• 20.06.2013, 19:54:16
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Unterrichtsausschuss hofft auf höhere Standards durch Zentralmatura

Schmied: exzellentes öffentliches Schulwesen zentral für Gesellschaft

Utl.: Schmied: exzellentes öffentliches Schulwesen zentral für
Gesellschaft =

Wien (PK) - Die standardisierte kompetenzorientierte schriftliche
Reife- und Diplomprüfung, kurz Zentralmatura genannt, nimmt Konturen
an. Im letzten Bericht des Unterrichtsministeriums dazu heißt es, die
Ergebnisse der bisher erfolgten Schulversuche zur neuen Matura seien
sehr zufriedenstellend, da der Großteil der MaturantInnen das
Zielniveau des Lehrplans erreicht habe. Ab 2014/2015 soll die neue
Reife- und Diplomprüfung an den Allgemeinbildenden Höheren Schulen
(AHS) und ab 2015/2016 an den Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS)
flächendeckend eingeführt werden.

Dem Unterrichtsausschuss des Nationalrats berichteten heute
Bundesministerin Claudia Schmied und der Chef des
Bildungsforschungsinstituts BIFIE Martin Netzer über den aktuelle
Ergebnisstand der Testphase für die Reifeprüfung NEU. Schmied zeigte
sich froh, dass zwei Privatschulen sich bereits als "Eisbrecher"
gefunden hätten, die neue Matura im kommenden Schuljahr in allen
Fächern zu verwenden. Im Sinne einer solidarischen und inklusiven
Gesellschaft setze sie jedoch alles daran, ihre Reformvorhaben gerade
auch an den öffentlichen Schulen zu forcieren, "sonst liefern wir
neo-liberale Argumente für Ausgliederungen und Privatisierungen", so
die Ministerin.

Seitens der Fraktionen wurde die Implementierung der neuen Matura
grundsätzlich befürwortet und der aktuelle Bericht darüber einstimmig
zur Kenntnis genommen. Qualitätssicherung an Schulen durch
vereinheitlichte Anforderungen erhoffte sich etwa ÖVP-Mandatarin
Katharina Cortolezis-Schlager mit der kompetenzorientierten
Reifeprüfung. "Die Matura NEU ist gut angekommen ist", das lasse sich
aus den weitgehend positiven Rückmeldungen von SchülerInnen,
LehrerInnen und Eltern drüber ablesen, meinte SPÖ-Abgeordneter Ewald
Sacher. FPÖ-Abgeordnete Heidemarie Unterreiner hinterfragte
allerdings, ob bei den "Post-Test-Analysen" der Schulversuche zur
Zentralmatura gravierende Niveauunterschiede zu den bisherigen
Maturaleistungen festzustellen waren.

Zentralmatura: Implementierung schreitet voran

Martin Netzer, Direktor des BIFIE, erläuterte auf Unterreiners
Nachfrage, die Bewertungsergebnisse bei der neuen Reifeprüfung lägen
in etwa mit jenen der jetzigen Maturaform gleichauf. Die größte
Verunsicherung bestehe bei LehrerInnen und SchülerInnen noch im
Bereich Mathematik, daher sehe das BIEFI hier den größten
Aufholbedarf, gerade was die Fachdidaktik betreffe und habe deshalb
bereits spezielles Anschauungsmaterial dafür ausgearbeitet.

Im Bericht des Unterrichtsministeriums und des BIFIE zur
standardisierten Reifeprüfung (422 d.B.) ist die Arbeit zur
Realisierung der Zentralmatura im Detail dargestellt. Grünen-
Bildungssprecher Harald Walser wertete frühere Proteste in der
Anlaufphase der kompetenzorientierten Reife- und Diplomprüfung als
logisch, immerhin erfordere diese Neuerung ein Umdenken bei allen
Betroffenen. Für BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner schien sich
aus dem Bericht zu ergeben, bei der Zentralmatura "sei alles eitel
Wonne" - sie zeigte sich daher verwundert darüber, dass der
offizielle flächendeckende Starttermin für die neue Reifeprüfung um
ein Jahr verschoben wurde. Petitionen und sogar
Unterschriftenaktionen gegen die Zentralmatura habe es gegeben, gab
Unterrichtsministerin Schmied daraufhin zu bedenken. Aus diesem Grund
wäre es unvereinbar gewesen, die neue Matura wie geplant
verpflichtend zu implementieren, ein Jahr zusätzlicher
Vorbereitungszeit habe sich vielmehr als sinnvoll erwiesen.

Kernpunkte der neuen Matura sind die Erstellung und Präsentation
einer vorwissenschaftliche Arbeit an AHS bzw. einer Diplomarbeit an
BHS sowie - je nach Wahl der/des Kandidatin/en - drei oder vier
schriftliche und mündliche Prüfungen. Betont wird im Bericht, dass
die österreichische Reife- und Diplomprüfung anders als vergleichbare
Abschlussexamen anderer Staaten nicht alle Fächer betrifft. Zentral
vorgegeben werden die Klausuren in Mathematik, in der
Unterrichtssprache Deutsch bzw. einer Minderheitensprache und in
Fremdsprachen, wobei die Lehrpläne der Oberstufe dafür die Grundlage
bilden. BIFIE-Direktor Netzer beschrieb eingehend die im Vorjahr
gesetzten Maßnahmen zur Austestung der Zentralmatura. 2012 hätten
sich rund 300 Schulen und insgesamt 16.000 SchülerInnenen an den
Schulversuchen beteiligt, heuer würden sogar noch um 20% mehr
SchülerInnen zur neuen Matura antreten. Aus den
SchülerInnenbefragungen dazu gehe hervor, dass eine große Akzeptanz
der neuen Prüfformate bestehe.

Übergeordnetes Ziel der Entwicklung standardisierter
kompetenzorientierter Prüfungen ist dem Unterrichtsressort zufolge
der langfristige Wissenserwerb von SchülerInnen. Im Unterricht muss
dabei vermittelt werden, wie das erlernte Wissen auf ähnliche
Situationen übertragbar ist.

Viele Reformschritte gesetzt, Dienstrecht NEU noch in Warteposition

In allen Reformprojekten ihres Ressorts würden die Schulen bei den
notwendigen Änderungen begleitet, betonte Unterrichtsministerin
Schmied, um die notwendige Orientierung im neuen Prüfsystem zu
gewährleisten. Insgesamt sei in der allgemeinen Bildungspolitik mit
insgesamt 61 Neuerungen schon viel erreicht worden, erwiderte sie
Fragen zur Realisierung ihrer Pläne durch die BildungssprecherInnen
aller Parteien. Sie nannte die modulare Oberstufe - die bis 2017/18
gänzlich umgesetzt sein soll-, die Festschreibung geringere
Klassenschülerzahlen, die Neue Mittelschule, das verpflichtende
Kindergartenjahr und den Fokus auf standortbezogene Sprachförderung
an Kindergärten bzw. Schulen, die neue PädagogInnenbildung sowie die
Bildungsstandards zur Qualitätssicherung als Beispiele. Für das 62.
Projekt, das neue Dienst- und Besoldungsrecht für Lehrkräfte, wäre
eine sozialpartnerschaftliche Einigung mit der Lehrergewerkschaft
wünschenswert, befand die Unterrichtsministerin, es liege hier aber
sowohl an Arbeitnehmer- als auch an Arbeitgebervertretern,
aufeinander zuzugehen.

Für die Bildungsstandards erhebe man derzeit in anonymisierter Form
die sozio-ökonomischen Hintergründe der SchülerInnen, antwortete die
Ministerin auf Nachfrage des Team Stronach-Abgeordneten Stefan
Markowitz. Von FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz auf die hohen
Nachhilfekosten angesprochen, und speziell auf den Unmut vieler
Eltern, wenn aktive Lehrkräfte Nachhilfe anbieten, verwies die
Ministerin darauf, dass die Genehmigung zusätzlicher Beschäftigungen
durch Lehrkräfte nicht alleine beim Bund liegt. Für LandeslehrerInnen
seien hier die Landesschulräte zuständig. ÖVP-Bildungssprecherin
Christine Marek, die mehr Initiativen zur Leseförderung einforderte,
berichtete Schmied, die Strategie dazu sei, vermehrt Sprach- und
Leseförderung zu verknüpfen und neben speziellen
Unterrichtsmaterialien und Kooperationen mit Buchklubs und Theatern
anzubieten.

Der Anmerkung Haubners, es gebe nicht ausreichend AHS-Lehrkräfte, die
sich zum Team Teaching an den Neuen Mittelschulen fänden, replizierte
Schmied, sie erwarte durch die gleichwertige neue
PädagogInnenausbildung dabei Verbesserung. Durch das allgemein
verpflichtende Fach der inklusiven Pädagogik in der neuen
LehrerInnenausbildung und den schrittweisen Ausbau diesbezüglicher
Schulversuche trage ihr Reformprogramm auch dem Bereich
Sonderpädagogik Rechnung, informierte sie die Abgeordneten Helene
Jarmer (G) und Franz-Joseph Huainigg.(Fortsetzung
Unterrichtsausschuss) rei

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