Verkehrswirtschaft fordert transparente Diskussion über Kostenverteilung

Aktuelle Studie zu externen Kosten des Verkehrs: Weniger als ein Viertel entfällt auf Güterverkehr

Wien (OTS/PWK434) - Die negativen Effekte des Verkehrs, welche nicht vom Nutzer selbst getragen werden, bezeichnet man als "externe Kosten", dazu zählen etwa Unfallkosten, Klimakosten oder Kosten der Luftverschmutzung. Externe Kosten werden politisch sehr kontrovers diskutiert. Gemäß der aktuellen Eurovignetten-Richtlinie dürfen künftig erstmals auch die externen Kosten für Lärm und Luftverschmutzung in die Lkw-Maut einberechnet werden. Die Richtlinie bezieht sich dabei aber explizit auf "schwere Nutzfahrzeuge". Gemäß dem "Gesamtverkehrsplan für Österreich 2012" sollen diese
externen Kosten bald dem Straßengüterverkehr durch höhere Mauttarife angelastet werden.

In Fachkreisen herrscht jedoch Einigkeit darüber, dass die Anlastung der externen Kosten an alle Verkehrsteilnehmer zu einem ökonomisch effizienteren Verkehrsverhalten in unserer Gesellschaft führen würde. "Wollen wir ein nachhaltiges Finanzierungssystem und über die Miteinbeziehung externer Kosten in die Finanzierung reden, dann brauchen wir eine offene und ehrliche Diskussion über Höhe der Kosten und deren Verursacher", betonte Alexander Klacska, Obmann der WKÖ-Bundessparte Transport und Verkehr und Präsident der AISÖ, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

"Wenn man von externen Effekten spricht, wird oft dem schweren Straßengüterverkehr unterstellt, dass er seine externen Kosten nicht selbst trägt, sondern anderen aufbürdet. Gänzlich ausgeklammert dabei ist oftmals jedoch die Tatsache, dass der Schwerverkehr für seine Kosten in Form von Steuern und Abgaben, sowie fahrleistungsabhängiger Maut aufkommt", so PeterTropper, Geschäftsführer des Fachverbandes Güterbeförderung in der WKÖ und Generalsekretär der AISÖ. Was in der politischen Diskussion jedoch kaum kommuniziert werde, ist die Tatsache, von welchen Kostenhöhen tatsächlich die Rede ist und wer die Hauptverursacher sind. Auch die Höhe dieser Kosten ist bis dato nur begrenzt bestimmbar, da es keine Marktpreise für diese Effekte gibt.

Um hier Größenordnungen für eine sachliche Diskussion zu liefern, hat die AISÖ (Arbeitsgemeinschaft Internationaler Straßenverkehrsunternehmer Österreichs) die Schweizer ProgTrans AG mit einer Studie beauftragt, die die externen Kosten des Verkehrs in Österreich analysiert.

Fazit: Laut der Studie summieren sich die externen Kosten des Straßenverkehrs in Österreich für Unfälle, Luftverschmutzung und Klimakosten auf rund 2,4 Milliarden Euro pro Jahr. "Die externen Kosten des Verkehrs sind beträchtlich. Man sieht und spürt sie nicht, aber sie produzieren Wohlfahrtsverluste und sind daher volkswirtschaftlich zu betrachten", erläuterte Studienautor Stefan Rommerskirchen, Geschäftsführer der ProgTrans AG.

Interessant ist hier eine Differenzierung zwischen Pkw- und Güterverkehr: Wie die Studie belegt, ist der Hauptverursacher dieser externen Kosten der Pkw-Verkehr: Nur rund ein Viertel der externen Kosten im Straßenverkehr werden vom Güterverkehr verursacht. Rommerskirchen folgert: Wenn über Kostenwahrheit beim Straßenverkehr und Bemautung gesprochen werde, "reicht es überhaupt nicht, sich auf den Güterverkehr zu reduzieren. Hier muss der Pkw-Verkehr stärker in den Fokus rücken". Eine auf die Reduktion externer Kosten ausgerichtete Verkehrs- und Umweltpolitik könne nicht erfolgreich sein, wenn die Massnahmen ausschließlich auf den Straßengüterverkehr ausgerichtet seien, so der Experte.

WKÖ fordert eigene Mautkategorie für Busse
Die Studienergebnisse zeigen jedoch auch, dass Busse als effizientes Verkehrsmittel am besten abschneiden. Klacska: "Dies zeigt deutlich, dass Busse ökologisch sinnvolle Verkehrsmittel sind. Wir brauchen daher dringend eine eigene Bemautungskategorie für Busse".

Der Bundesspartenobmann mahnte zur Kostenwahrheit: "Wir zahlen mit dem Schwerverkehr den Großteil für die Schuldentilgung des Ausbaus der Infrastruktur. Es ist unverständlich, dass die Asfinag Gewinnausschüttungen vornimmt, während Darlehen aufgenommen werden. Die Asfinag ist nicht dafür zuständig, Budgetlöcher zu stopfen. Es kann nicht sein, dass jene, die rund 25 Prozent der Kosten verursachen, für 100 Prozent aufkommen sollen".

Konjunkturtest: Getrübte Stimmung
Wie die aktuelle Konjunkturumfrage der Bundessparte für das zweite Quartal 2013 zeigt, ist die Stimmung in der Branche getrübt. Ebenso wie die Nachfrageerwartung ist im vergangen Quartal auch die Einschätzung der Geschäftslage ins Negative gekippt. Auch für die nächsten sechs Monate sehen die Unternehmen der Mobilitätsbranche ihre Geschäftslage eher negativ. Das spiegelt sich auch in den Auftragsbeständen wider.
Negativ ist erstmals auch die Beschäftigungslage. Klacska: "Auch die Einschätzung der zukünftigen Entwicklung fällt sehr vorsichtig aus. Die Unternehmen sind skeptisch und beschäftigungsscheu, es fehlen politische Maßnahmen, um den Unternehmen diese Skepsis zu nehmen." (PM)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich, Fachverband für das Güterbeförderungsgewerbe
Mag. Peter Michael Tropper
Tel.: Tel.: 01/961 63 63 59
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