Sozialpartner in Brüssel: Bildung ist der Schlüssel zu Beschäftigung und Wachstum

Sozialpartner im europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss

Wien (OTS/ÖGB) - Die österreichischen Sozialpartner berichteten am 23. Mai in der Plenarversammlung des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses über das heimische Modell der Berufsausbildung. Österreich hat eine der niedrigsten Arbeitslosenraten der EU, speziell die Jugendarbeitslosigkeit ist bei uns vergleichsweise niedrig. Die Sozialpartner führen das unter anderem auf das gut ausgebaute Berufsbildungssystem und die duale Lehrlingsausbildung zurück. Knapp 80 Prozent eines Altersjahrganges absolvieren zu in etwa gleichen Teilen eine Lehrlingsausbildung und vollzeitschulische Berufsbildungen. Mit einer derart hohen Berufsbildungsquote liegt Österreich an der EU-Spitze.

Foglar: Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Herausforderung für die EU

"Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und insbesondere der Jugendarbeitslosigkeit ist eine der größten Herausforderungen, vor denen die Europäische Union momentan steht", sagte ÖGB-Präsident Erich Foglar. "Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in einigen Staaten Europas nimmt nicht nur den jungen Menschen die Perspektiven, sondern ist auch bedrohlich für Europas Zukunft." Gute Bildung und Ausbildung seien enorm wichtige Kriterien zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit. Österreich stünde hier besser da als andere Länder, weil Sozialpartner und Regierung hier Hand in Hand arbeiten. "Die Bundesregierung hat die von den Sozialpartnern vorgeschlagene Ausbildungsgarantie umgesetzt, und hat vor allem trotz Krise weiter daran festgehalten. Das gute Ausbildungssystem in Österreich funktioniert aber nur, wenn auch die Betriebe weiterhin ihre Verantwortung wahrnehmen und auch selbst Lehrlinge ausbilden."

Foglar erläuterte vor dem EWSA, dass es in vielen Bereichen eine sozialpartnerschaftliche Kultur gebe, die Österreich voran bringe:
"Die Sozialpartner sind auch in die Arbeitsmarktpolitik eingebunden, sie gestalten gemeinsam die Lehrlingsausbildung, und sie verantworten die flächendeckende Kollektivvertragspolitik - an die 96 Prozent der Beschäftigten in Österreich sind durch Kollektivverträge erfasst." Als weiteres Beispiel nannte Foglar die Vereinbarung einer Kurzarbeitsregelung in den stärksten Krisenjahren. "Wachstum und Beschäftigung sind gemeinsame Anliegen der österreichischen Sozialpartner, wir ziehen hier an einem Strang."

Leitl: Duale Ausbildung ist Vorzeigebeispiel für mehr Jugendbeschäftigung

Die Jugendarbeitslosigkeit habe vor allem in einigen südlichen Ländern Europas, wo jeder zweite Jugendliche arbeitslos ist, ein skandalöses Ausmaß erreicht, das nicht hingenommen werden dürfe, betonte Leitl. "Wenn junge Menschen auf der Straße statt im Arbeitsleben stehen, bedeutet das den Verlust von Lebens- und Zukunftsperspektiven für eine ganze Generation und letztlich die Gefahr einer Destabilisierung des sozialen und politischen Systems. Der Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit geht uns alle an und jeder hat seinen Beitrag zu leisten." Als einen Hauptansatzpunkt ortet Leitl: "Bringt die arbeitslosen jungen Leute in die Betriebe! Dort sollen sie eine Ausbildung erhalten, die ihren Fähigkeiten angemessen ist. Und motivieren wir die Betriebe, diese jungen Menschen auch aufzunehmen. Wenn jedes dritte Unternehmen einen jungen Menschen aufnimmt, ist die Jugendarbeitslosigkeit in Europa beseitigt. Die Europäische Union möge dies konkret unterstützen. Mittel aus dem Sozialfonds oder dem Leonardo-da-Vinci-Programm bieten sich dazu an. Wenn Europa an 2020 denkt, sollte zumindest die Halbierung der Jugendarbeitslosigkeit eines der zentralen Ziele der Union sein. Damit könne sie die Menschen in Europa begeistern und vielen jungen Menschen wichtige Zukunftsperspektiven vermitteln."

Kaske: Bildung ist immer auch eine Verteilungsfrage

"Wichtige Gründe für die niedrige Jugendarbeitslosigkeit in Österreich sind vor allem die berufsbildenden Schulen, die Lehre und die überbetriebliche Ausbildung. Diese drei Standbeine sorgen dafür, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich relativ niedrig ist", so AK Präsident Rudi Kaske. Dennoch sieht der AK Präsident auch hier Handlungsbedarf. "Die Sozialpartner haben sich dazu bekannt, ein Qualitätssicherungssystem in der Lehrlingsausbildung einzuführen. So sollen alle Jugendlichen, die eine Lehre machen, die bestmögliche Ausbildung erhalten."

Die europäische Jugendgarantie nach österreichischem Vorbild ist für Kaske ein erster wichtiger Schritt im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit. "Wenn man den Jungen ernsthaft helfen will, sind die sechs Milliarden, die für den Zeitraum 2014 bis 2020 dafür vorgesehen sind, aber bei weitem nicht genug", so Kaske, und er fordert, dass auch die Schwelle von 25 Prozent Jugendarbeitslosigkeit, ab der mit finanzieller Unterstützung seitens der EU zu rechnen ist, gesenkt werden müsse. "Diese Maßnahmen kosten Geld. Nicht nur deshalb ist die Bildungsfrage immer auch untrennbar mit der Verteilungsfrage verbunden", so Kaske. Die Arbeiterkammer setzt sich vehement für die Einführung der Finanztransaktionssteuer, einen europaweiten Mindestsatz bei der Körperschaftssteuer und wirksame Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung ein. Mit diesen Steuereinnahmen können wichtige Zukunftsinvestitionen wie die Jugendausbildung finanziert werden.

Wlodkowski: Bildung ist Schlüssel für erfolgreiche Zukunft im ländlichen Raum

"Für die LK Österreich sind Aus- und Weiterbildung entscheidende Grundlagen bei der Bewältigung der Herausforderungen der Land- und Forstwirtschaft. Der bäuerliche Berufsstand sah sich in den letzten Jahrzehnten mit einem enormen Strukturwandel konfrontiert. Um diesen Wandel für die davon betroffenen Menschen im ländlichen Raum positiv gestalten zu können, ist es wichtig, dass das Bildungsangebot in den Regionen noch besser genutzt werden kann. Die Mehrzahl der bäuerlichen Betriebe Österreichs wird im Nebenerwerb geführt, daher sind Zusatzqualifikationen notwendig und müssen auch angeboten werden. Diese Nachfrage decken vornehmlich die Bildungseinrichtungen der Land- und Forstwirtschaft mit einem bundesweiten Angebot für junge Bäuerinnen und Bauern. Auch das Nachholen von Berufsbildungsabschlüssen im zweiten Bildungsweg ist für die Menschen in der Landwirtschaft eine wichtige Voraussetzung für deren Lebensqualität sowie für den wirtschaftlichen Erfolg eines bäuerlichen Familienbetriebes. Nicht zuletzt ist die Durchlässigkeit im Bildungssystem bis hin zu höheren Ausbildungen und damit auch für landwirtschaftliche Betriebsführerinnen und Unternehmer eine im europäischen Wettbewerb wichtige Aufgabe", erklärte Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich.

"Eine aktuelle EU-Studie zeigt, dass die Aufgabe der Landwirtschaft und die Abwanderung der Menschen aus den ländlichen Gebieten viele europäische Regionen in vielfältiger Weise gefährden. So wird dadurch nicht nur das soziale Gefüge in den Dörfern zerstört, sondern auch die Natur wird grundlegend verändert. Die Biodiversität sinkt, die Attraktivität für Wirtschaftszweige, wie den Tourismus, sinkt und Arbeitsplätze gehen verloren. Ein wirksames Mittel gegen diese negativen Entwicklungen sind neben einer aktiven Politik für den ländlichen Raum leicht erreichbare und in ausreichender Anzahl vorhandene Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für die Menschen am Land. Nur dadurch steigt die Attraktivität der Räume, wovon Wirtschaft und Arbeitsplätze profitieren", so Wlodkowski.

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