• 11.06.2013, 11:17:13
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WKÖ-Fürntrath-Moretti: Kinderbetreuung für unter 3-Jährige muss rasch ausgebaut werden

Aktuelle ÖIF-Studie belegt klaren Handlungsbedarf - Mazal: "Immer noch teils große Versorgungslücken" - Forderungsprogramm der Unternehmerinnenvertretung FiW

Utl.: Aktuelle ÖIF-Studie belegt klaren Handlungsbedarf - Mazal:
"Immer noch teils große Versorgungslücken" -
Forderungsprogramm der Unternehmerinnenvertretung FiW =

Wien (OTS/PWK399) - Die Kinderbetreuungsquote für unter 3-jährige
in Österreich liegt aktuell bei 19,7 Prozent. Die Vorgaben der EU für
diesen Bereich betragen 33 Prozent, gemäß Barcelona-Zielen, denen
sich Österreich zwar verpflichtet hat, ihnen aber immer noch
hinterherhinkt. Auch im Ländervergleich liegt Österreich weit unter
dem EU-Schnitt. Aufgrund der mangelhaften Situation des
Betreuungsangebotes für diese Altersklasse, hat sich Frau in der
Wirtschaft (FiW), die Unternehmerinnenvertretung in der
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), für 2013 die Forderung nach einem
raschen und flächendeckenden Ausbau von qualitätsvollen und
leistbaren Kinderbetreuungsplätzen ganz oben auf die Agenda gesetzt.
"Wir fordern, dass in der kommenden Legislaturperiode die Vorgaben
der EU, für mindestens 33 Prozent der unter 3-Jährigen
Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen, österreichweit übernommen
und endlich umgesetzt werden. Denn nur ein Mehr an Betreuungsplätzen
für die Kleinsten ermöglicht es Müttern, rasch wieder in den Job
einzusteigen", appellierte Adelheid Fürntrath-Moretti,
Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft, am Dienstag, anlässlich
des großen FiW-Symposiums "Kinderbetreuung für unter 3-Jährige" in
der WKÖ.

ÖIF-Mazal: Große Versorgungslücken vor allem bei unter
1,5-Jährigen
Eine von FiW in Auftrag gegebene Studie des Österreichischen
Instituts für Familienforschung (ÖIF) belegt eindrucksvoll den
Handlungsbedarf bei der Betreuung von Kleinkindern - nicht nur bei
der Betreuungsquote sondern auch bei den täglichen Öffnungs- und
Ferienzeiten, der Transparenz beim Aufnahmeverfahren oder bei
länderübergreifenden Qualitätsstandards. Universitäts-Professor
Wolfgang Mazal, ÖIF-Institutsleiter: "Die Anzahl der Betreuungsplätze
für unter 3-Jährige wurde in den vergangenen Jahren zwar ausgebaut.
Allerdings fehlt speziell für unter 2,5-Jährige in manchen Bezirken
Österreichs immer noch ein ausreichendes Angebot. Besonders
auffallend ist, dass bei den unter 1,5-Jährigen große
Versorgungslücken bestehen."

Fürntrath-Moretti: Betreuungszeiten an moderne Arbeitswelt
anpassen
Zudem seien quer durch alle Altersgruppen und Betreuungsformen die
institutionellen Betreuungsarrangements oft unzureichend auf die
Bedürfnisse der Eltern abgestimmt, berichtet Mazal. So haben nur zwei
Drittel (64,2 Prozent) der institutionellen Einrichtungen für unter
3-Jährige bis mindestens 16 Uhr geöffnet und 80 Prozent der
Einrichtungen sind um 18 Uhr bereits geschlossen. Ein untragbarer
Zustand für Fürntrath-Moretti: "Wir hören immer von der
'Teilzeit-Falle', aber sogar, wenn ein Elternteil einer
qualifizierten Teilzeitbeschäftigung mit mehr als 20 Stunden
nachgehen will, ist das -inklusive Fahrtzeit - unmöglich, wenn die
Betreuungseinrichtung um 13 oder 14 Uhr schließt." Ähnliche Probleme
ergeben sich für berufstätige Elternteile in den Ferien. "Regional
überschreiten die Ferienzeiten der ganzjährigen geführten Krippen
teils die Urlaubsansprüche eines oder sogar beider Elternteile",
fasst Mazal die Studienergebnisse zusammen. Demnach hat
österreichweit jede10. Krippe zumindest 10 Wochen Ferien pro Jahr,
ein Viertel der Krippen zumindest 5 Wochen und ein Drittel der
Krippen zumindest 4 Wochen. Das gehe eindeutig an der
Alltags-Realität der österreichischen Familien - mit durchschnittlich
fünf Wochen Jahresurlaubs-Anspruch pro Elternteil - vorbei und führe
zu einem Betreuungsengpass in Ferienzeiten, unterstreicht Mazal.
Fürntrath-Moretti: "Wir fordern daher, die Schließzeiten von
Kinderbetreuungseinrichtungen auf maximal drei Wochen pro Jahr zu
reduzieren und die Öffnungszeiten auf mindestens 50 Stunden pro Woche
ausweiten."

Steuerliche Absetzbarkeit ausweiten, transparenteres
Aufnahmeverfahren mit Datenbank
Das von FiW präsentierte "8-Punkte-Forderungsprogramm" umfasst
zudem die Ausweitung der Altersgrenze bei der Absetzbarkeit für
Kinderbetreuungskosten von 10 auf 14 Jahre und der Höhe des
Absetzbetrages auf 2.300 Euro pro Kind (zurzeit 2.300 Euro für alle
Kinder einer Familie) "Mehr als ein Drittel der Unternehmerinnen muss
auch an den Wochenenden arbeiten. Daher braucht es zusätzlich zu
erweiterten Öffnungszeiten auch die Unterstützung von individuellen
und flexiblen Lösungen", begründet Fürntrath-Moretti. Ebenso wie ein
transparentes System, über das Eltern einerseits unbürokratisch einen
Überblick über freie Betreuungsplätze in ihrer Umgebung bekommen und
über das andererseits auch rasch Zu- bzw. Absagen online abgewickelt
werden können. "Aus den Studienergebnissen wissen wir, dass es in
erster Linie Kritikpunkte bei den Wartezeiten auf einen
Betreuungsplatz, beim zu langen Zeitraum bis zur endgültigen Zu- bzw.
Absage und bei den Auswahlkriterien der Kinder gibt", erklärt die
Vertreterin der rund 130.000 Unternehmerinnen in Österreich.

Fokus auf Qualität und frühkindliche Bildung bringt auch
volkswirtschaftlichen Nutzen
"Das Problem der Kinderbetreuung der Kleinsten ist aber aus
unserer Sicht nicht nur über notwendige organisatorische
Verbesserungen zu lösen, sondern es muss auch bei der Qualität
angesetzt werden", weist Fürntrath-Moretti auf den zweiten wesentlich
Aspekt der frühkindlichen Betreuung neben der Vereinbarkeit - die
frühkindliche Bildung und Förderung - hin: "Es ist unverständlich,
warum diese Diskussion in Österreich noch nicht wirklich angekommen
ist. Immerhin wissen wir aus einer Studie, dass jeder in die
frühkindliche Bildung investierte Euro den achtfachen Nutzen bringt."
FiW fordert daher die nächste Regierung auf, eine Expertengruppe zur
Erarbeitung von länderübergreifenden Qualitätsstandards in der
frühkindlichen Entwicklung zu errichten.

Verbesserung durch Einigung der Länder auf österreichweite
Mindeststandards
Da Kinderbetreuung in Österreich 'Ländersache' ist, also nach dem
österreichischen Verfassungsrecht die Regelung des Kindergarten- und
Hortwesens in die ausschließliche Gesetzgebungs- und
Vollziehungszuständigkeit der Bundesländer fällt, gibt es - wie auch
die Studienergebnisse belegen - ein eklatantes Betreuungsgefälle
innerhalb des Landes. Sowohl was Qualitätsstandards betrifft, als
auch in der Organisation bestehen maßgebliche Unterschiede zwischen
den einzelnen Ländern. Das Tagesmutterwesen sowie die Betreuung von
Kleinkindern werden überdies teilweise im Jugendwohlfahrtsrecht und
teilweise in speziellen Kinderbetreuungs- bzw.
Tagesbetreuungsgesetzen geregelt "Mein Schluss-Apell betrifft die die
Vereinheitlichung der Kinderbetreuungsgesetze in den wesentlichsten
Punkten- kurz gesagt, wir fordern die Einigung der Länder auf
Mindeststandards", so Fürntrath-Moretti, die abschließend das
Engagement von Familienminister Reinhold Mitterlehner, der erst
vergangene Woche den beschleunigten Ausbau der Betreuungsangebote vor
allem in den Kinderkrippen mit zusätzlichen Finanzmitteln seitens des
Bundes angekündigt hat, hervorhebt.

Das 8-Punkte-Forderungsprogramm zu "Kinderbetreuung für unter
3-Jährige" ist unter www.unternehmerin.at/8Punkte abrufbar. (ES)

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