Neues Volksblatt: "Gerechtigkeit" von Herbert SCHICHO

Ausgabe vom 17. Juni 2013

Linz (OTS) - Eigentlich braucht man eh nicht mehr zur Wahl gehen, denn eines ist klar: Egal wer bei der Wahl gewinnt, alle Parteien versprechen, mit ihr in der nächsten Regierung wird es gerecht und fair. Der Hund liegt allerdings wie immer im Kleingedruckten. Denn unter "fair und gerecht" meinen sie leider völlig verschiedene Sachen. Bei der SPÖ scheint der deutsche Liberale Walther Rathenau (1867-1922) posthum Recht zu bekommen: "Gerechtigkeit entspringt dem Neide, denn ihr oberster Satz ist: Allen das Gleiche." Für die ÖVP geht es um die Chancengerechtigkeit, denn - so drückte es der britische Politiker Sir Herbert Samuel (1870-1963) aus -"Chancengleichheit bedeutet Gelegenheit zum Nachweis ungleicher Talente". Wer hingegen Heinz-Christian Straches 90-minütige Wahlkampf-Eröffnungsrede mitverfolgte, wird an Schiller erinnert:
"Der Schein regiert die Welt, und die Gerechtigkeit ist nur auf der Bühne." Und bei Stronachs Fairness-Attitüden fällt mir nur der Ausspruch des deutschen Kabarettisten Dieter Hildebrandt ein: "Fair Play bedeutet, das Foul so versteckt zu machen, dass der Schiedsrichter es nicht sieht."
Ja, es ist Wahlkampf und damit auch die Zeit der großen Worte, gerade zu Gerechtigkeit und Fairness gibt es viele solcher. Aber: Nun kommt auch der Sommer und es ist zu hoffen, dass trotz Wahlkampf mehr Mähdrescher als Phrasendrescher durchs Land ziehen.

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