"Wiener Lesetest 2013": Leseförderung wirkt - Herausforderung bleibt

Wien (OTS) - Die Ergebnisse des "Wiener Lesetests 2013" liegen vor und werden ab kommendem Montag allen SchülerInnen (und LehrerInnen) übermittelt. Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz wurden heute alle Details zum Lesetest von Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl sowie BIFIE-Direktor Christian Wiesner präsentiert.

Der "Wiener Lesetest" wird vom Stadtschulrat gemeinsam mit dem BIFIE heuer bereits zum dritten Mal durchgeführt. Ziel des Wiener Lesetests ist es, den SchülerInnen und LehrerInnen genauere Orientierungshilfe zu geben, als es andere internationale oder nationale Schulleistungstests wie etwa die PISA-Studie oder die Bildungsstandards können. Im Gegensatz zu diesen nämlich werden beim "Wiener Lesetest" nicht nur ausgewählte Gruppen, sondern alle SchülerInnen der entsprechenden Schulstufen getestet. Somit erhalten auch alle SchülerInnen (sowie ihre LehrerInnen) ihr individuelles Testergebnis und wissen, "wo sie stehen".

Der "Wiener Lesetest 2013" zeigt dabei sehr deutlich, dass sich Leseförderung bezahlt macht und die vor zwei Jahren begonnene Wiener Leseoffensive wirkt. Besonders ist dies bei der getesteten Gruppe der SchülerInnen der 4. Schulstufe sichtbar: Hier drückt sich der Erfolg der intensiven Leseförderung dadurch aus, dass die Gruppe der schwachen LeserInnen (=Lesestufe 1) gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozentpunkte gesunken ist. Und auch bei den Kindern, die nach einem schlechten Lesetest 2012 in der 5. Schulstufe in diesem Schuljahr besondere Förderung erfahren haben, sind 60,40 % in eine höhere Lesestufe (ein Teil von ihnen sogar in die Gruppe der sehr guten LeserInnen) gewechselt.

Diese Ergebnisse machen Mut und zeigen, dass Wien auf dem richtigen Weg ist. Dennoch: Die nahezu unveränderten Ergebnisse bei den Kindern der 8. Schulstufe bedeuten, dass die Leseförderung weiterhin vor großen Herausforderungen steht. Zudem machen die Lesetest-Resultate deutlich, dass Lesen (wie generell die Vermittlung der Grundkompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen) das wichtigste Thema der Volksschule ist und sein muss: Spätere 'Reparaturarbeiten' gelingen -wenn überhaupt - deutlich mühsamer. Überdies beeinträchtigt schwache Lesekompetenz den weiteren Schullaufbahnerfolg massiv. Denn Lesen ist die zentrale Schlüsselkompetenz, ohne die jedes andere Lernen deutlich erschwert wird.

Als Conclusio der Ergebnisse des dritten "Wiener Lesetests" bezeichnete Brandsteidl, "dass wir weiter intensiv unseren Fokus auf Tests, Diagnose und gezielte Förderung richten müssen. Das heißt, wir müssen 1. die Leseoffensive fortsetzen, 2. die Lesepädagogik noch stärker in der LehrerInnenausbildung verankern und 3. uns engagiert für die Schaffung einer Ganztagsschule für alle Kinder einsetzen. Denn: Um unsere Kinder 'besser zu machen', brauchen unsere LehrerInnen mehr Zeit, die sie mit ihnen in der Schule verbringen können."

Details und Ergebnisse zum Wiener Lesetest 2013

Zielgruppe:

Alle SchülerInnen der 4. und 8. Schulstufe an öffentlichen und privaten Volks- und Hauptschulen sowie an AHS mit Öffentlichkeitsrecht. In Zahlen heißt das:

o 15.009 VolksschülerInnen der 4. Schulstufe aus 265 Schulen und 775 Klassen o 16.090 SchülerInnen der 8. Schulstufe aus 210 Schulen und 728 Klassen

Ergebnisrelevant sind die Lesetests aller ordentlichen SchülerInnen ohne sonderpädagogischen Förderbedarf.

Zeitpunkt:

o Die 4. Schulstufe wurde am 27.2.2013 flächendeckend getestet. o Die 8. Schulstufe wurde am 28.2.2013 flächendeckend getestet. o Weiters wurden zur Überprüfung der Fördermaßnahmen 2.787 SchülerInnen der 5. Schulstufe nachgetestet.

Testergebnisse:

Alle SchülerInnen erhalten ein individuelles Ergebnisblatt, auf dem das Leseverständnis in Punkten und die Einteilung in eine von drei Kompetenzstufen angegeben ist. Die Ergebnisse ergehen selbstverständlich ebenfalls an die LehrerInnen.

Ergebnis 4. Schulstufe (Volksschule)

Verteilung aller SchülerInnen auf dem 3-stufigen Kompetenzstufenmodell im Jahr 2013.

o 18, 6 % (2.640 Personen) befinden sich auf Stufe 1 (schwächste Stufe). o 42,7 % (6.049 Personen) befinden sich auf Stufe 2. o 38,7 % (5.493 Personen) befinden sich auf Stufe 3.

Gegenüber dem Vorjahr 2012 bedeutet dieses Ergebnis, dass sich die Prozentzahl der leseschwachen SchülerInnen von 20,6 % (2012) auf 18,6 % (2013) und somit um 2 Prozent reduziert hat. Umgekehrt konnte auch die Zahl der besonders lesestarken SchülerInnen (Kompetenzstufe 3) von 36,5 % (2012) auf 38,7 % (2013) und somit um 2,2 Prozent gesteigert werden.

Ergebnis 8. Schulstufe (AHS / HS)

Verteilung aller SchülerInnen auf dem 3-stufigen Kompetenzstufenmodell im Jahr 2013.

o 22,4 % (3.220 Personen) befinden sich auf Stufe 1 (schwächste Stufe). o 39,5 % (5.684 Personen) befinden sich auf Stufe 2. o 38,2 % (5.501 Personen) befinden sich auf Stufe 3.

Der Vergleich der Ergebnisse 2013 mit jenen des letztjährigen Lesetests ist schwierig, da in den letztjährigen Ergebnissen (im Unterschied zu heuer) außerordentliche SchülerInnen sowie Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf enthalten waren. Die vermeintliche Reduktion der SchülerInnen der Kompetenzstufe 1 von 25,2 % (2012) auf 22,4 % (2013) ist somit wenig aussagekräftig, vielmehr ist von einer konstanten Zahl an leseschwachen SchülerInnen 2013 wie 2012 auszugehen.

Intensiv-Lesekurse führen zu Erfolg bei Nachtestungen

2.787 SchülerInnen (inkl. Kontrollgruppe) wurden in der 5. Schulstufe nachgetestet, weil bei ihnen im Vorjahr beim Lesetest festgestellt wurde, dass sie noch nicht ausreichende Lesefertigkeiten hatten. Diese Gruppe umfasste jene SchülerInnen, die am Ende der Volksschulzeit als "Risikoschüler" bezeichnet wurden, weil sie nur die Kompetenzstufe 1 im Lesen erreicht hatten.

Diese Gruppe erhielt im Herbst eine von der "Soko Lesen Wien" entwickelte Spezialförderung. Diese umfasste eine "Startwoche Lesen" und "Intensiv-Lesekurse" zu je 4 Stunden pro Woche über mehrere Monate hinweg mit eigens dafür entwickelten Fördermaterialien. 60,40 Prozent dieser SchülerInnen erzielten daraufhin messbar bessere Ergebnisse im Wiener Lesetest 2013 und befinden sich ab jetzt in einer höheren Kompetenzstufe (56,50 % in der Kompetenzstufe 2, 3,90 % in der Kompetenzstufe 3). Bei diesen Kindern hat die Förderung somit gegriffen und sie sind in weiterer Folge nicht mehr als Risikoschüler zu bezeichnen.

Leseförderung bleibt Schwerpukt des Wiener Schulwesens

Abschließend betonte Brandsteidl, "dass wir - solange es schlechte Leser unter Wiens SchülerInnen gibt - auch nicht zufrieden sein dürfen. Positiv ist sicherlich, dass beim Lesetest 2013 sichtbar wird, dass sich unsere Maßnahmen bezahlt machen. Gleichzeitig gibt es noch immer zu viele schlechte LeserInnen. Dementsprechend werden wir alle Leseförderinitiativen (Leseintensivkurse für alle RisikoschülerInnen in der 5. Schulstufe, Crashkurse, flächendeckende Tests - Salzburger Lesescreening und Stolperwörtertest - bereits in der 3. Schulstufe, Hernalser Lesetest flächendeckend für die 7. Schulstufe, Neu-in-Wien-Kurse) in den kommenden Schuljahren intensiviert fortsetzen." (schluss) ssr

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