WKÖ-Hochhauser: Gesetze wirken lassen statt vorschnell zu revidieren

OECD-Zahlen belegen: Österreich bei Einkommensunterschieden gut aufgestellt

Wien (OTS/PWK357) - Eine klare Absage zu Strafen und einer ausufernden Meldungsbürokratie in Bezug auf Einkommensberichte für alle Betriebe kommt aus der Wirtschaft: "Die Wirtschaft hat in den letzten Jahren eine Reihe von Belastungen wie Einkommensberichte, Lohnangaben in Stelleninseraten und höhere Strafen mit getragen. Daraus ergibt sich schon jetzt ein erheblicher Mehraufwand für unsere Betriebe. Hier ist ein Höchstmaß erreicht. Statt das bestehende Gesetz jetzt vorschnell zu revidieren, muss man die Umsetzung erst einmal abwarten. Für Betriebe mit mehr als 150 Mitarbeitern tritt die Verpflichtung zu Einkommensberichten erst nächstes Jahr in Kraft", sagt die Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Anna Maria Hochhauser.

Zum Status quo bei den Einkommensberichten stellt Hochhauser klar:
Kommt ein Betrieb seiner Verpflichtung nicht nach, so kann der Betriebsrat bzw. Arbeitnehmer die Erstellung des Einkommensberichts gerichtlich einklagen. Bisher habe es offensichtlich noch keine Beanstandungen gegeben.

Einkommensberichte belegen: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist Realität

Für Frauen und Männer gelten in Österreich einheitliche kollektivvertragliche Gehaltstabellen mit gleich hohen Mindestgrundgehältern. "Gerade die Analysen der Einkommensberichte belegen, dass kaum mehr Unterschiede in der Entlohnung zwischen Männern und Frauen bestehen, die nicht objektiv erklärbar wären", unterstreicht Hochhauser.

Auch ein näherer Blick auf internationale Vergleiche zeigt, dass ein und dieselbe Tätigkeit prinzipiell gleich entlohnt wird - egal, ob sie von einer Frau oder einem Mann erbracht wird. Laut der OECD-Studie "Closing the Gender Pay Gap 2012" betrug der Einkommensunterschied hierzulande 2010 rund 19,4%, im Jahr 2000 waren es noch 23,1%. "Diese Kluft mag zwar auf den ersten Blick relativ hoch erscheinen, doch wenn man objektive Faktoren wie Arbeitszeit, Alter, Berufserfahrung, Ausbildung und Tätigkeit berücksichtigt, zeigt sich, dass der verbleibende Einkommensunterschied auf 5,6% schrumpft. Mit dieser Differenz schneidet Österreich im OECD-Vergleich sehr gut ab: In 16 OECD-Ländern ist der Unterschied größer als in Österreich, nur in 8 Ländern niedriger", so die WKÖ-Generalsekretärin.

Selbst die bestehende Differenz von 5,6% lässt sich nachvollziehen. Sie ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Frauen sich seltener als Männer für Jobs mit leistungsorientierten Entlohnungsformen entscheiden, es Beschäftigungsunterbrechungen und Karenzzeiten gibt oder Frauen bei Gehaltsverhandlungen den Faktoren Betriebsklima oder Lebensqualität eher mehr Bedeutung zumessen als dem Gehalt.

"Jetzt wahlkampfmotiviert immer weitere Hürden für die heimische Wirtschaft aus dem Hut zu zaubern, führt zu Unsicherheit und schadet den Betrieben. Statt über weitere Sanktionen für die heimische Wirtschaft nachzudenken, sollte die Frauenministerin in jenen Bereichen aktiv werden, wo wirklich der Schuh drückt, etwa bei der Angleichung des Pensionsalters, beim Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen und der Bewusstseinsbildung zur Berufswahl", so Hochhauser. (PM/SR)

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