Appell von Stummvoll/Roth an AK: "Crowdfunding jetzt noch zulassen!"

Ergänzende Finanzierungsform Crowdfunding schafft Wachstum und Arbeitsplätze

Wien (OTS/PWK346) - "Crowfunding ist eine Maßnahme, die Wachstum und Arbeitsplätze schafft und das mit einem überschaubaren Risiko", zeigte sich der Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft (JW) in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Markus Roth, am Freitag bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit Günter Stummvoll, Vorsitzender des Finanzausschusses im Parlament, überzeugt. Zuletzt wurde auf parlamentarischer Ebene intensiv über die Einführung ergänzender Finanzierungsformen für Klein- und Kleinst-Betriebe - allen voran das Crowdfunding - diskutiert. Dieser notwendige und positive Prozess scheint aktuell ins Stocken geraten, ein entsprechender Beschluss noch in dieser Legislaturperiode ist fraglich.

Für Stummvoll ist das "Nein" seitens der Arbeiterkammer und damit einiger SPÖ-Vertreter nicht nachvollziehbar: "Ganz Europa lechzt nach Wachstum. Wir dürfen die Wachstumschancen, die ergänzende Finanzierungsformen wie Crowdfunding bieten, nicht ungenutzt vorbeigehen lassen", appelliert er in Richtung der Verhandlungspartner, die letzte zeitliche Chance - noch vor dem Sommer - zu nutzen. Eine Einigung wäre noch vor dem letzten Finanzausschuss Ende Juni notwendig, um Crowdfunding noch in dieser Legislaturperiode auf rechtlich sichere Beine zu stellen. Stummvoll sieht noch eine kleine Chance, zumindest einen ersten Umsetzungsschritt zu setzen. Während die Opposition durchaus für eine größere Lösung - im Sinne der Jungen Wirtschaft - zu haben wäre, könnte der kleinste gemeinsame Nenner mit dem Koalitionspartner eine Anhebung der Prospektpflichtgrenze, analog zu den Genossenschaften auf 750.000 Euro bei einer Maimaleinzahlung von 1.000 Euro pro Privatinvestor sein. Stummvoll: "Ich würde mir gerne mehr wünschen, aber eine solche Lösung ist besser als nichts."

Finanzierung für Jungunternehmer klares Problem Nummer 1

"Die Verwirklichung innovativer und dynamischer Ideen ist maßgeblich von der Finanzierung abhängig. Der schwierige Zugang zu Fremdkapital stellt aber für kleine und mittlere Unternehmen - junge Unternehmen oder Gründer - schon seit geraumer Zeit eine große Hürde dar, da diese meist über kaum bis gar keine Sicherheiten verfügen", bringt Roth die schwierige Situation vieler Unternehmen auf den Punkt. Wirtschafts- und Schuldenkrise und schwache Konjunktur bewirken besondere Vorsicht und Zurückhaltung der Banken gegenüber Jungunternehmern. Durch Basel III sei diesbezüglich keine Verbesserung zu erwarten. Daher, so Roth, sei es unerlässlich, endlich Rahmenbedingungen für zusätzliche bzw. ergänzende Finanzierungsformen - wie Crowdfunding - zu schaffen.

Grenze bei Prospektpflicht anheben

Allen voran soll die aktuelle Höhe von 100.000 Euro bei der Prospektpflicht - ein großes Hindernis bei ergänzenden Finanzierungsformen - angehoben werden. Im Kapitalmarktgesetz soll es ein "Phasing in" geben, bei dem der von der EU vorgegebene Spielraum genützt wird: Demnach soll die aktuelle Untergrenze auf 500.000 Euro angehoben werden, eine Informationspflicht "Mini" für Projekte ab 500.000 Euro, eine erweiterte Informationspflicht "Midi" für Projekte ab 2,5 Mio. Euro und die Prospektpflicht "Maxi" erst ab der von der EU schon derzeit zugelassenen Untergrenze von 5 Mio. Euro geben. Eine Förderung der Prospekterstellung, wie sie seitens der AK vorgeschlagen wird, ist für Roth auch deshalb abzulehnen, da dies nicht der Realwirtschaft zu Gute käme sondern lediglich in den Verwaltungsaufwand fließen würde. Außerdem wird ebenfalls eine Änderung des Begriffs des "Einlagengeschäfts" im Bankwesengesetz vorgeschlagen, wonach die Finanzierung realwirtschaftlicher Projekte wie etwa der Kauf einer Maschine dem Unternehmen vorbehalten und nicht als Bankgeschäft angesehen wird.

Knapp 24 Prozent der Jungunternehmer planen, zukünftig "alternativ" zu finanzieren

Dass die Nutzung ergänzender Finanzierungsformen in Österreich im Vergleich zu den USA oder zum EU-Schnitt deutlich unterentwickelt ist, liegt - zeigen sich Stummvoll und Roth einig - ganz klar an den fehlenden Möglichkeiten und keinesfalls am Desinteresse der Unternehmer bzw. Investoren. 2012 nutzten zwar nur rund 8,7 Prozent der Unternehmen alternative bzw. zusätzliche Finanzierungsformen, wie Venture Capital, Mezzaninkapital, stille Beteiligung, Business Angel, und andere. Dass der Wunsch nach ergänzenden Finanzierungsformen aber groß ist, beweist, dass knapp 24 Prozent der Unternehmer planen, sich künftig über alternative Modelle zu finanzieren.

Es gibt in Österreich bereits 12 Crowdfunding-Plattformen, so der JW-Chef, die bereits in den Startlöchern stehen. Sie trauten sich aber aufgrund der Rechtsunsicherheit nicht loszulegen, kritisiert Roth: "Das schlechteste wäre, wenn österreichisches Privatkapital und heimische Betriebe zu Crowdfunding-Plattformen nach Tschechien oder Deutschland, abwandern würden. Dann verlieren wir Wachstum, Arbeitsplätze und Kapital." (ES)

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