Schulschluss: Kein gutes Zeugnis für Österreichs Bildungspolitik

Volkshilfe Geschäftsführer Erich Fenninger: Schule darf nicht sozial benachteiligen, sondern muss individuell fördern

Wien (OTS) - Für tausende Kinder beginnen demnächst die Schulferien. Für die Volkshilfe Anlass genug, Bilanz zu ziehen, wie es um die Bildungschancen von Kindern aus einkommensschwachen Familien steht. "Leider können wir hier der Politik kein gutes Zeugnis ausstellen", bedauert Volkshilfe Geschäftsführer Mag. (FH) Erich Fenninger. "Obwohl alle Studien der letzten Jahre nachweisen, dass der Schulerfolg maßgeblich von Einkommen und Bildung der Eltern abhängt, hat sich in den letzen Jahren wenig beim Thema Chancengleichheit verbessert. Die Chancen auf einen sozialen Aufstieg durch Bildung sind in kaum einem anderen Land so gering wie bei uns. Wir fordern ein Bildungssystem, das sozialer Ungleichheit entgegenwirkt. Bildung ist und bleibt ein Grundstein für soziale Gerechtigkeit."

Soziale Stellung der Eltern bestimmt Schullaufbahn der Kinder Während 69 % der SchülerInnen, deren Eltern einen tertiären Bildungsabschluss haben, angeben, nach der Volksschule in eine AHS-Unterstufe zu wechseln, sind es nur 16 % der SchülerInnen, deren Eltern maximal einen Pflichtschulabschluss aufweisen.
In der AHS haben 27 % der Kinder Eltern, deren Einkommen unter 1.500 Euro liegt, in der Hauptschule sind es 45 %.

Frühe Selektion bereits nach der 4. Klasse Volksschule, hohe Nachhilfekosten und fehlende ganztägige Angebote führen dazu, dass Kinder aus bildungsfernen und einkommensschwachen Schichten keine Aufstiegschancen haben. Dazu kommt oftmals eine beengte Wohnsituation. Der eigene Platz zum Lernen ist aber ein Faktor, der auch in den Bildungsstudien der OECD als wichtiger Indikator für Lernerfolg beschrieben wird

Teure Nachhilfe

Je nach Schultyp braucht bis zu ein Drittel aller Kinder Nachhilfe. Nach Studien der Arbeiterkammer gaben Familien 2012 im Schnitt 442 Euro für Nachhilfe allein im Sommer aus. Nach einer aktuellen Erhebung kostet eine Stunde privat Lernen durchschnittlich 19 Euro. Bei Lerninstituten zahlen Eltern für den Einzelunterricht noch mehr: fast 32 Euro, für den Gruppenunterricht durchschnittlich 15 Euro.

Für einkommensschwache Familien ist die Nachhilfe oft nicht leistbar. Über 60.000 SchülerInnen, die Nachhilfe benötigen würden, bekommen diese nicht, weil den Eltern das Geld dazu fehlt.

Ganztagsschule und Schulsozialarbeit: Volkshilfe fordert mehr Bildungsgerechtigkeit

"Es kann nicht sein, dass es von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern abhängt, ob die Kinder gefördert werden oder ob sie sitzen bleiben. Damit die Zukunft eines Kindes nicht von der jeweiligen Herkunft abhängt, braucht es eine Schule, die nicht sozial benachteiligt, sondern individuell fördert", so Fenninger.

Zu den zentralen Forderungen der Volkshilfe zählen die gemeinsame Schule der 10- bis 14-jährigen, ein flächendeckendes Angebot von Ganztagsschulen, damit in der Schule gelernt werden kann sowie die gesetzliche Verankerung von Schulsozialarbeit.

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