Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 25. Mai 2013. Von MARIO ZENHÄUSERN. "Platters volles Aufgabenheft".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Regierungsarbeit, Imagepolitur für den Landtag und die Befriedung der eigenen Partei, die tief zerrüttet ist: Tirols alter und neuer Landeshauptmann kann sich nicht über zu wenig Arbeit beklagen.

Mit der Angelobung von Landtag und Landesregierung ist die Gründungsphase von Schwarz-Grün in Tirol abgeschlossen. Auch wenn die Opposition kein gutes Haar am Regierungsprogramm lässt: Was sich Günther Platter und Ingrid Felipe vorgenommen haben, ist ein ambitioniertes Projekt.
In den nächsten Wochen wird die breite Öffentlichkeit interessiert verfolgen, wie die neue Regierung mit Skigebietserweiterungen oder Kraftwerksbauten umgeht und ob sie tatsächlich, wie Platter im Wahlkampf angekündigt hat, das Problem der Agrargemeinschaften innerhalb eines Jahres vom Tisch schafft. Der Erfolg wird davon abhängen, ob die neuen Partner jenen Elan, den sie bei den Koalitionsverhandlungen an den Tag gelegt haben, auch in die Regierungsarbeit mitnehmen.
Gemessen werden die neuen Mächtigen im Land auch daran, ob es ihnen gelingt, dem Landtag selbst wieder zu mehr Renommee zu verhelfen. Zuletzt ist das Landesparlament zur Bühne für Populisten verkommen, die hier ihre Show abzogen und mit gegenseitigen Untergriffen versuchten, Vorteile für sich bzw. für die jeweilige Gruppierung herauszuschinden. Davon, dass der Landtag eigentlich gewählt wird, um für das Wohl der Menschen in diesem Land zu arbeiten, davon war immer weniger zu spüren. Hier kann und muss die Politik neuen Stils, die Platter in seiner Regierungserklärung ankündigte, Akzente setzen. Landesregierung und Landtag sind die eine Seite, die Partei die andere - und hier wartet auf Günther Platter die ungleich schwierigere Aufgabe. Schon in der vergangenen Legislaturperiode ist es dem Parteichef nicht gelungen, die in den Jahren zuvor aufgerissenen Gräben zwischen Arbeitnehmer-, Wirtschafts- und Bauernbund zuzuschütten. Die gegenseitigen Angriffe sind zuletzt eher schärfer geworden. Und der Ausgang der Wahl trägt nicht dazu bei, Platters Aufgabe zu erleichtern: Immerhin sind die Bauern mit sechs Mandataren stärkste Einzelgruppierung im Landtag, gefolgt vom Wirtschaftsbund mit fünf Abgeordneten. Die Arbeitnehmerschaft hingegen ist, obwohl im wirklichen Leben die mit Abstand größte Bevölkerungsgruppe, nur mit drei Mandataren vertreten. Unzufrieden sind auch die Senioren, die bei der Besetzung der Bundesräte durch die Finger schauten. Platter wird also viel Geschick und noch mehr Durchsetzungskraft brauchen, um hier einen Ausgleich zu schaffen. Ein gelungener Start in die schwarz-grüne Regierung könnte da nicht schaden.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001