Neues Volksblatt: "Unsozial" von Markus EBERT

Ausgabe vom 19. Juni 2013

Linz (OTS) - Ist es ein Kavaliersdelikt, wenn man sich Sozialleistungen erschwindelt? Von links aus betrachtet scheint das jedenfalls ein wesentlich geringeres Übel zu sein, als wenn sich jemand einen bescheidenen Wohlstand erworben hat. Die Millionärs-Punze ist schnell zur Hand und die Botschaft, dass alle Reichen Steuerhinterzieher sind, wird auch gerne verbreitet. Dass man noch längst kein Spitzenverdiener sein muss, um bereits beim Höchststeuersatz angelangt zu sein, wird ignoriert. Und ebenso verdrängt wird damit, dass es der sogenannte Mittelstand ist, der für den Großteil jenes Steueraufkommens sorgt, aus dem dann der Sozialstaat finanziert wird.
Es ist durchaus im Sinne aller Steuerzahler, dass ihre Abgaben treffsicher eingesetzt werden. Denn erstens erhöht das die Effizienz der Mittel und zweitens könnte man sich manchmal eine kleine Drehung an der Steuerschraube ersparen, wenn wieder einmal das Geld nicht reicht. Wer sich gegen Kontrollen etwa bei Mindestsicherung oder bei der Wohnbeihilfe sträubt, nimmt den Missbrauch in Kauf. "Wer die Sozialleistungen eines Staats ausnützt, ist mindestens so unsozial wie jemand, der seine Steuern nicht zahlt", so ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch in Richtung SPÖ. Und das ist ebenso wenig akzeptabel wie Lohnnebenkosten, die die Hälfte des Wertes der Arbeit aufgefressen haben, bevor das Geld überhaupt im Börsel der Arbeitnehmer landet.

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt, Chefredaktion
Tel.: 0732/7606 DW 782
politik@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001