- 17.06.2013, 16:42:04
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EU fördert "Fallwatch", ein Erkennungssystem, das Senioren nach Stürzen schneller hilft

Wien (ots) - Jeder zweite tödliche Seniorenunfall in Österreich
ist ein Sturzunfall - das neuartige System könnte zukünftig
Todesfälle durch Stürze verhindern.
Unter dem Namen "Vigi'Fall" ist das Erkennungssystem ab Ende 2013 für
jedermann erhältlich. Für rund drei Millionen Senioren in ganz Europa
könnte dies die Rettung sein.
"Vigi'Fall" ist der Name eines neuen Erkennungssystems, das
vorwiegend alten Menschen nach Stürzen helfen wird. Dank des kleinen
dreieckigen Patches, das von seinem Anwender permanent getragen
werden kann, ist gewährleistet, dass jeder ernsthafte Sturz erkannt
und sofort ein Notarzt gerufen wird. Der Clou daran: Das Patch am
Körper kommuniziert mit Infrarot-Bewegungssensoren in den Wohnräumen
und einer zentralen Kontrollbox. Entwickelt wurde das System von
FallWatch, einem Konsortium, das Technologien und wissenschaftliche
Erkenntnisse aus ganz Europa vereint. Federführend ist das
französische Start-up Vigilio S.A. Das Projekt wurde von der
Europäischen Kommission mit rund zwei Millionen EURO gefördert.
"Schätzungsweise stürzen in Europa jährlich mehr als 20 Millionen
Menschen über 65", erklärt Jean-Eric Lundy, Gründer von Vigilio S.A.
und Arzt in der Notaufnahme des Hôpital Cochin in Paris. "Damit ist
ein Sturz die Hauptursache für traumatisch bedingte Todesfälle in
diesem Alter. Sofortige medizinische Hilfe entscheidet über Leben und
Tod. Viel zu oft erleben wir, dass ältere Patienten vor der
Einlieferung ins Krankenhaus stundenlang hilflos zu Hause gelegen
haben, weil sie nicht um Hilfe rufen konnten. Dabei entstehen oft
irreversible physische und psychische Schäden." Laut
Freizeitunfallstatistik des Kuratoriums für Verkehrssicherheit in
Wien kam es 2011 in Österreich zu insgesamt 261.300 Sturzunfällen.
Damit machen Stürze mehr als 64 % aller Unfälle zu Hause oder in der
Freizeit aus und sind Österreichs Unfallursache Nr. 1.
So funktioniert Vigi'Fall
Vigi'Fall basiert auf einem Sensorensystem - einem Biosensor, der vom
Anwender selbst getragen wird, sowie Wandsensoren in den Wohnräumen -
und ist damit in etwa vergleichbar mit einer Alarmanlage. Im Falle
eines Sturzes sendet der Biosensor am Körper ein Signal aus; darüber
hinaus registrieren die Wandsensoren, dass keine Bewegungen mehr
stattfinden, und melden dies ebenfalls an das Steuergerät im
Wohnbereich. Dieses benachrichtigt per Telefon das Pflegepersonal
oder - falls sich der Sturz in einer Privatwohnung ereignet - ein
Callcenter. Um zwischen tatsächlichen Stürzen und einem Fehlalarm
unterscheiden zu können, verfügt Vigi'Fall über eine spezielle
Software, die den Sturz (mit oder ohne Aufprall) und die
anschließende Lage des Patienten analysiert. In einer
Pflegeeinrichtung kann das Personal im Ernstfall sofort reagieren.
Allein lebende Menschen werden sicherheitshalber von einem
Callcenter-Mitarbeiter angerufen. Bleibt der Anruf unbeantwortet,
wird umgehend die Familie oder ein Notdienst benachrichtigt.
Das Vigi'Fall-Konsortium
Die größte Herausforderung bei der Entwicklung von Vigi'Fall bestand
darin, das Patch möglichst klein zu halten, damit es problemlos und
bequem getragen werden kann. Dazu holte das FallWatch-Konsortium
europäische Partner mit unterschiedlichen Spezialisierungen ins Boot.
Diese reichen von Personal Security und Mikroelektronik über
Biowerkstoffe und Nanotechnologie bis hin zu medizinischen
Klebstoffen und Hochleistungsbatterien, die beim Militär und in der
Luftfahrt Verwendung finden. Das Resultat der Zusammenarbeit des
Konsortiums: Der Sensor funktioniert selbst unter der Dusche - und
braucht dank der langlebigen Stromversorgung nicht weiter beachtet zu
werden, sobald er einmal auf der Haut klebt. Was bleibt, ist die
Gewissheit, dass bei einem Sturz sofort Hilfe naht.
Erfolgreiche klinische Tests und Vermarktung
Das Vigi'Fall-Patch wurde unter Laborbedingungen und in den Bereichen
Krankenhaus, Pflegeeinrichtung und Privathaushalt erfolgreich
geprüft. Seit November 2012 ist Vigi'Fall am Markt erhältlich. Die
Home-Version von Vigi'Fall wird ab dem dritten Quartal 2013
erhältlich sein. Ab September 2013 beginnen in den USA und Europa
zudem die klinischen Tests der zweiten Systemgeneration, die auch dem
amerikanischen RFID-Standard entsprechen wird. Diese marktreife
Version, die für Ende 2014 erwartet wird, eröffnet gewaltige
Geschäftsmöglichkeiten: Neben Europa und den USA haben mehrere
asiatische Länder Interesse an der einzigartigen Technologie
bekundet. In den EU-Ländern, die an den FallWatch-Projekten beteiligt
sind, werden dadurch in den kommenden drei Jahren schätzungsweise 100
qualifizierte Arbeitsplätze entstehen. "Das FallWatch-Projekt zeigt,
welche Fortschritte in der medizinischen Versorgung möglich sind,
wenn die Besten der europäischen Wirtschaft zusammenarbeiten",
erklärt Michael Jennings, Sprecher der Europäischen Kommission für
die Bereiche Forschung, Wissenschaft und Innovation. "Diese
Innovation bringt den Menschen einen spürbaren Nutzen und ist
gleichzeitig gut für die europäische Wettbewerbsfähigkeit, die von
der Kommission im Rahmen des EU-Forschungs- und Innovationsprogramms
'Horizon 2020' kontinuierlich gefördert wird."
Vigi'Fall im Einsatz: http://www.youtube.com/watch?v=6sFhILZ1jmA
Folgen Sie dem Projekt auf Twitter: #Fallwatch
FallWatch ist nur eines von vielen Projekten im Gesundheitswesen,
die durch Forschungs- und Innovations-Programme der Europäischen
Union gefördert werden.
Aktuelle Informationen zu Forschung und Innovation in Europa: http://www.facebook.com/innovation.union http://twitter.com/innovationunion
Das FallWatch/FallWatch Demo-Konsortium
Dem FallWatch-Konsortium unter der Leitung von Vigilio S.A. gehören
führende Unternehmen und Forschungsinstitute an: Plastod (IT),
Hersteller von Wundpflastern und Verbandmaterial, BSE (FR),
Spezialist für elektronische Bauteile, Statice (FR), Entwickler und
Hersteller medizinischer Geräte, PMBL (UK), Hersteller von Akkus,
Inspiralia (ES), Spezialist für RFID-Kommunikation, die Université
Joseph Fourier (FR) mit anerkannter Kompetenz im Bereich
Gesundheitsparameter, QinetiQ (UK), ein international führendes
Unternehmen für Verteidigungs- und Sicherheitstechnik, NanoCAT (IT),
Hersteller von Nanowerkstoffen, das LCPO (FR), ein
Spitzenforschungslabor im Bereich Klebstoffe und Polymere, Europ
Assistance (FR), der führende europäische Anbieter von
Hilfsleistungen, und AEMtec (DE), Spezialist für komplexe
elektronische Mikrosysteme.
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