Kulturministerin Schmied und Franz Vranitzky stellten die politischen Erinnerungen des Altbundeskanzlers vor

Vranitzky: Ich wollte als Regierungschef der Republik nicht die Lebenslüge von Österreich als erstem Opfer des Nationalsozialismus am Leben erhalten

Wien (OTS/SK) - Kulturministerin Claudia Schmied lud heute, Montag, Altbundeskanzler Franz Vranitzky zum Gespräch über seine politische Biographie. Geladen waren auch Schülerinnen und Schüler, denen so ein Stück Zeitgeschichte näher gebracht werden sollte, wie die Ministerin betonte. Alle Schülerinnen und Schüler durften zudem ein Exemplar samt Widmung mit nach Hause nehmen. Burgschauspieler Peter Matic las Passagen aus den Erinnerungen. ****

Die Ministerin spannte den Bogen von der Kindheit bis zur Kanzlerschaft Vranitzkys. Schon in frühester Kindheit bekam er eine klare Haltung aus seinem Elternhaus mit. Eine der frühesten Erinnerungen an diese Zeit sei, dass seine Mutter immer sagte: "Die Nazis sind ein Gesindel". Auch an den Mangel an allem, allen voran Lebensmittel, erinnerte sich der ehemalige Kanzler. Nach dem zweiten Weltkrieg war es, wie die Bildungsministerin feststellte, ein beschwerlicher Weg zu höherer Bildung, vor allem für Kinder aus nicht vermögenden Haushalten, wie jenem der Familie Vranitzky. Dennoch schaffte der ehemalige Bundeskanzler das Doktoratsstudium an der Universität für Welthandel. Nach führenden Posten bei Siemens und der Österreichischen Nationalbank wurde Vranitzky ins Kabinett von Finanzminister Hannes Androsch berufen. Danach folgten weitere Stationen bei der Creditanstalt und der Länderbank, schließlich wurde er Finanzminister. Vranitzky erinnert sich: "Sinowatz hat mich am Vormittag angerufen. Ich bat um einen Tag Bedenkzeit. Meine Frau und ich haben über nichts anderes geredet. Als wir am Abend in Mondsee Essen gingen kam ein Zeitungsverkäufer herein und die Schlagzeile lautete: neuer Finanzminister: Franz Vranitzky. Dann habe ich mich schon in die Arbeit gestürzt, ein neues Budget musste erstellt werden."

Schmied würdigte vor allem seine Haltung als Bundeskanzler gegenüber dem Nationalsozialismus und dessen Opfern. Vranitzky machte klar, dass es für ihn keine "Opfertheorie" gab: "Ich konnte als Regierungschef der Republik Österreich nicht untätig sein und die Lebenslüge vom ersten Opfer am Leben erhalten." Die Ministerin verwies in diesem Zusammenhang besonders auf die Rede in Jerusalem und die Erklärung im Parlament. "Diese Rede war ein Wendepunkt im österreichischen Verständnis des Nationalsozialismus", wie Schmied betonte. Aber auch andere Ereignisse und vor allem die Modernisierung der Wirtschaft und der damit einhergehende Strukturwandel begleiteten den Altbundeskanzler sein ganzes politisches Leben. Am wichtigsten seien ihm aber Frieden und Verständigung, wie Vranitzky auch in seiner politischen Biographie prominent betont. (Schluss) sn/mis

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