AK Angelo zu Crowd-Funding: KonsumentInnenschutz statt Finanzmarktliberalisierung

Informationspflicht ab 100.000 Euro wichtig für Stabilität

Wien (OTS) - "Müssten Unternehmen erst ab 500.000 Euro Finanzierungsvolumen ihre KonsumentInnen umfassend informieren, würde das den KonsumentInnenschutz massiv untergraben", kritisiert Silvia Angelo, AK Abteilungsleiterin für Wirtschaftspolitik die Forderung, die Prospektpflicht für Finanzierungen zu ändern. "Die derzeitige Grenze für die Informationspflicht von 100.000 Euro hingegen gewährleistet den gerade in Zeiten unsicherer Finanzmärkte so wichtigen Schutz von KleinanlegerInnen." Ebensowenig dürfe das Bankwesengesetz ausgehöhlt werden: "Auf der einen Seite werden als Lehre aus der Krise die Banken und deren Geschäfte strengeren Regeln unterworfen. Da ist es absurd auf der anderen Seite wieder eine Hintertür für ungeregelte Finanzierungen zu schaffen", so Angelo. "Das trägt nicht gerade zur Stabilität des Finanzwesens bei."

Das Bankwesen soll für eine Risikostreuung sorgen. Damit verbunden ist ein enger "Einlagen"-Begriff, hinter dem ein Einlagensicherungssystem steht. Das hilft nicht nur den KonsumentInnen, sondern verhindert auch, dass wenn ein Unternehmen in Bedrängnis gerät, es zu einem Ansturm auf die Einlagen kommt, was wiederum einen Domino-Effekt auslösen kann. "Die Einlagensicherung ist somit etwas, das Crowd-Funding nicht bieten kann", so Angelo. In der AK ist ein Fall eines Unternehmens anhängig, bei dem Einlagen von MitarbeiterInnen entgegengenommen wurden - es erfolgte Werbung für ein Sparprogramm mit exorbitant hohen Zinsversprechen ("9,5% bei 24 Monaten Laufzeit"). Nun ist die diese Firma insolvent und die MitarbeiterInnen fürchten um ihr Geld.

Die derzeitige Regelung zur Prospektpflicht sieht vor, dass der Emissionsprospekt von der FMA auf Vollständigkeit, Kohärenz und Verständlichkeit überprüft und erst danach gebilligt wird. Die kapitalaufbringende Gesellschaft darf erst danach den Prospekt veröffentlichen und sich mit dem Angebot an das Anlegerpublikum wenden. Es gibt mit diesem Vorgang Vorab-Prüfung des Finanzierungsvorhabens. Außerdem ist der Emissionsprospekt von Wertpapieren und Veranlagungen im Nachinein ein Dokument für die Haftungsansprüche von AnlegerInnen. Angelo: "Das alles würde mit der Staffelung wegfallen. Mini- oder Midi-Berichtspflichten können eine testierte Bilanz inklusive Gewinn- und Verlustrechnung nicht ersetzen."

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