WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ohne Aufpasser geht es nicht - von Günter Fritz

Liberalisierung ohne Wettbewerbshüter ist zum Scheitern verurteilt

Wien (OTS) - Die jüngsten Fälle, in denen Unternehmen wegen Kartellvergehen zu Strafen in Millionen-Euro-Höhe verurteilt wurden -von Berglandmilch über Philips Austria oder Leipnik Lundenburger bis zur Voestalpine - sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn noch öfter prüfen die Wettbewerbsbehörden ohne größere Aufmerksamkeit vermutete Absprachen zwischen Marktteilnehmern, führen Hausdurchsuchungen durch oder nehmen geplante Zusammenschlüsse unter die Lupe. Die betroffenen Unternehmen reagieren nicht selten mit Unverständnis oder Protesten wie beispielsweise im Fall von Rewe Austria, wobei es da letztlich doch noch zu einer einvernehmlichen - aber geheim gehaltenen - Lösung kam.

Klar ist, dass der freie Markt ohne Wettbewerbshüter viel weniger frei und für die Kunden beziehungsweise Konsumenten wesentlich nachteiliger wäre. Warum das so ist, bringt auch der WirtschaftsBlatt-Round-Table zum Thema Monopole (auf Seite 6) zum Ausdruck: Vier Experten aus den verschiedensten Branchen berichten dort aus ihrer langjährigen Erfahrung über die Probleme, die Liberalisierung mit sich bringen kann. Egal ob es sich um Abfallentsorgung, Telekommunikation, Eisenbahn oder Rundfunk handelt, überall ähneln sich die Schemata und Methoden, mit denen Monopolisten auf in den Markt eintretende Mitbewerber reagieren. Den neuen, meist viel kleineren und finanzschwächeren Eindringlingen wird das Leben möglichst schwer gemacht - oft mit hinhaltendem Widerstand und mit Hilfe von Verbündeten im staatlichen Bereich. Hier müssen dann Regulatoren dafür sorgen, dass alle zu den gleichen Bedingungen konkurrenzieren können. Dann - nach dem Zulassen neuer Anbieter und der Zerschlagung der alten - setzt eine markt- und finanzwirtschaftliche Dynamik ein, die wieder zu Reoligopolisierungen oder Monopolisierungen führt. Die Teilnehmer im liberalisierten Markt matchen sich mit den härtesten Bandagen und niedrigsten Preisen, sodass es die Schwächeren wieder aus dem Geschäft spült - und die verbliebenen Größeren den Markt unter sich aufteilen können. Das ist der Punkt, an dem dann wieder die Wettbewerbsbehörden ins Spiel kommen, damit die errungene Liberalisierung nicht unter die Räder kommt. Fazit: Ohne Aufpasser geht in der Marktwirtschaft nichts, auch wenn immer wieder darüber lamentiert wird.

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