Umweltdachverband & Biene Österreich präsentieren 10 Punkte-Programm zur Rettung der Biene

- Lebensraum sichern - Vielfalt erhöhen - Pflanzenschutz und Bienengifte: Einsatz von Pestiziden überdenken

Wien (OTS) - Wissenstransfer und Forschung stärken - Öffentlichkeit informieren

"Bienen gehören zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Nutztieren in Österreich. Sie leisten einen essenziellen Beitrag zur biologischen Vielfalt und zur Wertschöpfung in der landwirtschaftlichen Produktion. Rund 25.000 ImkerInnen sichern mit ca. 376.500 Bienenvölkern die Bestäubung der Wild- und landwirtschaftlichen Nutzpflanzen. Die geschätzte jährliche Honigproduktion liegt in Österreich zwischen 5000 und 7000 Tonnen, der volkswirtschaftliche Wert der Bestäubung kann mit jährlich 500 Mio. Euro beziffert werden. Um die Bienen erfolgreich zu schützen ist ein Verbot der Neonicotinoide allein zu wenig. Zur langfristigen Sicherung ihres Lebensraumes braucht es ein umfangreiches Maßnahmenpaket. Der Umweltdachverband hat gemeinsam mit dem Imkereidachverband "Biene Österreich" ein 10 Punkte-Programm mit wesentlichen Eckpunkten geschnürt", sagt Gerhard Heilingbrunner, ehrenamtlicher Präsident des Umweltdachverbandes. "Eines der zentralsten Probleme ist die stark monokulturelle und in manchen Regionen Österreichs intensiver werdende Landwirtschaft. Die Verankerung einer stärkeren Fruchtfolge wäre eine zentrale Maßnahme, die ein langfristiges flächendeckendes Überleben der Bienen und Wildbienen sichern würde", so Heilingbrunner.

Agrarförderungen bienenfit machen, Landschaftselemente sichern, Biolandbau fördern

"Derzeit laufen auf europäischer Ebene die Diskussionen um die Zukunft der europäischen Landwirtschaftspolitik. Zentraler Reformpunkt bei der Agrarförderung ist das so genannte Greening:
Ökologisierungsauflagen, welche die Landwirtschaft grundsätzlich umweltfreundlicher machen sollten. Zentrale Forderung darin ist die Einführung von zumindest 7 % ökologischen Ausgleichsflächen. Zudem muss die derzeit im Agrarumweltprogramm verankerte verpflichtende Biodiversitätsauflage jedenfalls weitergeführt und auf alle Maßnahmen des Agrarumweltprogramms ausgeweitet wird. Ferner gilt es, Bäume, Sträucher und Hecken als Lebensraum der Bienen und zur Vernetzung von Lebensräumen zu sichern und den Biolandbau zu fördern und biodiversitätsfit zu machen", betont Michael Proschek-Hauptmann, Geschäftsführer des Umweltdachverbandes.

Pestizideinsatz verringern, Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutzmittel (NAP) überarbeiten

"Die Vorgaben der EU sehen als Ziele des NAP vor allem die Verringerung der Risiken und Mengen von Pestiziden vor. Durch Begünstigung von vorbeugenden und kurativen biologischen und mechanischen Pflanzenschutzmaßnahmen, sowie der Umsetzung der Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes kann der Pestizideinsatz signifikant verringert werden. Außerdem ist die Forschung und Entwicklung von alternativen, unproblematischen Pflanzenschutzmitteln zu fördern, sodass mittelfristig alle für Bestäuber gefährlichen Pestizide ersetzt werden können", fordert Josef Stich, Obmann von Biene Österreich und Präsident des Österreichischen Erwerbsimkerbundes.

Schulung der AnwenderInnen gefordert -Bienenschutz-Bewusstseinskampagne starten!

"Der sachkundige und verantwortliche Umgang mit Pestiziden ist eine unabdingbare Grundlage für alle AnwenderInnen. Da die Biene auch ein zuverlässiger und umfassender Indikator für den Zustand unserer Umwelt ist, sollte sie als Aufhänger für eine große Aufklärungskampagne genutzt werden. Weiters ist Forschung zu allen relevanten Themen der Honigbiene und Bienenhaltung ein wesentlicher Schritt zu umfassendem Bienenschutz. Wir fordern daher die neuerliche Etablierung eines "Bienenkunde-Institutes". Die Nutzung und Bündelung der vorhandenen wissenschaftlichen und strukturellen Kapazitäten der Ages, der BOKU sowie der Uni Graz scheint dazu die geeignete Voraussetzung zu sein", betont Johann Gruscher, Obmann-Stv. von Biene Österreich und Präsident des Österreichischen Imkerbundes.

10 Punkte-Programm von Umweltdachverband und Biene Österreich zur Rettung der Biene:

1) Kulturartenvielfalt: Stärkung der Fruchtfolge im Rahmen der guten landwirtschaftlichen Praxis
2) Agrarförderungen bienenfit machen: starke Positionierung Österreichs in Sachen Greening der Gemeinsamen Agrarpolitik (7 % ökologische Ausgleichsflächen) sowie Weiterführung und Spezifizierung von verpflichtenden Biodiversitätsauflagen für die Agrarumweltförderung (ÖPUL 2014-20)
3) Landschaftselemente sichern - Biotopverbund fördern: Erhaltung und Sicherung von Landschaftsstrukturen und Landschaftselementen -Forstgesetz nicht schwächen
4) Energie aus Blühpflanzen: Fokussierung auf Kulturartenvielfalt insbesondere auch im Bereich der energetischen Nutzung von Pflanzen 5) Biolandbau fördern und biodiversitätsfit machen
6) Substitution von in Österreich problematischen Pestiziden durch möglichst unbedenkliche Alternativen sowie Einführung einer staatlichen Überwachung
7) Überarbeitung des Nationalen Aktionsplans Pflanzenschutzmittel (NAP) unter Einbindung der ImkerInnen und Umweltorganisationen -Festlegung konkreter Pestizidreduktionsziele
8) Verpflichtende Pflanzenschutzschulungen für alle BewirtschafterInnen
9) Start einer großen Bienenschutz-Bewusstseinskampagne
10) Etablierung und Finanzierung eines "Institutes für Bienenkunde"

Rückfragen & Kontakt:

Biene Österreich - Christian Boigenzahn, Geschäftsführung, Tel. 01/3341721-70,
E-Mail: office@biene-oesterreich.at, http://www.biene-oesterreich.at

Umweltdachverband - Dr.in Sylvia Steinbauer
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (++43-1)40113/21
sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at
http://www.umweltdachverband.at

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