Arbeitsbedingungen bei Großbäckerei Ströck im Visier der Gewerkschaften

PRO-GE und GPA-djp präsentieren Ergebnisse einer Beschäftigtenbefragung

Wien (OTS/ÖGB) - Die Produktionsgewerkschaft PRO-GE und die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) präsentierten heute die Ergebnisse einer Befragung bei der Wiener Großbäckerei Ströck, in der die Beschäftigten schwere Vorwürfe bezüglich der Arbeitsbedingungen im Unternehmen erheben. Neben der Verbesserung der Arbeitsbedingungen fordern die Gewerkschaften die Anwendung des Großbäcker-Kollektivvertrages für industrielle Produktion und eine längst überfällige Installierung eines Betriebsrates. ++++

Aufsichtsbeschwerde

Bereits im Februar 2013 brachten die PRO-GE und die GPA-djp eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Großbäckerei Ströck sowie gegen die Großbäckerei Mann ein. "Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, dass eine gewerbliche Erzeugung, die sich im Laufe von vielen Jahren erfolgreich zu einer industriellen Produktion wie im Unternehmen Ströck entwickelt hat, als Gewerbebetriebe klassifiziert wird, so als ob sich rein gar nichts geändert hätte. Das ist nichts anderes als Lohndumping auf Kosten der Beschäftigten, was auch gegenüber jenen Unternehmen unfair ist, die tatsächlich den korrekten und für die Beschäftigten besseren Kollektivvertrag für Großbäckereien anwenden", begründet PRO-GE Bundessekretär Manfred Anderle die Beschwerde.

Um ein detailliertes Bild über die Arbeitsbedingungen bei Ströck zu bekommen, haben PRO-GE und GPA-djp Ende März 2013 eine Briefaktion gestartet, alle rund 1500 Beschäftigten wurden kontaktiert und befragt. Es gab etwa 100 schriftliche und telefonische Rückmeldungen. Die Beschäftigten schildern teilweise Umstände, die entsprechend den arbeits- und sozialrechtlichen Regelungen in Österreich einfach nicht mehr vertretbar sind.

Befragung zeigt unhaltbare arbeitsrechtliche Zustände

So geben lediglich knapp 38 Prozent der Befragten an, regelmäßig die ihnen zustehenden Arbeitspausen zu machen. Ebenfalls ca. 40 Prozent der Beschäftigten geben an, dazu keine regelmäßige Möglichkeit zu haben und 17 Prozent der Beschäftigten nur sehr selten oder gar nicht. Diensteinteilung: Für 60 Prozent der Beschäftigten erfolgt die Diensteinteilung rechtzeitig, rund 40 Prozent können keine rechtzeitige Freizeitplanung vornehmen. Lediglich 15 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Lohn bzw. Gehalt ihrer Arbeitsleistung entspricht, 85 Prozent der Beschäftigten sind mit ihrem Lohn bzw. ihrem Gehalt unzufrieden.
16 Prozent der Beschäftigten geben an, "irgendwelche" Zuschläge für ihre Sonntagsarbeit ausbezahlt zu bekommen, 84 Prozent bekommen demnach die Arbeit am Sonntag nicht extra honoriert, wie das bei korrekter Anwendung der Kollektivverträge vorgesehen wäre.

Keine Dienstzettel

Und immer wieder das gleiche Bild: Zwei Drittel der Beschäftigten erhalten die Vor- und Nacharbeiten nicht abgegolten! "Viele Berichte bestätigen unseren Verdacht, dass die Ströck-Geschäftsführung es mitunter weder mit gesetzlichen Bestimmungen noch mit dem Kollektivvertrag so genau zu nehmen scheint. Es ist auch ein untragbarer Zustand, dass die Beschäftigten davon berichten, keinen gesetzlich vorgesehenen Dienstzettel mit Informationen zu Einstufung und Einkommen zu erhalten", erklärt die Regionalgeschäftsführerin der GPA-djp Wien, Barbara Teiber: "Einzelne Betroffene berichten uns, dass sie seit Jahren ohne Lohn- und Gehaltserhöhung arbeiten. Gesetzliche Ruhezeiten werden nicht eingehalten, Dienstkleidung muss schon mal auf eigene Kosten neu angeschafft werden und es kommt auch vor, dass man sehr kurzfristig seinen Dienst in einer anderen Filiale antreten muss."

Auch für Beate Albert, Landesseketärin der PRO-GE Wien, sind die geschilderten Zustände teilweise unhaltbar: "Dass die Beschäftigten unsere Unterstützung dringend brauchen, das sieht man auch an Berichten darüber, dass sie zum vorgeschriebenen Zeitpunkt keine Pausen machen dürfen. Filialleiter entscheiden angeblich sehr kurzfristig, manchmal von einem Tag auf den anderen, darüber, wer auf Urlaub darf oder in Urlaub gehen muss."

Im Februar 2013 wurde die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) um sozialversicherungsrechtliche Überprüfung der Lohn- und Gehaltsabrechnungen ersucht. PRO-GE und die GPA-djp haben weiter am Dienstag, den 6. Mai 2013, in einem Gespräch das Zentrale Arbeitsinspektorat (ZAI) über alle bekannt geworden Arbeitszeitverletzungen informiert und im Interesse der Beschäftigten um Unterstützung ersucht.

Betriebsrat im Unternehmen ist überfällig

Die untragbare Situation bei Ströck zeigt einmal mehr, wie wichtig wirksame betriebsrätliche Arbeit vor Ort in den Betrieben und gewerkschaftliche Strukturen für die Gestaltung von Arbeitsbeziehungen sind. "Aktuell unterstützen wir die Belegschaft bei der Gründung eines Betriebsrats - das Interesse dafür ist erstmals groß - es gibt erste KandidatInnen! Weitere interessierte Beschäftigte können mit den Gewerkschaften Kontakt aufnehmen", so Teiber und Albert.

"Das Ergebnis unserer Befragung ist für uns ein klarer Auftrag, uns solange mit den Gegebenheiten und Arbeitsbedingungen bei Ströck auseinanderzusetzen, bis derartig heftige Vorwürfe der Vergangenheit angehören. Familie Ströck wäre wirklich gut beraten, das Gesprächsangebot jener Gewerkschaften, die für die Branche zuständig sind, nämlich PRO-GE und GPA-djp, endlich anzunehmen und eine faire Betriebsratsgründung zu unterstützen", so der stv. Bundesgeschäftsführer der GPA-djp Karl Proyer. An die Wiener Wirtschaftskammer appellierte Proyer im Sinne des sozialpartnerschaftlichen Gedankens, eine Runden Tisch zur Lösung er anstehenden Fragen einzuberufen.

In der heutigen Ankündigung der Familie Ströck, die Gastronomie im Betrieb auszubauen und neue MitarbeiterInnen nach dem Gastro-KV einzustellen, sieht Proyer "ein weiteres Kapitel in den offenen Rechtsfragen, die uns mit dem Unternehmen beschäftigten: Kerngeschäft bei Ströck ist und bleibt die Herstellung sowie der Verkauf von Backwaren, die Anwendung des Gastro-KVs ist nichts anderes als eine Umgehungskonstruktion, die wir weiterhin mit allen Mitteln bekämpfen werden. Die zuständigen Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp sind - so wie in der Vergangenheit - jederzeit zu sozialpartnerschaftlichen Gesprächen bereit", so Proyer.

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