Erste Hochwasserbilanz: Mehr als 20.000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche überflutet

Wlodkowski: Vorrang für ökologischen Hochwasserschutz mit Produktion

Wien (OTS) - "Ersten Schätzungen zufolge wurde durch das jüngste Hochwasser in Österreich eine landwirtschaftliche Nutzfläche von mehr als 20.000 ha überflutet, darüber hinaus haben unzählige Höfe eine unzureichende oder qualitativ sehr schlechte Grünfutterernte zu erwarten", teilte Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, heute mit.

"Um die Bevölkerung auch in Zukunft wirksam vor verheerenden Folgen von Überschwemmungen zu schützen, ist nicht nur der technische Ausbau von Schutzanlagen notwendig, wie dies der Landwirtschaftsminister bereits angekündigt hat, auch die Umsetzung des ökologischen Hochwasserschutzes mit Produktionsflächen erfüllt diesen Zweck. Dabei müssten nicht, wie in anderen Ländern diskutiert, Bauern enteignet werden, sondern diese stellen ihre Äcker in den Dienst des ökologischen Hochwasserschutzes. Sollte es dann tatsächlich zu Überschwemmungen kommen, so werden die Landwirte entschädigt. Auf diese Weise kann man den Anforderungen des Hochwasserschutzes und den Notwendigkeiten der Landwirte, auf guten Ackerböden Lebensmittel zu produzieren, gleichermaßen gerecht werden", erklärte Wlodkowski. Er appellierte an die verantwortlichen Stellen, im Sinne der vom Hochwasser geschädigten Landwirte die Entschädigungen rasch und unbürokratisch abzuwickeln.

Fünf Bundesländer besonders betroffen

Starke Regenfälle in ganz Österreich führten Anfang Juni zu Überflutungen, Vermurungen und Hangrutschungen. Die Bundesländer Tirol, Salzburg, Steiermark sowie Ober- und Niederösterreich sind zum Teil massiv betroffen, während die anderen vier Länder nur geringe Schäden aufweisen. Der Schaden für die Landwirtschaft ist im Vergleich zum Hochwasser des Jahres 2002 deutlich größer, da heuer noch kaum Flächen abgeerntet beziehungsweise gemäht waren.

Ackerland: 14.000 ha betroffen

Vom Ackerland sind in den Ländern Oberösterreich und Niederösterreich rund 14.000 ha betroffen. Ebenfalls in diesen beiden Ländern wurden Gemüse, Erdbeeren, Kartoffeln, Obst und Wein auf einer Fläche von rund 1.000 Hektar überschwemmt, davon mehr als zwei Drittel in Oberösterreich und hier vor allem im Eferdinger Becken.

Grünland: 7.000 ha betroffen

Grünland wurde von Tirol bis Niederösterreich geschädigt. Von den insgesamt circa 7.000 ha an überfluteten Flächen liegen 2.400 ha in Oberösterreich, 2. 000 ha in der Steiermark und jeweils mehr als 1.000 ha in Niederösterreich und in Salzburg. Neben diesen überschwemmten Wiesen gibt es in allen betroffenen Bundesländern darüber hinaus weitreichende Schäden, weil viele Wiesen staunass und nach wie vor nicht befahrbar sind. Hier können die notwendigen Arbeiten nicht oder nicht rechtzeitig erledigt werden. Es wird daher bei unzähligen Betrieben zu wenig Grundfutter beziehungsweise Futter mit ungenügender Qualität eingebracht. Üblicherweise auf eigener Futterbasis wirtschaftende Höfe werden für den heurigen Winter Futter zukaufen müssen.

Wurde der erste Aufwuchs überschwemmt, ist er für die Silierung, Heugewinnung und Verfütterung praktisch nicht mehr geeignet. Durch die hohe Belastung an Keimen und Pilzsporen, Verschmutzungen durch Müll, angeschwemmtes Material oder verendete Lebewesen ist dieses Grünland auch aus hygienischer Sicht problematisch. Eine Entsorgung ist hier erforderlich. Wurde der erste Aufwuchs hingegen abgeerntet, sind Schäden und Mindererträge der Folgeaufwüchse durch Schlamm- und Sandablagerungen und einer eingeschränkten Bodendurchlüftung zu erwarten. Auch hier müssen die Auflandungen beseitigt werden.

Hunderte Höfe überschwemmt

Dramatische Folgen hatten auch die Überschwemmungen von Hofstellen. Ersten Erhebungen zufolge sind in Oberösterreich 274, in Niederösterreich etwa 10 bis 20, in Salzburg schätzungsweise 15 bis 20 und in Tirol fünf Gehöfte in erheblichem Ausmaß betroffen. Einen Totalausfall gab es bei der Sennerei Kössen (Bezirk Kitzbühel) zu beklagen. Hier geht der Schaden in Millionenhöhe und ist existenzbedrohend.
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