Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 22. Mai 2013. Von MICHAEL SPRENGER. "Die Gefahr durch Empörung".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Dass die FPÖ im Nationalratswahlkampf wieder verstärkt auf ihr Generalthema "Ausländer" setzen wird, kann niemanden überraschen. Nicht einmal jene, die sich jetzt so lautstark über ein Handbuch aus dem Jahre 2011 empören.

Das Jahr 2013 war bislang nicht das Jahr der FPÖ. Bei den Landtagswahlen in Kärnten wurden die dortigen Freiheitlichen nach zahlreichen Skandalen vom Wähler weggefegt. Auch bei den Urnengängen in Tirol und in Niederösterreich musste die sonst so erfolgsverwöhnte rechtspopulistische Partei Verluste einfahren. Lediglich in Salzburg konnten halbwegs die Erwartungen der FPÖ-Mannschaft erfüllt werden. Die Gründe für das Minus-Jahr der FPÖ liegen auf der Hand. In den gemeinsamen Regierungsjahren mit der ÖVP unter Wolfgang Schüssel und der eroberten Machtposition in Kärnten suhlte sich die selbstinszenierte Sauberkeitspartei im Dreck der Korruption. Deshalb musste die FPÖ zuletzt einen wahren Aderlass bei den Protestwählern hinnehmen. Zudem bekam die FPÖ mit dem Team Stronach Konkurrenz am rechten Parteienrand. Die Partei des Milliardärs bekämpfte wie bislang nur die FPÖ die Europäische Union und den Euro als Übel dieser Welt.
So bleibt Heinz-Christian Strache nur noch das Ausländerthema als so genanntes Alleinstellungsmerkmal der FPÖ. Und die Partei wird in den kommenden Wochen und Monaten verstärkt auf dieses Thema setzen und simpel gegen Zuwanderer und Asylwerber in ihrer gekonnt undifferenzierten Art und Weise zu Felde ziehen. Es werden die Ausländer sein, die für Kriminalität sorgen, den Sozialstaat ausnützen und als Ursache für die steigende Arbeitslosigkeit unter den Einheimischen gebrandmarkt werden. Aus der Logik der FPÖ heraus und als ihre Antwort auf die verlorenen Wahlen ist dies keine gewagte Behauptung.
Trotz alledem wirkt die aktuelle Empörung von Rot über Schwarz bis Grün über das FPÖ-Handbuch irritierend. Hier werden Aussagen des FPÖ-Handbuchs (der dritten Auflage aus dem Jahre 2011) herangezogen, um mit dem Finger auf die FPÖ zu zeigen. Es stimmt, die zitierten Aussagen stellen ein einziges Ärgernis dar. Aber ist es redlich, aus einem zwei Jahre alten Handbuch zu zitieren, um seine Betroffenheitssuada los zu werden?
Der Umgang mit der FPÖ ist seit jeher ein gefährlicher. Denn die Blauen arbeiten seit jeher mit den Mitteln des Rundumschlags und des pauschalen Angriffs, mit der Provokation. Und sie braucht den Aufschrei des Gegners, um dann die Rolle des armen Opfers einnehmen zu können. Gerade deshalb sollten sich die Gegner der FPÖ nicht die Fallen selbst aufstellen, um sich darin zu verletzen.

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