Wirtschaft wartet ab

Konjunkturumfrage der WK Kärnten zeigt gedämpfte Stimmung: Auftragslage leicht positiv, Export stagniert, Investitionen brechen ein. Politik soll gegensteuern.

Klagenfurt (OTS) - Mit 1.131 Teilnehmern ist der Konjunkturtest der Wirtschaftskammer Kärnten nicht nur höchst repräsentativ, sondern auch die größte regionale Konjunkturfeststellung Österreichs. Die aktuellen Ergebnisse sind - wie im internationalen Umfeld nicht anders zu erwarten - durchwachsen. Wirtschaftskammerpräsident Franz Pacher: "2012 waren die Exportumsätze das Sorgenkind der Kärntner Unternehmer, die Investitionen sind sehr gedämpft ausgefallen. Für die nächsten 12 Monate erwarten die Kärntner Unternehmer leicht steigende Nachfrage nach eigenen Produkten, der Export dürfte weiterhin schwach bleiben, die Inlandsnachfrage zieht jedoch an."

Der Konjunkturtest wird seit 2008 von der WK Kärnten gemeinsam mit dem Wirtschaftsexperten Professor Gottfried Haber jährlich durchgeführt. In den vergangenen zwölf Monaten waren die Nachfrage nach den eigenen Produkten sowie die Umsätze im Inland moderat positiv, während die Exportumsätze das Sorgenkind der Unternehmen waren. Die Auftragslage war leicht positiv. Allgemeines Wirtschaftsklima und Situation in der Branche waren eher schwach, sodass die Investitionen deutlich gedämpft ausgefallen sind. Die Kapazitätsauslastung war hingegen im durchschnittlichen Bereich.

Für die kommenden zwölf Monate gehen die Unternehmen von leicht steigender Nachfrage nach den eigenen Produkten aus, wobei die Marktsituation für die Exporte sich nach wie vor eher ungünstig entwickeln wird. Die Erwartung einer leicht steigenden Inlandsnachfrage wird diesen Faktor jedoch überkompensieren. Haber:
"Die Auftragslage bleibt neutral bis marginal positiv, was auch auf die immer noch negativen Erwartungen in Bezug auf die Entwicklung der Geschäftslage in der eigenen Branche, aber auch in der Gesamtwirtschaft zurückzuführen ist."

Fast konstante Kapazitätsauslastungen bei pessimistischen Erwartungen in die gesamte Wirtschaftsentwicklung führen auch zu einer deutlichen Reduktion der geplanten Investitionen in den nächsten zwölf Monaten. Es sind bei rund der Hälfte der Unternehmen überhaupt keine Investitionen geplant, nur etwa ein Viertel der Unternehmen will Investitionen im nächsten Jahr realisieren oder gar vorziehen (das betrifft überhaupt nur 2% der Unternehmen). Die bedeutendsten limitierenden Faktoren für Investitionen sind: die allgemeine Auftragslage, die Kreditvergabe der Banken, die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum, die Gewinnsituation, die Arbeitslosigkeit, hohe Personalkosten, geringe Kaufkraft, das Kundenverhalten, die Lohnnebenkosten, die Politik generell oder drohende Steuererhöhungen. "Die Unsicherheit wird immer mehr zum Hemmschuh der wirtschaftlichen Entwicklung", erklärte Haber.

Auch auf dem Arbeitsmarkt ist nach wie vor keine Entspannung in Sicht, der sich abzeichnende Mangel an Facharbeitskräften kann die insgesamt negative Entwicklungsdynamik auf dem Arbeitsmarkt in Bezug auf die Gesamtarbeitslosigkeit zahlenmäßig nicht kompensieren. Dadurch geraten vor allem weniger qualifizierte Segmente auf dem Arbeitsmarkt zunehmend in Bedrängnis.

Bei nur moderaten Erwartungen in Bezug auf einen Anstieg der Produktpreise werden als bestimmende Faktoren für die Preisentwicklung insbesondere Energiekosten, Personalkosten sowie Steuern und Abgaben gesehen. Die Kapitalkosten (Zinssituation) spielen nur eine untergeordnete Rolle - hier geht es vor allem um die Verfügbarkeit von Kapital überhaupt. Steigende Steuern befürchten mehr als 62% der Unternehmen, steigende Rohstoffpreise knapp 52%. Zuviel Bürokratie, eine generelle Unsicherheit bzw. Wachstumsschwäche auf internationaler Ebene sowie mangelnde Reformanstrengungen der öffentlichen Verwaltungen sind nach Einschätzung der Unternehmen ebenfalls maßgebliche Bremsen der Wirtschaftsentwicklung.

Laut dem Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung der WK, Gerhard Genser, gibt es durchaus Maßnahmen, mit denen auch ein kleines Land wie Kärnten internationalen Trends gegensteuern könne. Die WK schlägt daher eine Wachstumsoffensive für die Bauwirtschaft durch Dämmung und Sanierung, mehr Anreize in Form von Investitionsförderungen mit einer Umstellung von verlorenen Zuschüssen zu Haftungsinstrumenten sowie eine ganzes Paket an Maßnahmen zur Belebung des Arbeitsmarktes vor, das die Sozialpartner Mitte Juni der Landesregierung präsentieren werden.

Dabei legt Pacher Wert darauf, dass nicht alle Rezepte gegen die Krise viel Geld kosten: "Oft haben auch kleine Veränderungen spürbare Auswirkungen in der Stimmung." So plädiert er für eine Verschiebung des Bauverbots in Tourismusgemeinden von Juni auf Juli, weil aufgrund des langen Winters viele Bauvorhaben erst mit Verspätung begonnen worden seien und nun die Zeit knapp werde - "das könnte zur Stabilisierung der Baubranche beitragen." Auch regionale Fahrverbote wie in Lavamünd oder Frantschach seien zu überdenken. Der Politik schlägt Pacher vor, in Kärnten einen "Modellfall der Entbürokratisierung" umzusetzen: "Das spart Kosten in der Verwaltung und setzt die Kräfte der Wirtschaft frei. Generell brauchen wir mehr Verständnis füreinander und ein Aufeinander zugehen - das wird auch in den kommenden Wochen und Monaten notwendig sein."

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