WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Börse Wien: Das Gute liegt so nah - von Hans-Jörg Bruckberger

Tolle Firmen, aber kein Shareholder Value - hier muss Lobbying ansetzen

Wien (OTS) - Als börseaffiner Mensch kann man sie schon nicht mehr hören, die ewige Raunzerei darüber, wie schlecht sich der heimische Kapitalmarkt entwickelt, über Steuerkeulen und den Mitgliederschwund am Kurszettel. Diese Kritikpunkte sind natürlich richtig; allein es nützt nichts, immer wieder darüber zu jammern. Politiker werden nicht so schnell von ihrem populistischen Kapitalmarkt-Bashing abrücken -zu leicht lässt sich mit Worten und Taten gegen die ach so "bösen Spekulanten" politisches Kleingeld verdienen. Die Börse Wien wiederum kann die Werbetrommel rühren (was sie auch tut), aber keine Börsegänge erzwingen.

Sehr wohl aber kann sie versuchen, in eine andere Richtung aktiv zu werden. Denn was leicht übersehen wird, ist die Tatsache, dass es am bestehenden Kurszettel jede Menge Optimierungsbedarf gibt. Da gibt es eine Reihe hervorragender Unternehmen, die allerdings aus Anlegersicht ein einziges Trauerspiel sind. Oft sind sie intransparent, die Aktien jedenfalls illiquide. Da können die Firmen noch so gut unterwegs und die Aktien noch so günstig sein: Wenn man kaum Stücke bekommt, diese gegebenenfalls auch kaum mehr loswird und wenn ein paar gehandelte Stück schon massive Kursbewegungen auslösen, so kann man von solchen Aktien nur abraten.

Und das ist schade. Denn eine Manner, eine Porr, eine KTM - und wie sie alle heißen - sind wunderbare Unternehmen mitit tollen Markennamen, oft auch spannenden Storys in attraktiven Nischen. Aus solchen Unternehmen könnte man börsetechnisch einiges rausholen. Doch es fehlt der Wille der alles beherrschenden Eigentümer. Manchmal werden die ohnehin schon schwachen Umsätze auch noch auf zwei Aktiengattungen aufgeteilt. Bei Porr besteht dank Kapitalerhöhung Hoffnung auf Besserung.

Auch ein Stefan Pierer wäre in die Pflicht zu nehmen, kapitalmarktfreundlicher zu agieren. Starke österreichische Großaktionäre mit längerfristigen Interessen wie es eine B&C Holding (siehe Seite 16) ist, sind schon wichtig. Dass man aber auch mit solchen am Kapitalmarkt ernsthaft reüssieren kann, beweisen Konzerne wie Andritz oder Voestalpine - oder der Familienbetrieb Palfinger. Der Wiener Markt ist zu klein, um allzu viele Rohrkrepierer zu beherbergen. Echter Shareholder Value bringt letztendlich allen etwas.

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