SPÖ-Bienenschutz-Enquete (1) - Gaßner für Verbot von Neonicotinoiden

SPÖ-Klub-Enquete zum Thema "Bienen schützen - Pestizide verbieten!": Imker, Wissenschafter und Agrarsprecher über Einsatz und Auswirkung von Neonicotinoiden

Wien (OTS/SK) - Der SPÖ-Parlamentsklub hat heute, Montag, zu einer Enquete zum Thema "Bienen schützen - Pestizide verbieten!" ins Parlament geladen. Dabei diskutierten Imkervertreter, Obstbauern und -bäuerinnen, Wissenschafter und die Agrarsprecher der im Parlament vertretenen Parteien den Einsatz und die Auswirkungen von Neonicotinoiden. SPÖ-Klubobmann Josef Cap eröffnete die Enquete, die nur ein Beispiel für den Einsatz des Parlaments im Kampf gegen Pestizide sei. Der Vorschlag der EU-Kommission zum Teilverbot von Neonicotinoiden sei "ganz in unserem Sinn". Cap bedankte sich für den Einsatz aller, die - wie SPÖ-Landwirtschaftssprecher Kurt Gaßner, der die Enquete moderierte - unermüdlich für den Bienenschutz im Einsatz seien, denn: "Ein funktionierendes ökologisches System ist ohne Bienen undenkbar." ****

Kurt Gaßner betonte in seinem Einleitungsstatement, dass das Thema nicht nur wegen der aktuellen Medienberichterstattung wichtig sei, sondern eine lange Vorgeschichte habe. Bienen seien wesentlich für das Ökosystem, was der Mensch ihnen antue, sei nicht "sauber", sagte Gaßner. Die Ergebnisse der Enquete sollen bei der parlamentarischen Entscheidungsfindung helfen und dazu beitragen, zu einem Sechs-Parteien-Antrag für ein Verbot von Neonicotinoiden zu kommen. "Am Anfang wurden unsere Forderungen belächelt, jetzt wird schon auf EU-Ebene gegen Neonicotinoide, die unsere Bienen vernichten, vorgegangen."

Maximilian Liedlbauer, Präsident des OÖ Landesverbands für Bienenzucht, berichtete über seine Erfahrungen mit Neonicotinoiden und erklärte, dass diese ein schweres Nervengift seien, das die Reizweiterleitung stört. Die Biene ist bei Exposition über Pollen oder Beizstaub entweder sofort tot oder reagiert mit Verhaltensstörungen wie Flugunfähigkeit, Krabbeln oder Orientierungslosigkeit. Das Beizmittel wird über die Feuchtigkeit in der Erde über die Wurzeln der Pflanze aufgenommen und durchdringt die gesamte Pflanze. "Das Insektizid macht also die gesamte Pflanze giftig", erklärte Liedlbauer. Der Anteil mit Beizmitteln belasteter Bienenstände und -völker in Österreich wird immer höher, erklärte der Imker. In einigen Ländern Europas wie Slowenien sind die Gifte schon verboten, schließlich ist die Biene durch ihre Bestäubungsleistung das drittwichtigste Nutztier.

Im Jahr 2012 wurde eine Studie des Europäischen Parlaments veröffentlicht, die belegt, dass Neonicotinoide für die Bienenverluste mitverantwortlich sind und schwerwiegende Verhaltensstörungen bewirken. Im Jänner 2013 schließlich identifizierte auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA das Risiko der Gifte für die Bienen. Experten aus den Zulassungsbehörden aus 20 Mitgliedstaaten arbeiteten an der Studie mit.

Der niederösterreichische Imker Roland Netter erklärte, dass Bienen Maispollen nur aufnehmen, wenn es in der Umgebung kein besseres Angebot gibt. Daher seien Gegenden, in denen vorwiegend Mais angebaut wird, besonders gefährlich für die Tiere. "In einem Maiskorn ist die Neonicotinoid-Konzentration so hoch, dass innerhalb von 48 Stunden 108.000 Bienen getötet werden könnten", sagte Netter.

Der Präsident des Europäischen Berufsimkerverbandes Walter Haefeker erklärte, dass die EU-Kommission die EFSA mit der Neonicotinoid-Studie beauftragt hatte, weil die Gifte in einigen Mitgliedstaaten bereits verboten wurden. Der Kommissionsvorschlag, gegen den sich vor kurzem im Berufungsausschuss keine qualifiziert Mehrheit fand, ist jetzt von den Mitgliedsländern umzusetzen. "Es gibt keinen Spielraum, den Vorschlag zu unterschreiten, aber es dürfen über den Vorschlag hinausgehende Maßnahmen ergriffen werden." Die Bewertung weiterer Neonicotinoide laufe bereits; auch die Zulassung gefährlicher Nachfolgeprodukte werde erschwert. Durch den Kommissionsvorschlag werde auch der Druck in Nordamerika erhöht, ähnliche Maßnahmen umzusetzen. (Forts.) bj/mo

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