Gewerbe und Handwerk: Trübe Aussichten im ersten Quartal 2013

Konjunkturpaket für Baubranche wichtig, aber Regionalität berücksichtigen - 5 Forderungen an Bundesregierung !

Wien (OTS/PWK460) - Die Bundessparte Gewerbe und Handwerk mit ihren mehr als 600.000 Mitarbeitern und rund 146.000 Arbeitgeberbetrieben trotzt noch der Krise, die Aussichten für das erste Quartal 2013 sind aber trüb. "Wir halten unsere Beschäftigten noch und sind dabei der stabile Faktor am heimischen Arbeitsmarkt. Unsere Betriebe wissen um die Bedeutung ihrer Facharbeiter", betonte heute, Dienstag, der Obmann der Bundessparte, Konrad Steindl. Das von der Bundesregierung nun in Aussicht gestellte Konjunkturpaket sollte so gestaltet sein, dass es gerade die kleinen und mittleren Betriebe auch nützen können und sollte damit in die Breite gehen um für Beschäftigung zu sorgen. Große Infrastrukturvorhaben seien wichtig. Die mittelständischen Betriebe der Baubranche seien aber die größere Konjunkturlokomotive und öffentliche Ausgaben hier in hohem Maße wichtig, betonte auch der Direktor der KMU Forschung Austria, Walter Bornett.

"Das Konjunkturbarometer der Gewerbe- und Handwerksbetriebe ist weiter gefallen, damit konnte sich die Sparte von der internationalen Entwicklung nicht ganz entkoppeln. Für das dritte Quartal ist die Erwartungshaltung noch optimistisch, per Saldo aber gedämpft", analysierte Bornett weiter. Im Durchschnitt sind die Auftragseingänge bzw. Umsätze im 1. Quartal 2013 gegenüber dem 1. Quartal 2012 wertmäßig um 3,0 Prozent gesunken. 16 Prozent der Betriebe meldeten Steigerungen um durchschnittlich 12,3 Prozent, bei 54 Prozent der Betriebe lagen die Auftragseingänge auf Vorjahresniveau und 30 Prozent der Betriebe verzeichneten Rückgänge um durchschnittlich 18,7 Prozent.

Im 2. Quartal 2013 beurteilen 19 Prozent der Betriebe die Geschäftslage mit ''gut'' (Vorjahr: 27 Prozent), 55 Prozent mit ''saisonüblich'' (Vorjahr: 55 Prozent) und 26 Prozent der Betriebe mit ''schlecht'' (Vorjahr: 18 Prozent). Im Vergleich zum Vorquartal hat sich das Stimmungsbarometer verschlechtert. In den investitionsgüternahen Branchen ist der durchschnittliche Auftragsbestand im Vergleich zum 2. Quartal des Vorjahres um 3,8 % gesunken. Im konsumnahen Bereich verzeichneten 64 Prozent keine Veränderung (Vorjahr: 65 Prozent) und 21 Prozent Umsatzrückgänge (Vorjahr: 17 %). Per Saldo (Anteil der Betriebe mit Umsatzsteigerungen abzüglich Umsatzrückgängen) überwiegen die Betriebe mit Umsatzrückgängen um 6 Prozent-Punkte. Die Situation ist demnach schlechter als im Vergleichsquartal des Vorjahres.

Handwerker-Bonus weiterhin auf Forderungsliste

Zu den von der Bundessparte an die Bundesregierung formulierten 5 Forderungen betonte Steindl, dass insbesondere die Einführung eines Handwerkerbonus für Gewerbe und Handwerk weiterhin auf der Forderungsliste stehe. Dieser würde helfen, die Nachfrage entsprechend zu stimulieren und die Schattenwirtschaft zu dämpfen. Ebenfalls gefordert sind die Förderung der regionalen Beschäftigung, die Stärkung der Lehre, ein rasches Anpacken einer Verwaltungsreform, sowie eine Anpassung des Arbeitsrechts.

Die Forderungen im Detail:

1. SANIERUNGSSCHECK / HANDWERKERBONUS EINFÜHREN
Eine steuerliche Begünstigung von Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsarbeiten im privaten Haushalt durch eine steuerliche Absetzbarkeit von 20% der in Rechnung gestellten Kosten soll eingeführt werden. Begünstigt sind nur Lohnkosten der Handwerker/innen, nicht aber Material. Zu den Dienstleistungen zählen etwa auch das Streichen und das Tapezieren von Innenwänden, die Beseitigung kleiner Schäden, die Erneuerung des Bodenbelags oder der Austausch von Fenstern. Dadurch würden positive Impulse für die Wirtschaft gesetzt, die zusätzliche Steuereinnahmen bewirken.

2. REGIONALE BESCHAFFUNG FÖRDERN
Die regionale Beschaffung soll durch die Übernahme der Schwellenwerte-Verordnung (die Ende dieses Jahres ausläuft) ins Dauerrecht gefördert werden. Öffentliche Beschaffer sind auch Gemeinden, die kleinere Volumina abrufen. Gerade hier müssen lokal angesiedelte KMU die Chance haben, zu regionalen Aufträgen im Unterschwellenbereich zu kommen. Durch diese Regelung werden darüber hinaus Verwaltungskosten gesenkt und die Kontinuität in der öffentlichen Auftragsvergabe sichergestellt.

3. LEHRE STÄRKEN
Die Lehre muss attraktiver gemacht werden, um dem zunehmenden Fachkräftemangel
wirkungsvoll zu begegnen. Ein Schritt dazu ist die Einführung einer verpflichtenden flächendeckenden Berufsorientierung und Potentialanalyse in allen Schularten, um allen österreichischen Schülern die Möglichkeit zu geben, ihre Potentiale zu ergründen und die Vielfalt der Lehrberufe kennen zu lernen.

4. VERWALTUNGSREFORM DURCHFÜHREN
Zahlreiche Gesetze sehen die Möglichkeit oder sogar die Verpflichtung vor, zur Unterstützung der für die Einhaltung der Schutznormen Verantwortlichen eigene Beauftragte zu bestellen. Insgesamt gibt es mehr als 70 Beauftragte die entweder verpflichtend oder auf freiwilliger Basis zu bestellen sind. Im Sinne der bürokratischen Entlastung sind diese Auflagen zu überprüfen und reduzieren. Die Notwendigkeit der Einhaltung der relevanten Bestimmungen ist unbestritten. Wie diese im Betrieb umgesetzt wird, soll den Unternehmen überlassen bleiben.

5. ARBEITSRECHT ANPASSEN
Die Förderung der Erwerbstätigkeit ist die beste Maßnahme zur Sicherung des Wohlstandes in Österreich. Das Ziel muss sein, den Arbeitsmarkt flexibler zu gestalten und so mehr Möglichkeiten für eine Erwerbstätigkeit zu schaffen. Dazu müssen die Betriebe ermächtigt werden, die Arbeitszeiten zu flexibilisieren um unter anderem Anpassungen an die gesellschaftliche Entwicklung vorzunehmen. Auch müssen die Rahmenbedingungen für die Kurzarbeit verbessert werden. Darüber hinaus müssen die Unternehmen gegen Krankenstandsmissbrauch geschützt werden. Dies wäre durch eine faire Beteiligung des Arbeitnehmers an den Krankenstands- und Freizeitunfallkosten zu erreichen. Über allem steht selbstverständlich die Senkung der Lohnnebenkosten, um die Attraktivität des Standorts Österreich zu erhalten. (US)

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