Jährigen gesamt bereits bei 38,3 Prozent liegt. Die Abschlüsse an österreichischen Hochschulen haben sich in absoluten Zahlen seit 2001 verdoppelt. "Daher erneut mein Appell, die Akademikerquote differenziert und vor dem Hintergrund des stark ausgeprägten berufsbildenden Sektors zu betrachten. Und was man vor allem auch sehen muss: Wir sind ganz vorne, was die Jugendbeschäftigung betrifft", so Töchterle.

Weitere ausgewählte Aspekte der OECD-Studie im Überblick:

Ausgaben pro Student/in - leichte Steigerung
- Die jährlichen Ausgaben pro Student/in sind mit 15.007 US-Dollar gegenüber dem Vorjahreswert leicht gestiegen und liegen etwas über dem OECD-Durchschnitt (13.528 US-Dollar) sowie dem EU-Durchschnitt (12.856 US-Dollar).

Ausgaben pro Absolvent/in - an 4. Stelle der EU- und 5. Stelle der OECD-Länder
- Österreich liegt bei den Ausgaben pro Absolvent/in mit 80.138 US-Dollar deutlich über dem OECD- und EU-Durchschnitt (57.774 US-Dollar bzw. 60.674 US-Dollar).

Ausländische Studierende - Österreich auf Platz 2, hohe Attraktivität heimischer Hochschulen
- Der Anteil ausländischer Studierender in Österreich beträgt für den gesamten Tertiärbereich rund 15 Prozent (exakt 14,7 Prozent) und ist damit mehr als doppelt so hoch wie im OECD-Durchschnitt (7 Prozent). - Der außerordentlich hohe Anteil ausländischer Studierender belegt auch die hohe Attraktivität des Wissenschaftsstandortes Österreich.

Betreuungsverhältnis - verbessert, weitere Schritte im Rahmen der Studienplatzfinanzierung
- Das aktuelle Betreuungsverhältnis beträgt 16,6 Studierende pro Lehrperson und hat sich somit gegenüber dem Vorjahr (17,1) verbessert.
- Mit der Studienplatzfinanzierung, deren Testphase angelaufen ist, sollen die Rahmenbedingungen und damit das Betreuungsverhältnis zunächst vor allem in stark nachgefragten Fächern weiter verbessert werden (ua rund 95 zusätzliche Professor/innen in fünf besonders stark nachgefragten Fächern im Zeitraum 2013 - 2015).

Hochschulzugangsquote - merklich aufgeholt
- Die Hochschulzugangsquote (Anteil jener Personen am Altersjahrgang, die als Studienanfänger/innen ein Studium an einer Universität, Fachhochschule oder Pädagogischen Hochschule aufnehmen) beträgt aktuell 52 Prozent. Österreich hat hier in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt (2009 45 Prozent, 1995 27 Prozent). Diese Erhöhung lässt in Folge ein Steigen der Akademikerquote erwarten.

Hochschulabschlussquote - deutlich gestiegener Wert, weiterer FH-Ausbau
- Die Hochschulabschlussquote (Personen mit Tertiärabschluss an der Bevölkerung im typischen Abschlussalter) ist im letzten Jahr weiter auf 35 Prozent angestiegen und nähert sich dem OECD- und EU-Durchschnitt (39 Prozent bzw. 40,9 Prozent).
- Die OECD hält fest, dass die Fachhochschulen in den vergangenen zehn Jahren erheblich zur Erhöhung der Studienanfänger- und Abschlussquoten im Tertiärbereich beigetragen haben. Die Anzahl der Studierenden an FHs hat sich seit 2000 von rund 11.800 auf rund 41.400 beinahe vervierfacht. Das BMWF baut diesen Sektor weiterhin gezielt aus, bis 2015 werden rund 40 Millionen Euro in die Schaffung von ca. 4.000 zusätzlichen Studienplätzen investiert.

Steigende Anzahl weiblicher Absolventinnen, besonders auch im MINT-Bereich
- In Österreich gibt es eine steigende Anzahl an weiblichen Absolventinnen, besonders auch im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik).
- In absoluten Zahlen hat sich die Anzahl der Abschlüsse von Studentinnen in den MINT-Fächern seit 2000 verdreifacht, der Frauenanteil wurde von 29 auf 34,4 Prozent erhöht.
- Hier zeigt sich, dass die Initiativen der Institutionen und des Wissenschaftsministeriums wie die Studienberatung und die MINT-Offensive in den vergangenen Jahren gegriffen haben.

Erwerbsbeteiligung im Tertiärbereich - Österreich über OECD- und EU-Schnitt
- Mit zunehmendem Bildungsstand steigen die Beschäftigungsquoten. Österreich liegt mit 87 Prozent für Absolvent/innen tertiärer Ausbildung deutlich über dem OECD- und EU-Schnitt (82,9 Prozent bzw. 83,3 Prozent).

Rückfragen & Kontakt:

Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
Minoritenplatz 5, 1014 Wien
Pressesprecherin: Mag. Elisabeth Grabenweger
Tel.: +43 1 531 20-9014
mailto: elisabeth.grabenweger@bmwf.gv.at
www.bmwf.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | MWF0002