• 14.05.2013, 11:30:42
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Aktuelle Studie belegt: Impfung im Kindesalter beugt Krebserkrankungen vor

Linz (OTS) - Chronische Vireninfektionen können im Laufe des Lebens
zur Entwicklung von bösartigen Erkrankungen wie z.B. Krebs führen.
Humane Papillomaviren (HPV) zählen zu derartigen Viren. Weltweit sind
mehr als 20 Millionen Menschen mit diesem Erreger infiziert - über
die Hälfte aller Menschen werden im Laufe ihres Lebens mit dem
HP-Virus angesteckt. Die Infektion erfolgt wie bei HIV (Aids) im Zuge
der Geburt bzw. durch Geschlechtsverkehr, wobei Männer als die
primären Überträger gelten. Da das Virus bei einem Teil der
Betroffenen - ähnlich wie bei einem Schnupfenvirus - oft unentdeckt
wieder ausheilt, lässt sich schwer sagen, wie viele Kinder diesen
Erreger bereits in sich tragen.

Es gibt etwa 120 verschiedene Subtypen der humanen Papillomaviren,
wobei die Typen 16 und 18 als hoch riskant eingestuft werden, da sie
für die Entstehung verschiedener Tumore verantwortlich sind. Die
Niedrigrisikotypen 6 und 11 lösen Genitalwarzen oder im Bereich der
oberen Atemwege die Kehlkopfpapillomatose (Feigwarzen im Kehlkopf)
aus, die für Betroffene aufgrund von kosmetischen Problemen,
Beschwerden und einer hohen Rückfallsquote äußerst unangenehm sind.

Der Leiter der kinderurologischen Abteilung des Krankenhauses der
Barmherzigen Schwestern Linz, Prim. Univ.-Doz. Dr. Josef Oswald, ging
in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck der Frage nach, wie
viele Knaben und Männer mit dem humanen Papillomavirus infiziert sind
und welche Typen sie in sich tragen. "Wir wissen, dass es sich bei
einer HPV-Infektion um eine Geschlechtserkrankung handelt, die primär
von Männern übertragen wird. Als Virusreservoir gelten Zellen, die im
inneren Vorhautblatt des Penis lokalisiert sind. Im Zuge der Studie
haben wir die Vorhäute von insgesamt 250 Knaben und Männern auf das
Vorkommen von humanen Papillomaviren untersucht", erklärt Dozent
Oswald. Die höchsten Infektionsraten wurden in der Gruppe der sexuell
aktiven, das heißt bei Jugendlichen und Erwachsenen, gefunden. 60 %
waren mit den Hochrisiko-Typen 16 und 18 infiziert, 50 % mit den
Stämmen 6 und 11.

Auch bei präpubertären Knaben (0-10 Jahre) war in bis zu 20 % der
Fälle das innere Vorhautblatt infiziert. Die Viren 16 und 18 wurden
bei 10 % der untersuchten Buben gefunden, die Niedrigrisiko-Stämme
bei 20 %. Eine ähnliche, kleinere Studie wurde vor vier Jahren an der
Universität Wien an Mädchen durchgeführt. Hier zeigte sich, dass
bereits 14 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 4 bis 15 Jahren
das Hochrisikovirus (16, 18) in sich trugen, knapp 4 % wiesen die
Stämme 6 und 11 auf.

Signifikanter Anstieg HPV-bedingter Tumorarten
Während HPV früher hauptsächlich mit der Entstehung von
Gebärmutterhalskrebs in Zusammenhang gebracht wurde, führen
veränderte Sexualpraktiken zu einem signifikanten Anstieg weiterer
Krebsarten. So haben Studien gezeigt, dass bis zu 93 % aller Tumore
im Analbereich mit einer HPV-Infektion in Verbindung stehen. Die
humanen Papillomaviren zeichnen auch für 20 bis 60 % aller Karzinome
im Kopf-Hals-Bereich verantwortlich. "Noch bis vor wenigen Jahren
galten Tabak und Alkohol als die größten Risikofaktoren für die
Entstehung dieser Tumorarten. Mittlerweile wissen wir jedoch, dass
eine HPV-Infektion, insbesondere mit den Stämmen 16 und 18, in einem
hohen Ausmaß die Krebsbildung im Mund- und Rachenraum fördert", sagt
Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Burian, Leiter der Abteilung für Hals-,
Nasen- und Ohrenkrankheiten am Krankenhaus der Barmherzigen
Schwestern Linz. Einige Studien deuten drauf hin, dass im Jahr 2020
bereits mehr Personen jährlich an HPV-assoziierten Tumoren im Mund-
und Rachenraum erkranken werden als Frauen an Gebärmutterhalskrebs.

Aktuell erkranken neunmal mehr Frauen als Männer an HPV-bedingten
Tumorarten. An erster Stelle steht der Gebärmutterhalskrebs mit 400
neuen Fällen pro Jahr in Österreich, gefolgt von Tumoren der
Schamlippen und der Vagina. "Dank der guten gynäkologischen
Vorsorgeuntersuchungen mittels PAP-Abstrich ist die Zahl der
Neuerkrankungen von Gebärmutterhalskrebs österreichweit im
internationalen Vergleich relativ niedrig, allerdings werden jährlich
zwischen 5.000 und 6.000 Operationen aufgrund hochgradiger
Zellveränderungen, so genannte Tumorvorstufen, an Gebärmutterhals und
Muttermund durchgeführt", skizziert Prim. Univ.-Doz. Dr. Lukas
Hefler, Leiter der gynäkologischen Abteilung am Krankenhaus der
Barmherzigen Schwestern Linz. Bei Männern führen humane
Papillomaviren auch zur Entstehung von Penistumoren und erhöhen zudem
das Risiko für Prostatakrebs.

Wie kann nun vorgebeugt werden? "Internationale Studien belegen, dass
die Beschneidung - ähnlich wie bei einer AIDS-Erkrankung - einen
signifikant protektiven Faktor darstellt, da das Virus vor allem im
inneren Vorhautblatt des Penis angesiedelt ist", sagt Dozent Oswald
und ergänzt: "Den größten Schutz bietet allerdings die HPV-Impfung -
sowohl von Knaben als auch von Mädchen, am besten noch vor dem
Eintritt in das geschlechtsreife Alter, um die Übertragungskette zu
unterbrechen."

Die Impfung bietet einen zuverlässigen Schutz gegen den Krebs des
Gebärmutterhalses, der Schamlippen und des Penis. Bei den Kopf-Hals-
und Analtumoren sowie bei höhergradigen Zellveränderungen im
Analbereich sind derzeit noch internationale Studien am Laufen, erste
Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass es durch die Impfung zu
ähnlich positiven Erfolgen wie beim Gebärmutterhalskrebs kommen wird.

Österreich EU-weit Schlusslicht bei HPV-Durchimpfung
"Die Durchimpfungsrate ist in Österreich nach wie vor sehr niedrig.
Nur etwa 5 % der Mädchen sind gegen HPV geimpft, geimpfte Knaben sind
überhaupt eine Rarität", zeigt Prim. Univ.-Doz. Dr. Lukas Hefler auf
und ergänzt: "In anderen Industriestaaten beträgt die
Durchimpfungsrate bei Mädchen bereits 90 %." Einer der Hauptgründe
für die niedrige Impfungsrate sind wohl die hohen Kosten. Österreich
ist eines der wenigen Länder, in denen die HPV-Impfung nicht bezahlt
wird. Eine Ausnahme stellt das Bundesland Vorarlberg dar, wo eine
Teilimpfung seit kurzem nur mehr Euro 54,00 anstatt Euro 190,65
kostet.

Trotz der hohen Kosten richten die Mediziner einen dringenden Appell
an alle Eltern, ihre Kinder zu impfen, um sie zuverlässig vor der
Entstehung verschiedener Krebserkrankungen zu schützen. Ergänzend zur
Impfung wird für Frauen die jährliche Kontrolle beim niedergelassenen
Gynäkologen als wichtige Präventivmaßnahme empfohlen.

Eckdaten zur HPV-Impfung von Kindern:
- Der Impfstoff Gardasil ist für Mädchen und Jungen ab 9 Jahren
zugelassen. Es handelt sich um einen quadrivalenten, also gegen vier
Virusstämme (6,11, 16, 18) gerichteten Impfstoff.
- Für junge Frauen ist noch ein weiterer Impfstoff, Cervarix, ab dem
9. Lebensjahr zugelassen. Bei Cervarix handelt es sich um einen
bivalenten Wirkstoff, der gegen die beiden Hochrisiko-HPV-Typen 16
und 18 wirksam ist.
- Die Impfung wird 3x intramuskulär (meist in den Oberarm)
verabreicht, ist generell gut verträglich und kann gleichzeitig oder
zeitnah mit anderen Impfungen (zB Zecken) verabreicht werden.
- Die Kosten pro Impfung liegen derzeit bei Euro 190,65.
- Die Impfung führen niedergelassene Kinder- und Hausärzte sowie
Gynäkologen durch.

Bildmaterial unter www.vinzenzgruppe.at/presse

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