Mehrweg - der Schlüssel zu einem nachhaltigen Gesundheitssystem

Österreich ist Musterland und weltweit Spitzenreiter bei Mehrwegtextilien im OP - Mehrweg sorgt für Klimaschutz und Müllvermeidung

Wien (OTS/PWK367) - "Ein ökologisch verantwortungsvoll und nachhaltig betriebenes Gesundheitswesen ohne konsequente Forcierung von Mehrwegsystemen ist schlicht undenkbar", bringt Andreas Philipp, Vorsitzender der industriellen Wäschereien, die aktuelle Ökobilanz-Studie "Ökologische Bewertung von OP-Textilien" auf den Punkt. "Dass Mehrwegsysteme nachhaltiger und umweltschonender sind als Wegwerfprodukte, sagt einem ohnehin schon der gesunde Hausverstand, doch nun sind die ökologischen Vorteile auch wissenschaftlich bestens untermauert."

Philipp erwartet, dass die Studie, die die dramatischen ökologischen Unterschiede zwischen Einweg- und Mehrwegprodukten am Beispiel von OP-Textilien beleuchtet, das Thema Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen künftig stärker in den Blickpunkt der Verantwortlichen im Gesundheitsbereich sowie der Öffentlichkeit rücken wird. "Österreich steht im Hinblick auf die Nutzung von Mehrweg OP-Mänteln und -Abdeckungen mit einem Anteil von 80 Prozent weltweit an der Spitze. Das ist eine große Chance und wir sollten sie nutzen, um Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen generell als Qualitätsziel zu verankern, und unsere positiven Erfahrungen auch international weiterzugeben."

Dass die Mehrwegthematik die Speerspitze der Bemühungen um ein nachhaltiges Gesundheitswesen sein muss, steht für Philipp außer Zweifel: "Man muss hier zwar an sehr vielen Schrauben drehen, aber nirgendwo sonst können so einfach so große ökologische Vorteile generiert werden, wie durch den konsequenten Einsatz von Mehrwegprodukten. In Österreich finden jährlich 1,2 Mio. Operationen statt. Wenn alle Operationen mit Mehrweg-OP-Textilien durchgeführt werden, fallen 2.100 Tonnen weniger Abfall an, als wenn ausschließlich Einweg-OP-Artikel verwendet werden. Der "Carbon Footprint" von Mehrweg-OP-Textilien ist um mehr als 50 Prozent kleiner als bei Einwegprodukten.

Nachhaltigkeit ist dabei im Gesundheitswesen keineswegs "Luxus", sondern auf Dauer auch wirtschaftlich vorteilhaft. So schneiden Mehrwegtextilien in einer Gesamtkostenrechnung (Kauf- bzw. Mietkosten, Arbeitsanfall im Krankenhaus, Logistik, Entsorgung) günstiger ab als Einwegprodukte, zudem fällt die Wertschöpfung großteils im Inland an. "Bei Mehrwegsystemen findet die Wertschöpfung fast ausschließlich in Österreich statt und das sichert direkt rund 420, indirekt über Multiplikatoreffekte sogar 620 Arbeitsplätze", so Philipp. Dies belegt eine aktuelle Studie des industriewissenschaftlichen Institutes, die die volkswirtschaftlichen Effekte österreichischer Wäschereien im Bereich Mehrwegtextilien für den OP errechnet hat. Diese Wäschereien erzielen durch die Aufbereitung von OP-Textilien einen mittel- wie unmittelbaren Umsatz von bis zu 66 Mio. EUR.

Zusätzlich sprechen auch Qualitätsaspekte wie Tragekomfort für die Operateure, Reißfestigkeit oder Flüssigkeitsdurchlässigkeit für den Einsatz von Mehrwegtextilien.

Ökologische Vorteile, gesamthaft betrachtet geringere Kosten und hohe Wertschöpfung am Standort Österreich sollten Grund genug sein, dass Österreich "Mehrweg-Musterland" bleibe, mahnt Philipp ein: "Die Österreicher sind umweltbewusst und sie erwarten in der Gesundheitsversorgung höchste Qualität. Zumindest für das öffentliche Gesundheitswesen, das aus Sozialversicherungsbeiträgen und teilweise auch Steuern finanziert wird, sollte es eigentlich nicht einmal eine Diskussion darüber geben, dass, wo immer es möglich ist, Mehrwegsysteme eingesetzt werden. Der Abschied von der Wegwerfgesellschaft sollte für das Gesundheitswesen eine Selbstverständlichkeit sein."

"Abfallvermeidung und Ressourcenschonung im Gesundheitswesen" "Nachhaltige Entwicklung bedeutet, die Bedürfnisse der heute lebenden Generation zu erfüllen, ohne die nachfolgenden Generationen in ihrer Bedürfnisbefriedigung einzuschränken. Dies setzt jedoch den sparsamen Umgang mit Ressourcen voraus", betont Christian Holzer, Leiter der Sektion Stoffstromwirtschaft, Abfallmanagement und stoffbezogener Umweltschutz des Lebensministeriums.
Ein zentraler Grundsatz der österreichischen Abfallwirtschaft ist es, im Sinne des Vorsorgeprinzips und der Nachhaltigkeit Ressourcen, wie Rohmaterialien, Wasser und Energie zu schonen. In der Hierarchie zur Erreichung dieses Ziels steht die Abfallvermeidung an erster Stelle.

Das Abfallvermeidungsprogramm 2011 ist als Programm der gesamten österreichischen Wirtschaft und Abfallwirtschaft konzipiert und lädt alle Stakeholder dazu ein, an der Umsetzung der österreichischen Abfallvermeidungspotenziale mitzuwirken. Aus Umweltsicht ist es daher sehr erfreulich, dass Medizin Medien Austria in seiner Zeitschrift Clinicum die "Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen" zu einem zentralen Thema macht und mit dem ersten Beitrag über "Mehrweg-Textilien im Operationsbereich" den Einsatz von Produkt-Dienstleistungen unterstützt und damit - als Teil des Maßnahmenbündels "Re-Use" - zur Umsetzung des Abfallvermeidungsprogramms 2011 beiträgt.

"Startschuss für nachhaltige Projekte im Gesundheitswesen"

Die Zeitschrift CliniCum - das Fachmagazin für alle Führungskräfte im Krankenhaus - und der Verlag Medizin Medien Austria setzen künftig einen Schwerpunkt auf das Thema Nachhaltigkeit - nicht nur in der Berichterstattung, sondern auch intern in den Redaktionen.

CliniCum hat mit Kooperationspartnern (Lebensministerium, Fachverband TBSL und Bundesinnung Mode & Bekleidungstechnik) eine gemeinsame Initiative zur "Förderung nachhaltiger Projekte im Gesundheitswesen" gestartet. "Nachhaltigkeit hat sowohl ökonomische, ökologische und soziale Komponenten und die Schwierigkeit besteht darin, diese zum Teil oft widersprüchlichen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen", sagt Trude Just, Chefredakteurin des CliniCum. Um nachhaltige Projekte im Bereich Gesundheitswesen auch in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, startet CliniCum nun ein besonderes Projekt: "Es gibt viel, das in dieser Richtung schon da ist, aber nicht bekannt ist. Wir wollen das ändern und bereits realisierte, innovative Projekte österreichweit - in Spitälern und sämtlichen anderen Einrichtungen des Gesundheitswesen - vor den Vorhang holen; nicht zuletzt als Motivationsschub und Ideengeber für andere." Ziel ist die Förderung nachhaltiger Projekte im Gesundheitswesen. Die drei Kooperationspartner rufen auf, nachhaltige Projekte aus allen Bereichen des Gesundheitswesens zur Publikation im CliniCum einzureichen. Alle eingereichten Projekte werden von einer Jury (Lebensministerium, Fachverband TBSL und Bundesinnung Mode & Bekleidungstechnik, CliniCum) bewertet. Die besten Projekte werden gekürt und in Form einer Serie im CliniCum publiziert. Optional können die Projekte auch per Video dokumentiert und über die Homepage der Partner zum Download zur Verfügung gestellt werden.

Einreichungen per Einreichformular an: just@medizin-medien.at:
Einreichfrist: 23. August 2013

Nachhaltigkeit als Vorgabe für Ausschreibungen von Krankenhaustextilien

In dieselbe Kerbe schlägt auch Manfred Anderle, Bundessekretär der PROGE (Gewerkschaft der ArbeitnehmerInnen aus den Bereichen Produktion, Technik und Dienstleistung,) und 2. Stellvertreter der Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK): "Als Gewerkschafter ist für mich der hohe österreichische Wertschöpfungsanteil, den Mehrweg-OP-Textilien aufweisen und durch den in Österreich zahlreiche Arbeitsplätze gesichert werden, natürlich sehr wichtig. Für die Wiener Gebietskrankenkasse wiederum ist Nachhaltigkeit ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl unserer Lieferanten und daher freut es mich besonders, wenn es gelingt, gleichzeitig Kosten zu senken, Arbeitsplätze in Österreich zu sichern und die Umwelt zu entlasten."

Alle drei Ziele werden mit der Entscheidung für das Mehrwegsystem erreicht, so Anderle. "In den Ausschreibungen, die wir im Bereich OP-Textilien vornehmen, ist Nachhaltigkeit daher ein Kriterium mit sehr hoher Bedeutung und mit der Entscheidung für Mehrweg tragen wir dem voll Rechnung."

In der WGKK kommen daher im Bereich der OP-Abdeckungen und -Mäntel fast ausschließlich Mehrweg OP-Textilien zum Einsatz. "Unsere Geschäftspartner müssen die Anwendung umweltoptimierter Verfahren nachweisen und das wird von uns auch regelmäßig geprüft. Unter anderem werden dabei die Umweltauswirkungen der Textilproduktion und -reinigung laufend überwacht und dokumentiert. Trotz dieser strengen ökologischen Anforderungen ist es aber auch gelungen, durch die Auslagerung der kompletten Wäscheversorgung in unseren Krankenhäusern, Gesundheitszentren und der Verwaltung gleichzeitig Kosten einzusparen." (us)

Rückfragen & Kontakt:

Eva Maria Strasser
Fachverband Textil-Bekleidung-Schuh-Leder
Berufsgruppe Bekleidungsindustrie
Tel.: 05 90 900/4906
Fax: 05 90 900/4908
E-Mail: strasser@fashion-industry.at
Internet: www.fashion-industry.at

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