- 11.06.2013, 11:37:36
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Überzogene Biomasse-Förderpolitik gefährdet Investitionen, Arbeitsplätze und Standorte
Appell, geplantes Biomasse-Kraftwerk Klagenfurt nicht zu bauen - Warnung vor Holz-Versorgungsengpass und Kostenexplosion - Offener Brief an die Bundesregierung
Utl.: Appell, geplantes Biomasse-Kraftwerk Klagenfurt nicht zu bauen
- Warnung vor Holz-Versorgungsengpass und Kostenexplosion -
Offener Brief an die Bundesregierung =
Wien (OTS/PWK400) - Führende Unternehmer der Zellstoff- und
Papierindustrie appellieren an die österreichische Politik, der
überzogenen Förderung der Holzverbrennung ein Ende zu setzen. Anlass
der Initiative ist der geplante Bau eines großen Biomassekraftwerkes
in Klagenfurt, dessen Genehmigungsantrag Ende letzter Woche zur
öffentlichen Stellungnahme aufgelegt wurde. Heimisches Holz ist zu
wertvoll, um vom Wald direkt in ein solches Kraftwerk gefahren zu
werden. Das geplante Projekt bedroht die Holzversorgung der
heimischen Zellstoff- und Papierhersteller, sowie auch weiterer
Partner in der Wertschöpfungskette Holz, wie der Säge- und der
Plattenindustrie. Es zeigt plakativ den dringenden Reformbedarf des
Ökostromgesetzes auf. Gefordert werden ökologisch und ökonomisch
sinnvolle Alternativen, etwa die Fernwärmeauskoppelung aus Betrieben
der Holzindustrie, die bereits in nachhaltige Holznutzungskonzepte
eingebettet sind.
Heinzel: "Holzbedarf kann nicht ausreichend gedeckt werden!"
Seit 2005 mussten die Holzimporte der heimischen Zellstoff- und
Papierindustrie verdoppelt werden und machen bereits rund 37% des
jährlichen Bedarfs aus. "Die steirische Zellstoff Pöls AG, in der
unsere Gruppe derzeit 125 Millionen Euro investiert, baut auf eine
gesicherte Holzversorgung, naturgemäß überwiegend aus dem Inland. In
Kärnten müssen aber bereits heute rund 2,5 Millionen Festmeter Holz
importiert werden, und die Differenz zwischen Aufkommen und Bedarf
wächst kontinuierlich. Wenn jetzt ein neuer großer Verbraucher dazu
kommt, gerät der Holzmarkt völlig aus den Fugen. Die Folgen sind
weiter steigende Importe, ein fortgesetzter Preisauftrieb, ökologisch
unsinnige LKW-Transporte über weite Distanzen und vermehrte
Schadstoffemissionen", warnt Alfred Heinzel, CEO Heinzel Holding.
Oswald: "Überzogene Biomasseförderung vernichtet Kapital und
verhindert Innovationssprünge!"
Die überzogene und aus dem Gleichgewicht geratene
Biomasse-Förderpolitik führt zu ökologischen und ökonomischen
Fehlentwicklungen. Deshalb stellt Peter J. Oswald, CEO Mondi Europe &
International, die politischen Entscheidungen und die damit
verbundene aktuelle Entwicklung in Frage: "Was ist passiert, wenn man
178 Mio. Euro Biomassesubventionen ausgibt, um damit nur 0,7% des
österreichischen Energiebedarfs auf CO2-freie Energie umzustellen?
Was ist passiert, wenn damit einer grünen, nachhaltigen und
profitablen Industrie, der Papierindustrie, die Existenzgrundlage
entzogen wird und stattdessen eine neue Industrie entsteht, die trotz
Riesensubventionen unrentabel ist, siehe das Millionengrab in
Simmering, Europas größte Biomasseanlage?
Was ist passiert, wenn die neue Industrie nur ein Fünftel der
Wertschöpfung hat und sechs von sieben Mitarbeitern zu Arbeitslosen
macht? Dann sind wir auf dem Holzweg. Die Biomasseförderung in
Österreich muss grundsätzlich neu geregelt werden, um ökonomisch und
ökologisch sinnvoll zu sein", erklärt Peter J. Oswald.
Wiersum: "Der Standort Sappi Gratkorn steht auf dem Spiel!"
In dieselbe Kerbe schlägt Berry Wiersum, CEO von Sappi Fine Paper
Europe, wenn er die dramatischen Auswirkungen einer möglichen
weiteren Verknappung der inländischen Holzversorgung am Beispiel der
Zellstoff- und Papierfabrik Gratkorn von Sappi aufzeigt. Eine dort
anstehende Erneuerungsinvestition im Zellstoffwerk in der
Größenordnung von rund Euro 100 Millionen wird sich nicht
rechtfertigen lassen, wenn langfristig inländische Holzmengen noch
weniger verfügbar und damit die Holzkosten noch höher werden. "Ich
muss davor warnen: Das wäre das Ende der Zellstofferzeugung in
Gratkorn und würde in der Folge für die Papierfabrik den Verlust
ihrer heutigen Weltgeltung in Produktivität und Wettbewerbskraft
bedeuten." Auch das in Planung befindliche Projekt einer Versorgung
von bis zu 20.000 Grazer Haushalten in den nächsten Jahren aus
klimafreundlich bereitgestellter Abwärme aus der Zellstofffabrik wäre
damit hinfällig.
Untersperger: "Stoffliche Nutzung von Holz sichert höhere
Wertschöpfung und mehr Arbeitsplätze"
Vor dem Hintergrund der neuen EU-Initiative, die
Re-Industrialisierung Europas voranzutreiben, weist Lenzing-CEO Peter
Untersperger auf einen weiteren wichtigen Aspekt hin: "Auch ich habe
den Offenen Brief unterzeichnet. Die innovative Verarbeitung von Holz
und seinen wertvollen Inhaltsstoffen zu hochwertigen Produkten, wie
Zellstoff, Papier und Zellulosefasern für vielfältige Anwendungen,
schafft ein Vielfaches an Wertschöpfung und Green Jobs. Holz soll
daher stets kaskadisch genutzt werden, also zuerst stofflich und erst
am Ende seines Lebenszyklus zur Energiegewinnung. Aber während
Biomasse mit dem Ökostromgesetz massiv gefördert wird, kämpfen wir
und andere Nutzer der Ressource Holz mit steigenden Preisen: die
Kosten für unseren Holzbezug sind seit 2005 um rund 60% gestiegen.
Dadurch verliert Österreich im Vergleich zu anderen möglichen
Produktionsstandorten deutlich an Wettbewerbsfähigkeit". (us)
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