Österreichischer Gehörlosenbund ruft Presserat an

Wiederholt diskriminierende Berichterstattung in HEUTE -Jarmer: "Gehörlose Menschen sind nicht stumm"

Wien (OTS) - Der Österreichische Gehörlosenbund (ÖGLB) hat den Presserat angerufen, sich mit einem Bericht der Tageszeitung Heute auseinanderzusetzen. "Der Artikel ist ein Negativbeispiel für Berichterstattung über gehörlose Menschen und nicht der erste dieser Art", sagt ÖGLB-Präsidentin Mag.a Helene Jarmer.
Der Bericht in der Printausgabe des 14. Mai bezeichnet eine gehörlose Frau als "stumm". Auch in einem Bericht vom Vorjahr wurde die Frau als "taubstumm" bezeichnet.

Ihre Beschwerde an den Presserat begründet die Interessensvertretung von rund 10.000 gehörlosen Menschen in Österreich mit dem Hinweis auf die Anerkennung der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) 2005 und das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-CRPD). "Gehörlose Menschen sprechen eine vollwertige, visuell-gestische Sprache und sind nicht stumm", so Jarmer. Mit hörenden Personen, die nicht ÖGS sprechen, treten sie auch über ausgebildete GebärdensprachdolmetscherInnen in Kontakt.

Die Chefredaktion von Heute wurde in einem Brief aufgefordert, ihren RedakteurInnen die medienethischen Standards beim Berichten über Menschen mit Behinderungen in Erinnerung zu rufen. Der ÖGLB hat ein eigenes Handbuch für JournalistInnen herausgegeben, aber auch der Dachverband ÖAR oder www.leidmedien.de bieten wertvolle Tipps. "Diskriminierende Begriffe wie taubstumm sollte man 2013 nicht mehr in der Zeitung lesen müssen", sagt die ÖGLB-Präsidentin und Nationalratsabgeordnete der Grünen. "Schlimmer aber ist: Was diese Geschichte erst zu einer Nachricht macht, ist die unterstellte Kuriosität. Eine stumme (sic!) Frau wird wegen übler Nachrede verurteilt." In der Begründung an den Presserat heißt es, dies folge einer Tradition, Menschen mit Behinderung als Kuriositäten darzustellen und sei ein Musterbeispiel für die Diskriminierung einer Personengruppe. Auch der Unabhängige Monitoringausschuss zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen wurde mit dem Bericht befasst.

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Mag. Claudia Schönwetter-Vogt
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